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Kommentar zu PCB-Sanierungen

Die Sanierung ist seit Jahren überfällig

Über Grenz- und Richtwerte bei (Umwelt-) Giften wird viel und lange gestritten. Das zeigte zuletzt die erbitterte Debatte um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Auch bei der Sanierung der Morgenstelle wird man jetzt wieder über Zahlen diskutieren: 2500 Nanogramm PCB pro Kubikmeter Luft. Ist das gesundheitsschädlich? Was ist tolerabel? Und für wie lange?

13.12.2016
  • Angelika Bachmann

Das fragen sich mit Sicherheit viele Mitarbeiter, die jahrelang in ihrem Büro auf der Morgenstelle im PCB-Dunst saßen. Sie haben allen Grund verärgert zu sein. Nach wie vor gibt es für den Umgang mit PCB-Belastungen nur Richtlinien, die wachsweiche „Empfehlungen“ abgeben, etwa, dass „mittelfristig“ saniert werden soll. Sind das drei Jahre? Fünf Jahre? Zehn Jahre? Auf der Morgenstelle sind mittlerweile 15 Jahre ins Land gegangen – und immer noch hängen PCB-haltige Deckenplatten in den Büros, dünsten Fenster- und Türfugen in den Werkstätten den Giftstoff aus.

Der Baubehörde des Landes mag man zugute halten, dass die anderen Gebäude auf der Morgenstelle mittlerweile vorbildlich saniert wurden. Umso unverständlicher ist es, dass sie die Sanierung des D-Baus auf die lange Bank geschoben hat. Die Baubehörde wollte das Problem Deckenplatte für Deckenplatte über die Jahre entfernen: Bislang sind 2000 der 5000 PCB-haltigen Platten abgenommen worden. Das heißt aber auch: 3000 sind noch drin – und die Messungen haben ergeben: Genau in jenen Büros werden jetzt PCB-Werte nahe der 3000er Grenze gemessen.

PCB reichern sich im Fettgewebe des Körpers an. Wissenschaftler sprechen dabei von einer chronischen Toxizität. Je länger und intensiver man dem Gift ausgesetzt ist, desto schwerwiegender sind die Folgen. Neuere Erkenntnisse über einige PCB-Verbindungen, die eine ähnliche Wirkweise wie Dioxine haben, können auch nicht gerade zur Beruhigung der Mitarbeiter beitragen, die in den betroffenen Gebäuden arbeiten.

PCB-Sanierungen sollte man deshalb nicht auf die lange Bank schieben. Auch auf der Morgenstelle hätte man die gifthaltigen Platten schon längst entfernen sollen.

Universität und Land haben als Arbeitgeber auch eine Sorgfaltspflicht gegenüber ihren Beschäftigten. Man hätte Mitarbeiter, die nach Bekanntwerden der PCB-Werte 2001 eingestellt wurden, deshalb konsequent darauf hinweisen müssen, dass die Sanierungen seit Jahren ausstehen. Vielleicht hätte die Peinlichkeit, das jedes Mal wiederholen zu müssen, den Sanierungsdruck erhöht.

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13.12.2016, 22:00 Uhr

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