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Die schönere Verabredung
Schöne schadstoffarme Zukunftswelt: Verkehrsminister Winfried Hermann (links) lässt sichvon Hochschulprofessor Wolf Burger ein emissionsfreies Fahrzeug vorführen. In der Mitte schaut Innovationscampus-Geschäftsführer Hubert Grosser zu. Bild: Kuball
Entwicklung

Die schönere Verabredung

Tief versteckt im Wald pusseln Unternehmer an nachhaltigen Technologien der Zukunft. Das wollte Landesverkehrsminister Winfried Hermann sehen. Am Montag besuchte er den Empfinger Innovationscampus.

06.12.2017
  • Kathrin Löffler

Winfried Hermann, Grünen-Politiker, seit 2011 Verkehrsminister von Baden-Württemberg, hat klare Vorlieben, was sein Stellenprofil anbelangt: „Ich bin dankbar, wenn ich nicht nur über Straßen reden muss, sondern auch über Zukunftstechnologien.“ Über Straßen reden musste der 65-Jährige am Montagmittag in Empfingen: Da hatten Bürgermeister und Gemeinderat ihm ihre neuen Pläne für die Nordumgehungstrasse – durch den Wald – schmackhaft machen wollen. Herman zeigte dafür eher mauen Enthusiasmus (die SÜDWEST PRESSE berichtete).

Hubert Grosser hat dieses Treffen miteingefädelt. Der Geschäftsführer des Innovationscampus hatte Hermann eigentlich eingeladen, um ihm zu zeigen, was sich mittlerweile auf dem ehemaligen Munitionsdepot zwischen Empfingen und Haigerloch tut: Verschiedene High-Tech-Unternehmen grübeln dort, wie weniger hässliche Windräder gebaut werden oder aus Abgasen Algen wachsen können. Auf Teil zwei seiner Empfingen-Tour durfte Herman also einen Blick in eine schadstoffarme Zukunft werfen. Schon eher ein Termin nach dem Geschmack des Ministers.

In einem der ersten Gebäude auf dem Campus ist „MWI“ untergekommen, das Unternehmen der Brüder Gallatz. Der Tross um Hermann drängelt sich zwischen Monitore und Motorenmodelle, von draußen dringt ein permanentes Knattern durch die Wände. Armin Gallatz erklärt, dass MWI mit seinen fünf Mitarbeitern ein Zündverfahren mit Mikrowellen entwickelt habe. Funktioniert bei allen Verbrennungsmotoren, verbraucht aber weniger Sprit und stößt weniger Kohlenstoffdioxid aus. Die Automobilindustrie brauche das unbedingt, findet Gallatz. Ob es denn schon Kontakte zur Automobilindustrie gebe, will der Minister wissen. Schon, sagt Gallatz. Die seien aber nicht von Glück beschieden.

MWI kann seine Mikrowellenzündung bis zur technischen Reife entwickeln, bisher haben das die Aktionäre finanziert. Für die Serienreife braucht es Unternehmen, die mitaufspringen. Aber: „Wir sind in Deutschland eine Wüste, wenn es darum geht, Risikokapital zu bekommen“, sagt Gallatz. Entwickler würden eher mit Skepsis denn mit offenen Armen empfangen.

Prof. Wolf Burger von der Dualen Hochschule Horb blies in ein ähnliches Horn: Die Uni Stuttgart müsse sich nach Daimler richten, die in Karlsruhe sei mit BMW verbandelt. Die Dualen Hochschulen aber seien Einrichtungen des Landes Baden-Württemberg – und sollten demnach laut Burger freier in ihrer Innovationsbereitschaft sein.

Burger zeigte Hermann einen Elektro-Quad und eine Art Papamobil: emmissionsfrei, elektronisch betrieben, 300 Kilo schwer, 80 Kilometer Reichweite. Der Minister will der umweltfreundlichen Fortbewegungskugel jedenfalls Publicity verschaffen und versprach, öffentlichkeitswirksam eine Testfahrt damit zu unternehmen. „Wir können ja eigentlich saubere Mobilität“, sagte Hermann. „Aber in China und Japan werden neue Technologien viel konsequenter verfolgt.“

Der Innovationscampus Empfingen

Im Jahr 2014 hat die Eigentümergesellschaft „E2U GmbH & Co KG“ das Gelände auf dem ehemaligen Munitionsdepot gekauft. Es soll nachhaltigen Unternehmen Entwicklungs- und Laborräumlichkeiten bereitstellen. Ein Projekt in Zusammenarbeit mit der Dualen Hochschule Horb ist das Forschungsinstitut für Elektromobilität. Es soll unter anderem erarbeiten, wie E-Mobilität im ländlichen Raum, in der Landwirtschaft oder für Gemeindefahrzeuge eingesetzt werden kann.

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06.12.2017, 01:00 Uhr

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