Dornstetten · Wirtschaft

Einfach einen Job anbieten reicht nicht mehr

Im dritten Dornstetter Ausbilder-Café diskutieren Betriebsinhaber neue Herausforderungen bei der Nachwuchssicherung.

10.08.2022

Von NC

Geschäftsführerin Karin Schupp führte die Teilnehmer der Kaffeerunde durch den Betrieb und ging auf die zu durchlaufenden Abteilungen für die Auszubildenden ein. Bild: Stadt Dornstetten

Geschäftsführerin Karin Schupp führte die Teilnehmer der Kaffeerunde durch den Betrieb und ging auf die zu durchlaufenden Abteilungen für die Auszubildenden ein. Bild: Stadt Dornstetten

Zum dritten Mal lud die Wirtschaftsförderung der Stadt Dornstetten zum Ausbilder-Café ein. Gastgeber war dieses Mal die Firma Schupp in Aach. In den Gesprächen zeigte sich: Die Welt der Ausbildung und Auszubildenden hat sich stark gewandelt. Unternehmen wie Kommune müssen sich Gedanken machen, wie sie dieser Veränderung erfolgreich entgegentreten können.

Die Unternehmen in Dornstetten genießen in der Region und darüber hinaus Ansehen. Dennoch ist es schon lange nicht mehr selbstverständlich, dass sich deshalb die Ausbildungsinteressenten die Türklinke in die Hand geben. „Früher gab es einen Wettbewerb der Auszubildenden, heute ist es ein Wettbewerb der Unternehmen“, fasst Ellen Brede-Lenk, Wirtschaftsförderin der Stadt Dornstetten, die Situation zusammen. Die Unternehmen machen sich deshalb intensiv Gedanken, wie sie sich noch besser für junge Nachwuchskräfte aufstellen können. Doch manche Entscheidungsfaktoren können sie nicht beeinflussen.

„Die Anbindung an den ÖPNV ist ein Problem“, erklären die Unternehmensvertreter in der Ausbilder-Kaffeerunde. „Wenn ein minderjähriger Azubi aus Aach morgens um 7.30 Uhr an der Berufsschule in Nagold sein soll, ist dies mit dem ÖPNV kaum machbar.“ Fleißig denke man daher gemeinsam mit der Stadt Dornstetten über Lösungsmöglichkeiten für das Mobilitätsproblem nach. Über Nacht umsetzen lassen sich diese jedoch nicht, zumal die Schulstandorte der verschiedenen Ausbildungsberufe weit verstreut liegen. „Viele Unternehmen sind daher oft erst für Azubis mit Führerschein eine Option“, berichtet ein Dornstetter Ausbilder.

Auf Job-Messen und in Lehrstellenbörsen präsentieren sich heute auch die Dornstetter Unternehmen potenziellen Auszubildenden. Ein wichtiger Termin ist dabei die regionale Messe „Top Job“, die jährlich im Freudenstädter Kongresszentrum stattfindet. Doch die Blitzpräsentation im Rahmen einer Großveranstaltung lasse wenig Zeit für intensive Gespräche und Kennenlernen.

„Die Schüler bekommen den Vormittag für den Messebesuch frei. Das heißt aber, dass sie innerhalb kurzer Zeit durch die Messe hetzen und die anschließende Freizeit auch gerne anders nutzen“, beschreibt ein Ausbilder die Situation. Nachmittags seien hingegen eher interessierte Eltern auf der Messe unterwegs.

Die Dornstetter Ausbildungsunternehmen würden sich daher ein angepasstes Format wünschen. „Ein Campus-Format oder die Ausweitung der Messe auf Freitag und Samstag.“ Auch die Verlegung auf einen früheren Zeitpunkt im Kalenderjahr stand als Überlegung im Raum.

Einige Unternehmen setzen auf Praktikumseinheiten, um sich potenziellen Interessenten vorzustellen und diese besser kennenzulernen. Genutzt wird dabei unter anderem das Projekt Praktikumswoche.de, bei dem ein Praktikant an fünf Tagen fünf Betriebe kennenlernen kann. „Die Praktikanten, bei denen Eindruck und Chemie gestimmt haben, werden anschließend nochmals zu einem Gespräch eingeladen“, berichtet ein Unternehmensvertreter das weitere Vorgehen. Wenn alles passt, sei es nicht ausgeschlossen, dass gleich der Ausbildungsvertrag angeboten wird.

Während die Bewerbung für einen Arbeitsplatz früher ein hochformales Prozedere nach strengen Regeln war, ist dies heute entschieden anders. „Die Vereinfachung des Bewerbungsverfahrens ist für viele Betriebe mittlerweile eine zentrale Aufgabe“, schildert Ellen Brede-Lenk. Die Hemmschwellen für die begehrten Azubis sollen so weit wie möglich gesenkt werden. Dazu gehört auch die Überlegung, ob Bewerbungen für Ausbildungsplätze zunehmend über Facebook und Instagram eingereicht werden können.

Das Ausbilder-Café zeigte aber auch, dass die Welt nicht nur aus Herausforderungen besteht. Ausbildung ist in Dornstettens Betrieben ungebrochen der zentrale und erfolgreiche Weg zur Fachkräftesicherung. Und die Azubis von heute bringen nicht nur Anforderungen, sondern auch viel Engagement und Kompetenzen mit. Die Azubis der gastgebenden Firma Schupp erzählten im Ausbilder-Café, weshalb sie sich für ihren Berufsweg entschieden haben. Viele der Nachwuchskräfte halfen engagiert mit, das Ausbilder-Café auszurichten.

„Die Azubis heute haben ein anderes Verständnis von den Aufgaben eines Arbeitgebers als frühere Generationen“, fasst Ellen Brede-Lenk die Erfahrungsberichte zusammen. „Werte spielen mittlerweile eine große Rolle, Nachhaltigkeit und Work-Life-Balance. Die Auszubildenden sind aber im Gegenzug auch bereit, sich einzubringen, um Veränderungen mitzugestalten. Das Verantwortungsbewusstsein der jungen Nachwuchskräfte heute ist hoch.“

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Erstellt:
10.08.2022, 16:33 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 56sec
zuletzt aktualisiert: 10.08.2022, 16:33 Uhr

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