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Dönerspieß-Prozess

Es gab Stress zwischen Bar und Imbiss

Möglicherweise eskalierte Knatsch unter Mitarbeitern im Blauen Turm.

11.10.2016
  • Dorothee Hermann

Im Prozess gegen den 31-jährigen Imbiss-Mitarbeiter, der in der Nacht auf den 1. April 2016 den Betriebsleiter der Shisha-Bar an der Blauen Brücke mit einem Dönerspieß schwer verletzt haben soll, hörte das Schwurgericht am Dienstag eine Reihe von Zeugen, um ein möglichst genaues Bild vom Tathergang zu bekommen. Der Angeklagte wird des versuchten Mordes beschuldigt.

Vor dieser Eskalation sollen beide Männer an jenem Abend schon einmal aneinandergeraten sein: Als der Betriebsleiter dem Imbissmitarbeiter den Zutritt zu Bar und Club verwehrt hatte, wo dieser Zigaretten holen wollte. Mit seiner Schürze voller Mehl komme er dort nicht rein, soll der Barmanager dem anderen klargemacht haben. Bereits bei dieser Konfrontation sollen sich die beiden Männer gegenseitig gepackt, aber nicht geschlagen haben, berichtete ein Türsteher, der die Kontrahenten nach eigener Aussage trennte.

Der Imbissmitarbeiter wollte das nicht auf sich sitzen lassen. Etwa 20 Minuten (manche Zeugen sprechen auch von zwei Stunden) später soll er mit dem Dönerspieß bewaffnet zurückgekommen sein. Als der Barmanager ihm den Rücken zudrehte, versetzte er ihm von hinten den ersten Schlag. Als der Barmanager sich umdrehte, soll es zu dem Stich in die Brust und weiteren Schlägen gekommen sein.

Wie viele Schläge es insgesamt waren, ist derzeit unklar. Ein weiterer Türsteher soll dazwischengegangen sein, als beide ineinander verkeilt am Boden lagen. Danach soll ein Gast dem Türsteher geholfen haben, die Kontrahenten auseinanderzuhalten. Der Gast und eine junge Frau hätten zuvor vergeblich versucht, dem Imbissmitarbeiter den Dönerspieß wegzunehmen, sagte der Türsteher. Erst ihm selbst sei das schließlich gelungen, er habe aber zwei oder drei Mal ziehen müssen.

Schon in den Wochen zuvor soll es zu Reibereien zwischen den Mitarbeitern von Bar und Imbiss gekommen sein. Weil es in der Bar nichts zu essen gab, lieferte der Imbiss Gästen Mahlzeiten dorthin. Wer danach das Geschirr wegräumen sollte, war einer der Konfliktpunkte. Angeblich sollen zudem Imbissmitarbeiter weibliche Gäste von Bar und Club belästigt haben.

Das Gericht versuchte genauer auszuloten, wie die Stimmung zwischen den Mitarbeitern von Shisha-Bar und Club und dem angegliederten Imbiss war. Dass es zwischen Bar und Imbiss Stress gab, war mehreren Zeugen bekannt. Nicht aber dem Imbissbetreiber, dem ehemaligen Chef des Angeklagten. „Ich war nicht dabei“, betonte der 44-Jährige mehrfach.

Von einer E-Mail des Club-Pächters an seinen Bruder und Mitinhaber will der Imbissbetreiber nichts gewusst haben. Darin schrieb der Pächter nach der Tat: Die schon zuvor angespannte Geschäftsbeziehung sei nun vollkommen zerrüttet. Mitarbeiterinnen und auch weibliche Gäste fühlten sich bedroht und belästigt, zitierte der beisitzende Richter Christoph Sandberger aus der E-Mail.

Der Angeklagte war an jenem Abend über die vereinbarte Arbeitszeit hinaus nur deshalb noch am Dönerstand, weil sein Chef ihn nicht rechtzeitig abgelöst hatte. Der Imbiss am Blauen Turm hat mittlerweile einen anderen Betreiber.

Eine Mitarbeiterin des Asylzentrums Tübingen schilderte, wie sie und ihre Kollegen den Angeklagten erlebten: „Für uns war er immer der Nette mit dem Lächeln“, sagte sie. Der 31-Jährige habe gleich sehr motiviert Deutsch gelernt. „Wir haben ihn als Dolmetscher eingesetzt.“ Er sei ein Mensch, „der die Leute zusammenbrachte und auch mal beschwichtigen konnte“.

In seiner ersten Zeit in Deutschland vor sechs Jahren sei der Mann viel allein und sehr traurig gewesen, berichtete die Sozialpädagogin. Eine Therapeutin habe eine posttraumatische Belastungsstörung bei ihm festgestellt. Doch mittlerweile habe er Freunde gefunden, einen Job und eine Wohnung. Und er habe mit dem Führerschein angefangen. „Wir waren fassungslos, als wir gehört haben, was passiert ist“, sagte sie.

Der Prozess wird am Dienstag, 25. Oktober, fortgesetzt. Dann sollen die Plädoyers folgen.

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11.10.2016, 19:00 Uhr

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