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Fehlt Ancelotti etwas Pep?

Bayerns neuer Trainer steht nach drei Pflichtspielen ohne Sieg bereits unter Druck. Er muss sich an der beeindruckenden Bilanz und dem prägnanten Spiel des Vorgängers messen lassen.

19.10.2016
  • MATTHIAS JEDELE

München. Nach einem Traumstart mit sieben Pflichtspielsiegen in der Meisterschaft, Pokal und Champions-League schien die Ära von Ex-Bayern-Trainer Pep Guardiola schnell in Vergessenheit zu geraten. Jetzt nach insgesamt 111 Tagen im Amt bläst dem aktuellen Bayern-Kommandogeber Carlo Ancelotti mächtig Gegenwind ins Gesicht. Nach der 0:1-Niederlage im Champions-League-Gruppenspiel bei Atletico Madrid und den beiden Unentschieden in der Meisterschaft gegen den 1. FC Köln (1:1) und Eintracht Frankfurt (2:2) steht der 57-Jährige vor der Champions-League-Partie gegen Eindhoven (heute 20.45 Uhr/live im ZDF), in der Meisterschaft gegen Gladbach und im Pokal gegen Augsburg schon ziemlich unter Druck. Ein Blick auf die Statistik (siehe Infografiken unten) zeigt jedoch, dass beim Amtsantritt von Pep Guardiola 2013 auch nicht alles glatt lief. Die größten Unterschiede sind bei den Pässen und Torschüssen auszumachen. Unter Passfanatiker Guardiola kamen pro Spiel 628,7 Pässe an und lediglich 76,8 landeten beim Gegner. Unter Ancelotti produzierten die Bayern-Spieler bisher 617,9 angekommene und 91,2 Fehlpässe. Ein Indiz dafür, dass bei der jetzigen Spielweise des Italieners die gespielten Pässe mit einem kleinen Tick mehr Risiko behaftet sind. Die Chancenauswertung spricht für Ancelottis Spielstiel. 2,9 Tore erzielte die Bayern-Offensive im Schnitt in den ersten zehn Pflichtspielen. Dafür benötigten sie mit 17,9 nicht ganz 18 Torschüsse pro Spiel. Unter Guardiola sah das 2013/14 etwas anders aus. 20 Mal wurde da Richtung gegnerisches Tor geballert. 2,5 erzielte Tore kamen dabei im Schnitt heraus.

Wenn man die ersten zehn Pflichtspiele der vergangenen Saison als Vergleichswert nimmt, sehen Ancelottis aktuelle Bayern ganz schlecht dagegen aus. In seiner dritten und letzten Saison als FCB-Coach setzte Pep Guardiola neue Maßstäbe: Die ersten zehn Pflichtspiele der Saison 2015/16 wurden wettbewerbsübergreifend alle gewonnen. Im Schnitt wurden 3,4 Tore pro Spiel erzielt, 20,4 Torschüsse abgegeben und lediglich 6,8 zugelassen. Bei den angekommenen Pässen wurde ein Bestwert von 646 notiert. Nur 73 Abspiele landeten beim Gegner. Die 73,5 Prozent Ballbesitz waren ein weiteres Indiz für die Dominanz der „Super-Bayern“.

Am Ende sprang neben der souveränen Meisterschaft auch der Sieg im DFB-Pokal-Finale heraus. In der Champions-League war im Halbfinale gegen Atletico Madrid allerdings Endstation. Mitunter auch, weil sich Guardiola auswärts taktisch komplett verzockte und das 0:1-Handicap aus dem Hinspiel eine zu hohe Hürde fürs Rückspiel war.

Auf den äußerst emotionalen Perfektionisten Guardiola folgte mit Ancelotti ein im Auftritt grundlegend anderer Typ auf der Position des Bayern-Cheftrainers. Bis auf seinen „Tick“, jeden Kaugummi in seine Bestandteile zu zerkauen, fiel Ancelotti auf der Bayernbank in den ersten Spielen kaum auf. Ruhig und besonnen gab er ab und an taktische Hinweise in Richtung seiner Mannschaft. Diskussionen mit dem Schiedsrichter-Assistenten oder dem vierten Offiziellen, bei Guardiola fast ein Dauerzustand, gibt es bei dem 57-jährigen Italiener nicht, bisher zumindest. Guardiola galt als strenger Forderer, dagegen pflegt Ancelotti den väterlichen Umgang mit den Spielern.

Doch wer den dreimaligen Champions-League-Sieger kennt, der weiß, dass auch seine Ruhe irgendwann aufgebraucht ist. „Die Einstellung meiner Spieler war falsch, sie hat mir nicht gefallen. Das muss ich ändern“, kündigte Ancelotti nach dem schwachen Auftritt in Frankfurt bereits Konsequenzen für seine Spieler an.

Carlo Ancelotti ist bereits relativ früh gezwungen, die Zügel anzuziehen. In der Ära Guardiola wurde der Ton, wenn überhaupt, immer erst zum Ende der Saison etwas rauer.

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19.10.2016, 06:00 Uhr

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