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Eine Liebeserklärung an das Arabische Filmfestival
Romantik auf saudi-arabisch: „Barakh meets Barakh“ läuft letztmals am Samstag um 20 Uhr im Kupferbau.
Einblicke statt Opferzahlen

Eine Liebeserklärung an das Arabische Filmfestival

Noch bis zum Wochenende gastiert in Tübingen das Arabische Filmfestival. Es ist bereits die zwölfte Ausgabe, und wieder bringt es Filme in die komödienverliebte Unistadt, die es sonst kaum noch in die hiesigen Kinos schaffen würden.

13.10.2016
  • Dorothee Hermann

Da gibt es beispielsweise die herausragende Doku „Life on the Border“, für die acht Kinder aus dem Grenzgebiet zwischen dem Irak und Syrien ihren Alltag im Flüchtlingslager mit der Kamera aufgezeichnet haben. Eines von ihnen ist der 13-Jährige, der als letzter in seiner Familie nach außen hin funktioniert. Er organisiert Essen, kocht und wäscht für seine in Trauer gefangene Großmutter und die kleine Schwester, die nicht mehr spricht, seit die Terrormiliz IS sie eine Woche „hatte“, wie es im Film heißt. Diese Kinder waren so eindrucksvoll (und dabei völlig frei von Selbstmitleid), dass einige Zuschauer die Tränen nicht zurückhalten konnten.

Beim Arabischen Filmfestival erfährt man, dass es in Saudi-Arabien, das zuletzt mit einem verheerenden Militärschlag in Jemen auffiel, auch Leute gibt wie den Regisseur Mahmoud Sabbagh, Pionier des unabhängigen Kinos in seinem Land, dessen schräge Komödie „Barakah meets Barakah“ wegen großen Zuspruchs am morgigen Samstag nochmals läuft.

Doch die Schau lässt auch Raum für ambitionierte künstlerische Ansätze wie die Dystopie „The Last of Us“ des Tunesiers Ala Eddine Slim, der Afrika und das Alte Europa in einem bildstarken Naturzustand einander gegenüberstellt (Filmkritik auf der Kulturseite).

Diesem faszinierend vielfältigen Einblick in Weltgegenden oder Konflikte, die sonst nur als dürre Opferzahlen in Nachrichtenmeldungen vorkommen oder in Aufrufen von Hilfsorganisationen, wünschte man noch viel mehr Zuschauer. Oder sollten die meist englischen Untertitel im polyglotten Tübingen wirklich ein Hindernis sein? Hauptspielorte sind, dank der Uni, der Kupferbau sowie das Kino Arsenal.

Gestemmt wird die Schau mit mehr als 80 Filmen von Laien – dem Verein Arabischer Studenten (die meisten sind Mediziner) und Akademiker. Neuerdings helfen auch Flüchtlinge mit, wie vom Festivalleiter, dem Tübinger Politikwissenschaftler Adwan Taleb, zu hören war. Sie alle bringen die Filme neben Studium oder Beruf zum Laufen, einschließlich der Spätabendvorstellungen. Und es kann auch sein, dass ein frischgebackener Arzt am langen Tisch im Kupferbau palästinensische und andere Süßigkeiten anbietet und Tee in geschwungenen Gläsern ausschenkt.

Okay, die Sitzgelegenheiten im Kupferbau sind nicht so bequem wie im Kino, und manchmal läuft ein ganz anderer Film als angekündigt. Aber das sind Kleinigkeiten.

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13.10.2016, 21:00 Uhr

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