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FC Bayern bei Atletico: Peps Edelkicker gegen Simeones Matratzenmacher

Duell der Gegensätze

Die beiden Trainer Pep Guardiola (FC Bayern) und Diego Simeone (Atletico Madrid) haben mindestens eines gemeinsam: Sie lieben schlauen Fußball.

26.04.2016
  • DPA/SID/TGO

München/Madrid. Er sieht in seinem dunklen Anzug, mit seinem Dreitagebart und den nach hinten gegelten Haaren eher aus wie ein Mafia-Boss aus einem alten Zwanziger-Jahre-Streifen. Doch Diego Simeone ist seit Jahren einer der erfolgreichsten Fußball-Trainer Europas. Ein 45 Jahre alter Argentinier, der seine ganze Leidenschaft auf Atletico Madrid übertragen hat, der stets auf einem schmalen Grat zwischen Heißblütigkeit und Wahnsinn wandelt. Am morgigen Mittwoch (20.45 Uhr, Sky und ZDF) kommt es im Halbfinale der Champions League zum ersten Duell mit dem FC Bayern und Noch-Trainer Pep Guardiola, auch nicht gerade ein Anhänger von Freizeitlook am Spielfeldrand.

"Wenn ich Schlamm sehe, werfe ich mich hinein. Arbeit ist alles", lautet das Credo des früheren Profis Simeone, der schon in seiner aktiven Zeit keinem Disput aus dem Weg gegangen war. Kein Mätzchen ist ihm auch jetzt noch zu blöd. Erst am Wochenende stiftete er bei einem gegnerischen Konter einen Balljungen angeblich zu einem Ballwurf an und wurde dafür auf die Tribüne verwiesen.

Und genau dieser Simeone, seit 2011 im Amt, hat Atletico nach Jahren der Tristesse wieder zum Leben erweckt. Er hat es geschafft, dass nicht nur der deutsche Rekordmeister viel Respekt vor "Atleti" hat. Den Ruf als undankbarster Gegner Europas hat sich Atletico hart erkämpft, ermauert und ergrätscht. "Wir sind einfach eine Gruppe ehrlicher Arbeiter, da gibt es schlechtere Werte in der heutigen Gesellschaft", sagt Simeone. "Es war das Team gegen das ich am wenigsten spielen wollte. Für mich ist es der härteste Gegner", betont auch Bayerns spanischer Nationalspieler Javi Martinez.

"Los Colchoneros" (Matratzenmacher), wie die Rot-Weißen aus dem Süden Madrids angesichts ihrer gestreiften Trikots getauft wurden, sind wieder eine feste Größe in Europas Fußball und der Primera Division. Dass Atletico im Viertelfinale der Königsklasse mit Barcelona das vermeintlich weltbeste Team ausschaltete, vergrößerte die Angst des Establishments vor dem unorthodoxen Spiel der Simeone-Jünglinge noch einmal. In den 1970er-Jahren hatte Atletico schon einmal zu den Größten des Kontingents gehört, verlor 1974 im Europapokal-Finale der Landesmeister gegen die Bayern (1:1 n.V./0:4). Später wurde aus Größe Größenwahn.

Unter dem berühmt-berüchtigten Präsidenten Jesus Gily Gil (1987 bis 2003), dem Ex-Bürgermeister von Marbella, der sich schon einmal aus Lust und Laune einen Flugzeugträger kaufte, versuchte der Arbeiterklub, den Glamourfaktor des Stadtrivalen Real zu erreichen. Stars wie Bernd Schuster, Paulo Futre und Christian Vieri kamen, 1996 wurde Atletico noch einmal Meister. 2000 brach das Gil-Gebilde aber zusammen: Abstieg in die zweite Liga, der zwielichtige Vereinsboss wurde wegen diverser Vergehen aus dem Verkehr gezogen - Geldprobleme und Führungschaos.

Doch der Niedergang geriet zur Selbstreinigung. Seit dem Wiederaufstieg 2002 geht es im altehrwürdigen (und mittlerweile recht maroden) Estadio Vicente Calderon stetig bergauf. Simeone ist entsprechend begehrt, blieb Atletico aber trotz aller Abwerbeversuche vor allem aus England treu. Der Trainer lässt weiter seinen kompromisslosen Defensivfußball spielen, bringt seine Mannen bis in die Haarspitzen auf Linie, jeder zerreißt sich für jeden. 16 Gegentore in 35 Ligaspielen und fünf in der Königsklasse sprechen eine deutliche Sprache.

Die Emotionalität verbindet Simeone und Pep Guardiola. Und noch mehr? "Es wird ein großes, großes Duell", prophezeite der Katalane Guardiola, der die aufgeheizte Atmosphäre im Estadio Vicente Calderón bestens aus seiner Zeit bei Barça kennt. Der Bayern-Coach weiß um den Druck, der auf ihm lastet: Meisterschaft, Pokal, Königsklasse - das Triple! "Bis zur letzten Minute um alle Titel zu kämpfen, das ist sehr schön", bemerkte Guardiola. Er selbst ist mit sich im Reinen, für ihn sind die drei Jahre in München eine gute Zeit gewesen. "Es war super, toll", sagte er zuletzt. "Ich habe viel gelernt als Trainer und als Mensch." Jetzt geht es darum, ob Peps Bayern-Zeit so glanzvoll endet wie die seines Vorgängers Jupp Heynckes mit dem historischen Triple 2013.

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26.04.2016, 06:00 Uhr

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