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Fluch nach 108 Jahren besiegt
Der Moment, als aus den ewigen Verlieren Gewinner wurden. Die Chicago Cubs jubeln über den Gewinn der World Series. Foto: afp
Baseball

Fluch nach 108 Jahren besiegt

Die Chicago Cubs haben Sportgeschichte geschrieben und sich gegen die Cleveland Indians in einem der spannendsten Endspiele aller Zeiten den MLB-Titel gesichert.

04.11.2016
  • SID

Cleveland. Nach 108 Jahren, nach diesen 108 langen, verdammt langen Jahren, müsste nun alles ganz schnell gehen. „Wollt ihr noch ins Weiße Haus kommen, bevor ich gehe?“, twitterte Barack Obama am Ende eines dramatischen, eines nie dagewesenen Abends in der amerikanischen Sportgeschichte. Alle Flüche sind gebrochen, alle Dämonen vertrieben – die Chicago Cubs, die ewigen Verlierer, haben die World Series im Baseball gewonnen. Endlich. Erstmals seit 1908.

„Dies ist eine Veränderung, an die sogar ein South Sider glauben kann“, verkündete Obama in Anlehnung an sein altes Motto: „It‘s time for change“, es ist Zeit für Veränderung. Der scheidende Präsident der Vereinigten Staaten ist bekennender Anhänger der White Sox von der South Side in Chicago. Die Cubs von der North Side aber wird Obama kaum noch an der 1600 Pennsylvania Avenue empfangen können: Am Dienstag wird gewählt, Amtsübergabe ist im Januar.

Es ist gute Tradition, dass Mannschaften, die eine Meisterschaft gewinnen, ins Weiße Haus eingeladen werden. Als die Cubs das bisher letzte Mal die World Series gewannen, war noch Teddy Roosevelt im Amt. 39 466 Tage später kam der Moment, „an dem die Zeit stillstand, die Erde aufhörte, sich zu drehen, und eine loyale Anhängerschaft nicht mehr atmen konnte“ (USA Today).

Die Cubs hatten in der finalen Serie „best of seven“ bereits mit 1:3 zurückgelegen. Dann gewannen sie die folgenden zwei Spiele. Und schließlich ein dramatisches, atemraubendes „game seven“ bei den Cleveland Indians nach der Verlängerung mit 8:7. „Nie“, schrieb USA Today, „hat es ein besseres Spiel sieben gegeben. Jedenfalls nicht im Baseball.“ Die Chicago Tribune nannte es „unvergesslich“. Kein Wunder. Und keine Übertreibung.

Das Spiel, in dem die Cubs die längste Durststrecke im amerikanischen Profisport beendeten, machte atemlos. Es war kein Spiel für schwache Nerven, nichts für Menschen mit Herzproblemen. Es war episch. „Sie werden einen Film daraus machen“, behauptete David Ross, Catcher der Cubs. Schauspieler und Edelfan Bill Murray, der angetrunken in der Kabine der Cubs mitfeierte, wäre ein passender Regisseur. Einer seiner Filme heißt schließlich: „Die Geisterjäger“.

Noch einmal schien es jedoch, als sollten all die Flüche, die auf den Cubs lasteten, ihre Wirkung erneut nicht verfehlen, als sollten all die Dämonen, von denen sie seit ihrem letzten Finaleinzug 1945 verfolgt werden, wieder vorbeikommen. Die Cubs führten 6:3, sie brauchten noch vier „outs“, Coach Joe Maddon schickte Aroldis Chapman aufs Feld, einen Werfer, der darauf spezialisiert ist, die letzten „outs“ zu holen. Chapman wirft den Ball mit Tempo 160. Im Schnitt.

Chapman scheiterte. Plötzlich stand es 6:6. Es ging weiter. Nichts passierte im neunten Inning, dem letzten regulären Spielabschnitt. Dann kam der Regen. 17 Minuten Pause zum Durchatmen. Danach waren die Cubs am Schlag. Auftritt Ben Zobrist: Der 35-Jährige, der im vergangenen Jahr den Kansas City Royals zum Titel verholfen hatte, holte den entscheidenden Vorsprung heraus. Bei diesem Spiel, sagte Zobrist, „wäre ich fast ohnmächtig geworden“.

108 Jahre Qual. Sieben verlorene World Series zwischen 1910 und 1945. Und nun: das Happy End der „letzten großen Geschichte des amerikanischen Sports“ (Sports Illustrated). sid

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04.11.2016, 06:00 Uhr

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