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„Es wird ein langer Weg“
Genussmoment: Wolfgang Dietrich nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses. Zwischen ihm und dem neuen Aufsichtsratsmitglied Hermann Ohlicher (links) Dietrichs Lebensgefährtin Claudia Heckel. Foto: Weber/Eibner-Pressefoto
VfB Stuttgart

„Es wird ein langer Weg“

Zupackend und konsequent will der neue Präsident Wolfgang Dietrich den abgestürzten Verein zurück in die Erfolgsspur führen.

11.10.2016
  • WOLFGANG SCHEERER

Stuttgart. Mit großen Visionen hielt sich Wolfgang Dietrich auch nach seiner Wahl bewusst zurück. „Im Moment reicht diese eine: Wir müssen wieder hoch in die erste Liga, müssen die Abwärtsspirale stoppen, in die wir geraten sind.“

Gleich gestern morgen hat sich der vierte VfB-Präsident innerhalb von nur sechs Jahren an die Arbeit gemacht. „Weniger schwätzen, mehr machen“ ist jetzt das Credo. Fast entschuldigend sagte der 68-Jährige: „Wundern Sie sich nicht, wenn Sie vier Wochen lang nichts von mir hören. Ich will hier einfach sofort loslegen.“ Das Wahlergebnis, magere 57,2 Prozent der Stimmen, sei für ihn zweitrangig. Er sieht darin allerdings eine große Verpflichtung: „Ich will den Verein einen. Und ich gebe so schnell nicht auf.“ Vor allem wünsche er sich, „dass die Leute später einmal sagen: So schlimm, wie ich immer gedacht habe, ist der Typ gar nicht“.

Als Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart 21 und als Teilhaber der Firma seines Sohnes, die Kredite unter anderem an konkurrierende Profiklubs vergibt, hat er sich nicht nur Freunde gemacht. Außerdem war er der alternativlose Kandidat des ebenfalls umstrittenen und von den VfB-Mitgliedern erneut nicht entlasteten Aufsichtsrates unter Martin Schäfer.

Neuer Verhaltenskodex

„Jammern, lamentieren und Schuldige abstrafen hilft uns nicht weiter und bringt keine Punkte“, betonte Dietrich schon in seiner Bewerbungsrede. Sie hatte unter Pfiffen und Gebuhe seiner zahlreichen Gegner unschön begonnen. Dietrich punktete dann aber doch bei einer Mehrheit, unter anderem mit beschwörenden Worten wie: „Es gab Beschimpfungen, die teilweise unterirdisch waren: Das kann nicht die Kultur unseres VfB sein.“

Aufsichtsratschef Schäfer sah man enorme Erleichterung an, als die „für alle Beteiligten sehr anstrengende Versammlung“ nach sieben Stunden in der Schleyerhalle über der Bühne war. Und er war „mehr denn je sicher, dass die beste Lösung für den VfB“ gefunden sei: Dietrich. „Wenn man vor dieser Versammlung abgestimmt hätte, hätte er vermutlich keine Mehrheit bekommen. Aber er hat mit seiner Vorstellung noch Mitglieder überzeugt“, sagte Schäfer.

Dietrich will im Verein zuerst einen Verhaltenskodex für die Klubmitarbeiter einführen und die Geschäftsordnung neu fassen, um die Kompetenzen und Aufgaben in der Geschäftsstelle klarer zu definieren. Außerdem versprach er Mitgliederausschüsse, damit die VfB-Anhänger direkt mehr Gehör finden. Und ihm liegt daran, die Vereinsführung wieder in ein besseres Licht zur rücken: „Ich möchte nicht der neue starke Mann sein, sondern mit meiner Arbeit auch dafür sorgen, dass Vorstand und Aufsichtsrat für ihre gute Arbeit beim nächsten mal entlastet werden.“ Klar ist dem 68-Jährigen nach dem Bundesliga-Abstieg jedoch auch: „Es wird ein langer Weg, im Team den VfB wieder dahin zu führen, wo er schon mal war.“ Um das Ziel möglichst auch mit Bordmitteln zu erreichen, ist Dietrich eine von Erfolg oder Misserfolg der Profis möglichst unabhängige Jugendarbeit (siehe Info-Box) wichtig. Deshalb will er der Jugendabteilung viel Zeit und Energie widmen. „Die Struktur im Nachwuchsbereich darf man Ende kommenden Jahres nicht wiedererkennen“, sagte Wolfgang Dietrich mit Nachdruck.

Seit 42 Jahren ist er selbst VfB-Mitglied: „Jetzt Präsident zu sein, ist für mich eine Riesen-Ehre.“ Vom Traumergebnis seines Vorgängers Bernd Wahler – 97,4 Prozent Zustimmung bei der Mitgliederversammlung 2013 – trennen ihn Welten. Doch gerade der Abstieg hat gezeigt, wie schnell ein Vertrauensvorschuss verspielt sein kann. Dietrich hat nun die Chance, in der Beliebtheitsskala die umgekehrte Richtung einzuschlagen.

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11.10.2016, 06:00 Uhr

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