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Die Vielfalt der Dresscodes und Kleiderordnungen in Schwaben und Umgebung

EU-Kommissar Günther Oettinger kam erst kürzlich in die Bredouille, nicht in eine seiner Lieblingskneipen eintreten zu können, dem Boulanger in Tübingen. Wir berichteten dass er im Vollwichs, der vollständigen Bekleidung der Studentenverbindungen, nicht eintreten durfte, da der Wirt dies beschlossen hatte, um Konflikte zwischen den Gästen zu vermeiden.

29.07.2015

Die Vielfalt der Dresscodes und Kleiderordnungen in Schwaben und Umgebung
In Tübingen gibt es auch heute noch Kleiderordnungen;

Es ist nicht unüblich, dass Etablissements, Restaurants, Hotels, Clubs, Casinos oder Gaststätten auf bestimmte äußere Merkmale ihrer Gäste Wert legen, denn das Hausrecht steht es jedem zu, sich seine Gäste auszusuchen oder ihnen den Zugang zu verweigern. Und auch Studentenverbindungen sind seit einigen Jahrhunderten mit strengen Regeln und Dresscodes bedacht, die heutzutage bei manchen Personen ein Stirnrunzeln hervorrufen lassen. Wir haben Oettingers Fauxpas als Anlass genommen, uns die gängigen und unbekannten Kleiderordnungen der Region und darüber hinaus näher anzusehen und zu ergründen, wie sich diese im Laufe der Jahrhunderte veränderten.

Kleiderordnung im Mittelalter

Nicht nur heutzutage ist anhand der Kleidung, des Stils oder der Farbwahl eine bestimmte Zugehörigkeit zu einem Beruf oder einer Gruppierung oder der Stand in der Gesellschaft zu erkennen. Um sich von anderen abzusetzen haben viele Herrschende Kleiderordnungen herausgegeben und strenge Vorschriften erlassen. Karl der Große war einer der ersten, der 808 ein Aufwandgesetz erließ, um die Verwendung bestimmter Stoffe im Zaum zu halten und modische Extras dem Adel vorzuhalten. Nicht mehr als sechs Ellen Stoff sollten die einfachen Leute verwenden, doch Farbe und Gestaltung blieben noch relativ frei.

Ab dem 12. bis 14. Jahrhundert sorgte die Ständeverteilung in Geistliche, Adel und Bauern für striktere Regelungen, wie die Kutten der Mönche und die kostbaren Kleider, Felle und Verzierungen für den Adel. Braun war dabei die Alltagsfarbe, Bauern sollten sich in Schwarz oder Grau kleiden und Schuhe aus Rindsleder verwenden. Der SWR berichtet, dass die Braunfärbung im Mittelalter am leichtesten herzustellen war, denn die Schalen der Walnuss besaßen eine große Färbungskraft. Leuchtende Farben wie Rot und Violett konnten sich meist nur Adel und später das gehobene Bürgertum leisten. Tiere wie die Schildlaus und die Purpurschnecke dienten als Farbstofflieferant, doch waren und sind sie auch heute noch äußerst kostspielig. Aus über 10.000 Purpurschnecken lassen sich 1,5 Gramm Farbstoff herstellen. Die Cochenille-Schildlaus erzeugt den Farbstoff Karmin, der auch in vielen Lebensmitteln heute noch eingesetzt wird.

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Mittelalterliche Gewandung zeigte Stand und Reichtum an.

Bis ins 18. Jahrhundert wurde das byzantinische Modevorbild von den Herrschenden verwendet, mit Gewändern bis zu den Knöcheln.

Die Dalmatik bildet dabei das wertvolle violette Unterkleid, Cappa der Mantel, der oft mit Goldfäden bestickt war. Vorherrschende Farben waren Rot und Dunkelviolett. Im Laufe der Jahrhunderte übernahm der Klerus viele der gehobenen Kleiderordnungen.

Ulm war beispielsweise eine der führenden Städte im Mittelalter, wenn es um den Handel mit Leinen und Baumwolle ging, so dass die Stadt als Exportweltmeister einen hohen Reichtum verzeichnen konnte. Noch 1830 gab es über 30.000 Leinweber in Ulm.

Ein weiterer Grund für die Kleiderordnung war neben der Abgrenzung auch die vermeintliche Einhaltung von Zucht und Ordnung, denn bestimmte Personengruppen sollten über die Kleidungs- und Farbregeln erkannt werden, wie Prostituierte, Juden, Spielleute oder Vagabunden. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Anforderungen immer detaillierter und je nach Stadt und Stand gab es große Unterschiede. So sollte in Regensburg kein Mann mehr Perlenverzierungen nutzen, während Frauen des Bürgertums ihre Brüste nicht einschnüren sollten, im Gegensatz zu den Dirnen. Dabei diente ein blassgelbes Gelb als Signalfarbe für Gruppen, die abseits der Gesellschaft standen, wie ein gelbes Band oder ein gelber Gürtel für die Prostituierten oder der gelbe Ring auf der Kleidung für jüdische Personen.

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Geschichte der Farbtypen und Farblehre

Farben besitzen und besaßen eine große Bedeutung in der Abgrenzung von anderen und in der Bestimmung einer gewissen Zugehörigkeit. Blau, Rot, Violett und Grün waren die vorherrschenden Farben des Adels und des Klerus, später des gehobenen Bürgertums. Dieser Dress- beziehungsweise Farbcode wurde von den Malern der damaligen Zeit aufgegriffen und ist in vielen zahlreichen Gemälden auch heute noch zu erkennen. Ein Beispiel ist der Wurzacher Altar aus dem 15. Jahrhundert, erschaffen von Hans Multscher und heutzutage ausgestellt in der Berliner Gemäldegalerie. Die vier Szenen des Marienlebens und die vier Szenen aus der Passion Christi zeigen die Farbsymbolik der damaligen Zeit, mit Rot, Blau und Violett als vorherrschende Farben von Jesus, Maria und Herrschenden.

Ab dem 18. Jahrhundert, nach der französischen Revolution und in den Wogen der Aufklärung, erhielten die Farben weitere Bedeutungen und die Farbcodes wandelten sich zu Farbtypen und einer Verbindung von Person und Stil. Johann Wolfgang von Goethe war beispielsweise nicht nur ein Literat, sondern auch ein Farbtheoretiker, dessen Farbenlehre sich auch auf die Bekleidung bezog. Der Schweizer Maler Johannes Itten gilt als Gründer der Farbtypenlehre, der den Zusammenhang zwischen bevorzugten Farben und passender Kleidung noch deutlicher herausstellte. Kunst-Zeiten.de führt ein in das Wirken und Arbeiten des Schweizer Kunstpädagogen.

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Sommersprossen können bei jedem Farbtypen auftreten; Pixabay.com © pezibear (CC0 1.0)

Schließlich erstellte Suzanne Gaygill in den 40er Jahren ein Farbberatungssystem, das bis heute von vielen Modeschöpfern verwendet wird, denn es basiert als Grundgerüst auf den vier Jahreszeiten. Der Frühling wird dabei mit Klarheit assoziiert, Sommer mit Gedämpftheit, Herbst mit Sattheit und Winter mit Kontrast. Eine genaue Auflistung der Typen und die passende Farben nutzen viele Modefirmen auch heute noch für die Beratung ihrer Kunden. Happy Size erweitert beispielsweise die gängigen Typ-Beschreibungen mit Anleitungen für vollständige Looks, so dass die Personen direkt Tipps für den Gesamtstil erhalten können.

Eine andere Farbberatung tätigt die Amerikanerin Carole Jackson, die sich zwar ursprünglich auf die Jahreszeiten-Typen bezieht, dabei jedoch noch mehr Mischtypen involviert. Mit verschiedenen Tüchern wird der Typ ermittelt und charakteristisch nach Stichworten wie frisch, warm, klar oder weich eingeteilt.

In der modernen Zeit haben Farben zwar immer noch eine große Wirkung, doch einen gesetzlich fest vorgeschriebenen Farbcode gibt es nur im Berufsleben bestimmter Bereiche, zum Schutz und zur Sicherheit der Arbeiter, wie die fluoreszierend gelben oder orange-roten Warnwesten und Anzüge im Verkehrswesen, die blaue Uniform der Polizei oder das Rot der Feuerwehr.

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Bestimmung der Warnkleidungsklasse

Allerdings dürfen bestimmte Farben und Stile auch von dem Arbeitgeber vorgeschrieben werden, selbst das Verordnen hautfarbener oder weißer Unterwäsche ist zulässig, wenn dadurch das äußere Erscheinungsbild und das Image der Firma gewährt bleiben. Bei heißen Temperaturen wie in diesem Sommer, darf der Dresscode aber gerne gelockert werden.

Besondere Dresscodes und ihre regionalen Unterschiede

Studentenverbindungen

Die Studentenverbindungen im schwäbischen Raum haben bereits früh abgrenzendes Verhalten eingeführt, aber auch bestimmte Kleiderordnungen. Der Vollwichs ist die Tracht der Burschenschaften und Corps, die nur zu ganz speziellen Anlässen getragen wird, mit Husarenjacke, Barett, Reithose, Stulpenstiefel und Schläger. Die Farben sind zu einem großen Teil dem Schwarz-Rot-Gold Deutschlands nachempfunden, doch jede Studentenverbindung hat eigene Farbvorgaben, die auf der Kleidung entsprechend einzuhalten sind.

In Tübingen gibt es beispielsweise 36 aktive Studentenverbindungen, die sehr unterschiedliche Farbcodes vorgeben. Die Landsmannschaft Ulmia besteht seit 1815 und besitzt berühmte Mitglieder wie Günther Oettinger, Gunther Krichbaum oder Rainer Wieland. Das Fuxenband ist schwarz-gelb mit silberner Perkussion, das Burschenband schwarz-weiß-gelb und die Studentenmütze gelb.

Corps Franconia Tübingen trägt die Farben Moosgrün und Rosa, mit moosgrüner Mütze und dem Fuxenband in Moosgrün-Rosa-Weiß auf Silber. Die Tracht wird meist bei der Kneipe, der traditionellen Vereinsfeier und am Pauk- und Bestimmungstag getragen.

In Stuttgart sind 34 Studentenverbindungen aktiv, unter ihnen die Landsmannschaft Württembergia, die überwiegend agrarwissenschaftlich geprägt ist. Schwarz, Gold, Grün sind die Farben, mit goldener Perkussion. Bekannt ist Gründungsmitglied Götz von Berlichingen.

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Die Couleur der Burschenschaft Teutonia Nürnberg;

In anderen Teilen Deutschlands, wie beispielsweise an der Freien Universität Berlin ist das Auftreten von Studenten im Vollwichs oder in den Verbindungsfarben nicht erwünscht, um den freien Geist der Universität erhalten zu können, doch auch hier haben sich bereits Veränderungen eingeschlichen, was der Tagesspiegel beschreibt.

Trachten

Die Cannstatter Wasen sind über die regionalen Grenzen hinaus bekannt. Das Stuttgarter Volksfest und das Cannstatter Volksfest finden hier jedes Jahr großen Zulauf; so ist das Cannstatter Fest das größte Schaustellerfest und zweitgrößtes Volksfest Europas. Seit Beginn der Feste Anfang des 19. Jahrhunderts war es gang und gäbe in Tracht auf dem Fest zu erscheinen, schließlich ging es um das Zeigen der eigenen Werte und den feierlichen Anlass. Im schwäbischen Raum waren das Dirndl und die Lederhose vorherrschend.

Schwabenwelt.de berichtet über die wichtigsten Bestandteile:

Frauentracht:

  • Dirndl und Mieder
  • >>Bluse
  • >>Strümpfe
  • >>Schuhe
  • >>Hemd und Weste
  • >>Lederhose
  • >>Strümpfe
  • >>Schuhe
  • >>Höflich zu Barkeepern und Personal bleiben
  • >>Trinkgeld richtig einsetzen und gute Manieren zeigen
  • >>Smalltalk halten
  • >>Dancing Bags und Taschen für die Tanzfläche freimachen
  • >>Spaß haben

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29.07.2015, 12:00 Uhr

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