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Einweihung mit Panne
Verhaltene Freude herrschte gestern bei Vertretern der Deutschen Bahn und des Eutinger Gemeinderats. Der barrierefreie Umbau des Eutinger Bahnhofs ist zwar abgeschlossen, Die Inbetriebnahme der Aufzüge musste jedoch wegen einer Störung verschoben werden. Anita Schupp (im Rollstuhl)nahm es gelassen. Sie freut sich, demnächst ab Eutingen mit dem Zug nach Stuttgart fahren zu können. Bild: dun
Barrierefreiheit

Einweihung mit Panne

Die Modernisierung des Eutinger Bahnhofs ist abgeschlossen. Gestern sollten die Aufzüge offiziell ihren Betrieb aufnehmen. Eine Störung verhinderte das vorerst.

07.10.2016
  • Dunja Bernhard

Mit sprichwörtlich „Großem Bahnhof“ nahmen Vertreter der Deutschen Bahn und des Gemeinderats gestern den modernisierten Eutinger Bahnhof in Betrieb. Die streikende Technik des Aufzugs an Gleis 1 stahl ihnen jedoch die Show. Beim Probedurchlauf seien die Aufzüge tadellos gelaufen, sagte Leonhard Reiß, Leiter Bahnhofsmanagement. „Bis heute Morgen um 10 Uhr.“, schob er nach. Der eilends herbeigerufene Monteur hatte das Ersatzteil gestern Nachmittag schon bestellt. Wann es jedoch den Bahnhof erreicht, konnte er nicht sagen.

Der Aufzug zwischen Bahnsteig 2 und 3 lief zwar tadellos, war aber offiziell noch nicht abgenommen. Kopfschüttelnd nahmen die Vertreter der Bahn diese Aussage zur Kenntnis. Den funktionierenden Aufzug könne er vorführen, schlug der Monteur vor. Dieses Angebot nahmen einige der Anwesenden dann auch an. Rollstuhlfahrerin Anita Schupp, die mit ihren Eltern extra aus Rohrdorf gekommen war, nutzte der Vorschlag wenig. Denn sie kam gar nicht bis auf Bahnsteig 2. Sie schaute sich die Aufzugfahrt vom Bahnsteig 1 aus an.

4,3 Millionen Euro hat der Umbau des Neuen Eutinger Bahnhofs gekostet. Einen Teil der Kosten trug das Land Baden-Württemberg. Die Bauarbeiten waren umfangreich und wurden bei laufendem Verkehr durchgeführt. Zum barrierefreien Umbau gehörte mehr als der Einbau von zwei Aufzügen. Die Bahnsteige wurden auf 210 Meter Länge angehoben. Bahnsteig 1 und 2 auf 76 Zentimeter über den Gleisen. Bahnsteig 3, an dem die Straßenbahn nach Freudenstadt hält, auf 55 Zentimeter. So sei ein stufenloser Einstieg möglich, sagte Reiß. An Gleis 3 allerdings nur in die Straßenbahn. Beim Regionalzug, der etwas höher ist, muss eine Stufe überwunden werden.

Die Bahnsteige erhielten neue Beläge mit Blindenstreifen. Neue Sitzgruppen sind durch moderne Windfänge geschützt. Die Treppen zur Unterführung mussten an die neuen Bahnsteighöhen angepasst werden. Bahnsteig 2 und 3 bekamen eine neue Beleuchtungsanlage. Außerdem wurde die Bahnunterführung saniert. Die alten Trinkbrunnen wurden mit Mitteln vom Landesamt für Denkmalpflege restauriert und wieder auf den Bahnsteigen aufgestellt.

Vor sieben Jahren standen Reiß, Bürgermeister Armin Jöchle und der parlamentarische Staatssekretär Joachim Fuchtel am Eutinger Bahnhof und überlegten, wie der Bahnhof barrierefrei werden können. Damals seien Treppenlifte im Gespräch gewesen, sagte Reiß. Der Eutinger Bahnhof war da noch nicht ins Modernisierungsprogramm aufgenommen. „Sie haben lange dafür gekämpft“, sagte Reiß. Er gehe davon aus, dass der Bahnhof in Zukunft dauerhaft funktioniere. Die Bahn geht beim barrierefreien Ausbau von einer Lebensdauer von 80 Jahren aus.

Die Aufzüge sind mit Notrufeinrichtungen, die 24 Stunden am Tag besetzt sind, verbunden. Innerhalb von 30 Minuten sollten Techniker vor Ort sein, wenn Fahrgäste mit dem Aufzug steckengeblieben sind, sagte Reiß. Notfalls werde die Feuerwehr alarmiert, um die Eingeschlossenen zu befreien.

Noch nicht befriedigend gelöst ist das Problem mit den Toiletten. Sie fehlen schlichtweg am Eutinger Bahnhof. Toiletten an Bahnhöfen seien in vielen Kommunen ein Thema, sagte Reiß. Dort, wo keine soziale Kontrolle herrsche, sei es fast unmöglich, Toiletten zu betreiben. Es komme zu Vandalismus und Verschmierungen.

Eutingen sei mit seinem nun barrierefreien Bahnhof einen Schritt voraus, sagte Jöchle. „Bondorf und Ergenzingen warten noch auf den barrierefreien Umbau.“ Eutingen sei eine klassische Auspendlergemeinde. Ein Bahnhof sei Standort- und Marketingvorteil. „Durch den Umbau hat das äußere Erscheinungsbild des Bahnhofs gewonnen.“

Für die Rohrdorferin Anita Schupp bedeutet der barrierefreie Bahnhof ein Stück mehr Selbstständigkeit. „Ich möchte mit dem Elektrorollstuhl über den Feldweg zum Bahnhof fahren und in den Zug rollen“, sagte sie. Ihr Ziel ist Stuttgart.

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07.10.2016, 01:00 Uhr

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