BI Hau & Holzwiese

Gegen den Flächenfraß

Die Ahldorfer BI holt sich bei ihrem Kampf gegen das geplante Gewerbegebiet Unterstützung von Grünen-Politikern.

07.04.2018

Von Dagmar Stepper

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Thomas Hentschel (links) ist ein erklärter Feind von Flächenversiegelung. Daher unterstützt er auch die BI Holz & Holzwiese in Ahldorf. Bilder: Kuball

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Thomas Hentschel (links) ist ein erklärter Feind von Flächenversiegelung. Daher unterstützt er auch die BI Holz & Holzwiese in Ahldorf. Bilder: Kuball

Flächenfraß. Für den Grünen-Landtagsabgeordneten Thomas Hentschel ist das ein schlimmes Wort. Ein sehr schlimmes sogar. Trotzdem lässt er sich den Nusszopf schmecken, den ihm Christina Nuss von der BI Hau & Holzwiese serviert. Aber er ist nicht wegen des Kuchens hier, sondern eben wegen der Flächenversieglung die in Ahldorf droht, wenn das geplante 25 Hektar große Gewerbegebiet denn kommen wird. Die Bürgerinitiative wehrt sich mit allen möglichen Mitteln gegen das Gewerbegebiet, für das ein Wald mit großem Artenreichtum, Dolinen sowie Äcker und Wiesen weichen müssten. Die BI hat ihr Dorf in ein gallisches verwandelt, das den Kampf gegen Rom aufnimmt. Dazu gehört auch, den Rückhalt bei den grünen Politikern zu suchen.

Lebensraum auch für den Mensch

Die BI war beim Bürgerempfang von Ministerpräsident Winfried Kretschmann Ende Februar in Freudenstadt, um für ihre Sache zu trommeln. Dabei haben sie auch Hentschel aus Rastatt kennen gelernt, der den Landkreis Freudenstadt als Grüner Abgeordneter betreut. Sie luden ihn ein, den Wald in Ahldorf zu begutachten. Das hat Hentschel am Freitagvormittag nun getan.

„Ich bin erstaunt über die Artenvielfalt und kann die Argumentation sehr gut nachvollziehen. Ich werde mich für Alternativen einsetzen“, sagt er bei der Gesprächsrunde mit Mitgliedern der BI im katholischen Gemeindehaus. Hentschel ist erklärter Feind von Flächenversieglung. Besonders im Ahldorfer Fall. Das liegt nicht nur an der Artenvielfalt, die man erhalten müsse, da das Artensterben schon katastrophale Ausmaße angenommen habe. Sondern auch
an der Funktion dieses Waldes: Wie ein Schwamm hält er das
Wasser. Wenn er weg ist, fließt es ungebremst. Denn darunter befindet sich Muschelkalk. Das könnte die Hochwasser-Problematik verschärfen.

Und natürlich ist der Wald eben auch ein Wald, in dem die Menschen spaziergehen, die Kinder gern spielen. Die eine grüne Lunge ist. Den Ort vor dem Lärm der Autobahn schützt. „Der Wald ist ein wertvoller Lebensraum für viele Arten – und die wichtigste ist der Mensch“, erinnert Walter Trefz, der für die Grünen im Kreistag sitzt. Er mahnt, dass alle den ländlichen Raum stärken wollten: „Aber den letzten Vorteil des ländlichen Raumes, die Natur, darf man nicht einfach verkaufen.“ Grünen-Stadtrat Markus Pagel pflichtet ihm bei: „Wir vernichten sonst Naturschätze für kommende Generationen.“

Mehr Güter auf die Schiene

Bei aller Kritik an der möglichen Zerstörung des Ahldorfers Idylls wird aber Gewerbeansiedlung nicht grundsätzlich in Frage gestellt. Doch eben auf andere Art. Der Landtagsabgeordnete will weniger Verkehr auf der Straße. „Aber wenn wir immer mehr Gewerbe an der Straße ansiedeln, gibt es auch immer mehr Verkehr.“ Er plädiert für den Gütertransport auf der Schiene. Und welch ein Zufall: Horb hat im Industriegebiet Heiligenfeld eine Bahnanbindung. Die allerdings nicht genutzt wird. „Für eine Schnecke gibt es keine größere Überlebenschance als auf dem Horber Industriebahngleis“, stellt Thomas Bauer fest. Im Heiligenfeld gibt es noch freie Flächen, davon sind allerdings etliche sogenannte Vorhalteflächen, wenn einer der angesiedelten Unternehmen erweitern will. Hentschel will aber das Gespräch suchen. Mit Oberbürgermeister Peter Rosenberger und auch mit Norma, die Interesse an einem geplanten Industriegebiet in Ahldorf angemeldet haben.

Markus Pagel fordert zudem „intelligenteres Bauen“ bei künftigen Gewerbegebieten. Statt einstöckig in der Fläche, sollte auch mehrstöckig in die Höhe gebaut werden. So wird weniger Fläche verbaut. Doch Pagel sieht Horb im Bereich
des Naturschutzes nicht grundsätzlich auf dem falschen Weg. Er erwähnt die Klimaneutrale Kommune, die Horb bis 2050 anstrebt und auch kleinere Projekte wie Blühwiesen, die für Insekten angelegt werden. Christiane Nuss wünscht sich in der Gesellschaft eine Grundsatzdebatte über Flächenversiegelung. Hentschel meint dazu: „Die Wirtschaft müssen wir aber schon mitnehmen.“

Und was nimmt der Abgeordnete nach Stuttgart mit? Er will auf jeden Fall eine Anfrage über Flächenverbrauch im Landtag stellen. Diese soll nicht nur Antworten liefern, sondern auch die verantwortlichen Stellen auf das Problem in Ahldorf aufmerksam machen. Auf jeden Fall wird er an der Sache dranbleiben. Und auch wiederkommen.

Der Widerstand schweißt die Ahldorfer zusammen.

Der Widerstand schweißt die Ahldorfer zusammen.

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Erstellt:
07.04.2018, 01:00 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 02sec
zuletzt aktualisiert: 07.04.2018, 01:00 Uhr

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neguelrak 07.04.201815:09 Uhr

Wir sind Herrn Hentschel, Herrn Pagel und auch Walter Trefz sehr dankbar für den konstruktiven Lokaltermin.
Karl-Eugen Herrmann