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Fundstücke aus dem Flecken
Kunstsymposium

Fundstücke aus dem Flecken

Am Donnerstag ging das zweite internationale Börstinger Kunstsymposium „Vorort2draußen“ mit einer Werkschau zu Ende.

22.10.2016
  • Ifigenia Stogios

Zwei Wochen lang waren 20 experimentelle Künstler aus zehn Nationen beim zweiten internationalen Kunstsymposium in der zum Kunstort Eleven umgewandelten Börstinger Schule zugange. Dabei ließen sich die in Großstädten lebenden Künstler von der ländlichen Umgebung inspirieren und präsentierten am Donnerstagabend nun ihre Werke.

Eine Menge Zettel hatte ein Pfälzer Künstler, der sich nur „Brandstifter“ nennt, gesammelt und sie an der Innenseite einer Schrankwand befestigt. Da waren Einkaufszettel, Lottoscheine, eine Suchmeldung für eine Katze und ein Vogelpass. Weitere Zettel hatte er zu einem Buch gebunden. „Was Leute alles wegwerfen“, wunderte sich Besucherin Renate Lohmiller und freute sich. „Von mir hat er nichts gefunden.“ Asphaltbiblioteque hat der Künstler seine Sammlung genannt. Ähnliches machte er bereits in New York und anderen großen Städten rund um den Globus. In Börstingen verließ er sich nicht allein darauf, Zettel auf der Straße aufzulesen. Einwohner Börstingens waren eingeladen, solch ausrangierte Zettel in Boxen zu werfen, die der Künstler an Bushaltestellen und am Eingang der ehemaligen Schule angebracht hatte.

Andrea Golla, die das Symposium zusammen mit Frank Fierke organisiert hatte, vergoldete während der zwei Wochen alte oder beschädigte Gegenstände im Ort. Da wurde etwa der Riss in einer Mauer vergoldet, aber auch das Gitter eines Mineraltransportwagens oder der weiße Strich einer Tischtennisplatte. „Mein Ziel war es, was Kaputtes zu verschönern“, sagte sie. Gabrielle Eberspächer, Goldschmiedin und Künstlerin aus Tübingen, war von Gollas Kunst fasziniert. Eberspächers Begleiter Serge Le Goff freute sich: „Die Kunst lebt in der Provinz.“

Makiko Nishikaze befasste sich mit dem schwäbischen Dialekt und improvisierte ein Stück namens „Der Wind in Börstingen“ an der Kirchenorgel. Sie habe zunächst gedacht, dass es hier windig sein würde, was aber nicht zutraf. Deshalb schuf sie einen imaginären Wind aus Orgelklängen. Ich bin ein akustischer Typ, lerne beim Hören“, sagte die Komponistin. Aus diesem Grund zeichnete sie die vergangenen Tage schwäbische Unterhaltungen auf und kreierte daraus eine Klangcollage. Um Menschen kennenzulernen ging sie ins Café und in die Kirche. Ihre Versuche schwäbisch zu sprechen, nahm sie ebenso auf und führte sie den Besuchern vor. 42 Interessierte waren gestern zur Abschlussveranstaltung gekommen.

Auch der in Österreich lebende Kosmas Giannoutakis befasste sich mit der Akustik Börstingens. Er nahm Geräusche im Gasthaus und in der Kirche auf und spielte sie verfremdet über mehrere Lautsprecher ab. „Diese ganzen Geräusche ergeben den Klang eines virtuellen Raums“, sagte er.

Gerald Fiebig fragte für sein Projekt Börstinger nach dem Weg zur Schule. Dabei ging es ihm nicht um die beste Wegbeschreibung, sondern, die Geräusche des Dorfes. Fiebig fokussierte in seiner Installation mal auf die Stimmen, dann auf das Plätschern des Brunnens, den knirschenden Kies, die Kirchenglocken, die krähenden Hähne.

Das Künstlerpaar Stephanie Müller und Klaus Dietl zeigten einen Stummfilm. Darin erkannten sich Bewohner des Fleckens wieder. Die Zuschauer durften sich live an der Filmvertonung mit alltäglichen Gegenständen beteiligen. In dem humorvollen Streifen ging es um das mineralhaltige Börstinger Wasser, nach dessen Konsum die Protagonistin unter Halluzinationen litt.

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22.10.2016, 01:00 Uhr

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