Gewerbe

Gewerbe statt Musterwald am Autobahnzubringer?

Die Stadt Horb will südlich von Ahldorf 25 000 Quadratmeter Wald- und Landwirtschaftsfläche kaufen, um dort Gewerbefläche zu schaffen.

11.11.2017

Von Gerd Braun

Die Ackerfläche direkt am Autobahnzubringer zur A81 würde sich vor allem von der Topografie für einen Gewerbestandort eignen. Es gibt zwar noch keinerlei Gutachten für eine mögliche Umsetzung, dennoch würde die Stadtverwaltung hier gerne sämtliche Grundflächen erwerben.Bilder: Kuball

Die Ackerfläche direkt am Autobahnzubringer zur A 81 würde sich vor allem von der Topografie für einen Gewerbestandort eignen. Es gibt zwar noch keinerlei Gutachten für eine mögliche Umsetzung, dennoch würde die Stadtverwaltung hier gerne sämtliche Grundflächen erwerben.Bilder: Kuball

Die Offerte der Stadt Horb ist bei den rund 50 Eigentümern vergangenen Samstag im Briefkasten gelandet: Die Stadt sei bereit, das jeweilige Grundstück im Gebiet zwischen dem Autobahnzubringer und Ahldorf abzukaufen. Hintergrund: Die Ansiedelung von Gewerbe „in ortsdurchfahrtsfreier Reichweite des Autobahnanschlusses A 81“.

Die Bürger in Ahldorf sind über diese Pläne bislang kaum informiert. Denen aber, die gerüchteweise oder aus erster Hand informiert sind, gefallen sie tendenziell eher weniger. Adressat für Informationen des bislang nichtöffentlichen Prozesses im Ortschaftsrat ist Michael Keßler. Der Fraktionsvorsitzende der CDU im Horber Gemeinderat ist stellvertretender Ortsvorsteher. Hartmut Göttler selbst, der Chef des Ahldorfer Gremiums, ist als Eigentümer befangen. Zum Inhalt der Sitzungen mag sich Keßler nicht äußern. Als Nebenerwerbslandwirt aber ist selbst er kein Befürworter des Projekts, dem knapp 70 000 Quadratmeter landwirtschaftliche Fläche und etwa 180 000 Quadratmeter Waldfläche zum Opfer fallen würden. Und, fügt Keßler hinzu, „generell ist in Ahldorf wenig Begeisterung zu erkennen“.

Dabei war es gerade seine Fraktion, die vor rund anderthalb Jahren einen Antrag an die Verwaltung gestellt hatte, die Möglichkeit zur Entwicklung von Gewerbeflächen im Stadtgebiet zu sondieren. Auf diesen Antrag stützt sich unter anderem auch Oberbürgermeister Peter Rosenberger, der gestern gegenüber der SÜDWEST PRESSE ausführlich zu den Plänen dieses Projekts Stellung bezog.

Die Gewerbegebiete, sagte Rosenberger, stießen bei ihren Kapazitäten an ihre Grenzen. Andererseits herrsche in der Bevölkerung der Wunsch nach wohnortnahen Arbeitsplätzen vor, und immer wieder werde der Vorwurf laut, dass andere Gemeinden im Umland sich hier besser entwickelten als Horb. Schaue man sich dann einmal alle denkbaren Flächen im Stadtgebiet an, so sei die in der Ahldorfer Peripherie eine der wenigen, die man überhaupt zu einem Gewerbegebiet, wie es sich Investoren wünschen, entwickeln könne. Nämlich Autobahn-nah und topografisch realisierbar.

Allerdings will da mindestens einer der Grundstückseigentümer, der namentlich nicht genannt werden möchte, nicht mitmachen. „Das ist eine Lunge für Ahldorf“, sagt er und fügt hinzu, dass Ahldorf seiner Ansicht nach schon genug Opfer gebracht habe. Flächen für den Bau der Autobahn, Flächen für den Autobahnzubringer. Im Gegenzug lebe man mit dem Lärm von der Autobahn. Und jetzt auch noch ein Gewerbegebiet – dazu noch eines, bei dem man nicht wisse, welche Art von Gewerbe dort angesiedelt werden soll? Nicht mit ihm.

Dass das Schreiben der Stadt zunächst ohne den darin erwähnten Lageplan zugestellt wurde, missfiel dem Eigentümer, der von den Dimensionen des geplanten Projekts doch einigermaßen baff war. „Die Frage ist, ob da mit offenen Karten gespielt wird“, sagt er. In einem zweiten Schreiben, sagt Peter Rosenberger, sei allen Adressaten der Lageplan noch zugestellt worden. Er spricht von einem „ganz frühen Stadium“ im Prozess, der grundsätzlichen Sondierung der Bereitschaft der Eigentümer, ihre Fläche zu einem „attraktiven, realistischen Preis“ zu verkaufen. Die Stadt sei kaufbereit, auch um optionale Tauschflächen vorhalten zu können.

Erweiterung derzeit nicht geplant

Bei der Frage nach dem geplanten Gewerbe dort spricht das Horber Stadtoberhaupt vom ausdrücklichen Wunsch, einen Mix von Neuansiedelungen und der Möglichkeit für bestehende Gewerbetreibende zur Expansion oder Umsiedlung anzustreben. Dabei räumt er ein, dass darunter durchaus ein Logistik-Unternehmen sein könnte. „Auch das muss abgebildet sein. Logistik spielt – nicht für die Stadt, sondern für die Gesellschaft – eine immer wichtigere Rolle“, sagt Rosenberger, der hinzufügt, dass man sich planerisch „selbst verboten“ habe, über die geplante Fläche hinaus zu denken. „Wir planen damit nicht im Augenblick“, sagt er zu einer Erweiterung der potenziellen Gewerbefläche.

Der Preis für dieses Projekt ist dem genannten Eigentümer dennoch zu hoch. Er sieht wirtschaftlich wichtige Landwirtschaftsfläche und einen sehr gut gewachsenen Wald als mögliches Opfer für dieses Projekt. Und tatsächlich handelt es sich um eine „wirtschaftlich und ökologisch wertvolle Waldfläche“, wie Revierförster Josef Dennochweiler bestätigt. Vor allem der Eichentrauf am Waldrand sei ökologisch wertvoll und ein Habitat für zahlreiche Insekten, Vögel und andere Lebewesen.

Einigkeit zu dem Vorhaben herrscht dem Vernehmen nach auch im Horber Gemeinderat nicht. Auch wenn sich keiner der befragten Räte zu Details aus den nichtöffentlichen Sitzungen äußern möchte, klingt doch durch, dass es nicht nur Befürworter gibt.

„Generell ist jeglicher Flächenverbrauch schlecht“, sagt OGL-Fraktionsvorsitzender Markus Pagel, für den mit entscheidend ist, dass im Fall von verbrauchten Flächen das Verhältnis zu den entstehenden Arbeitsplätzen stimmen müsste. „Ich bräuchte es nicht“, sagt ULH-Rat Hermann Walz, der seine Priorität auf die Umsetzung des geplanten Interkommunalen Gewerbegebietes (IKG) mit Empfingen legen würde. Grundsätzlich positiv stehe seine Fraktion dem geplanten Projekt gegenüber, sagt der stellvertretende Vorsitzende der FD/FW-Fraktion Joachim Milles. Thomas Mattes, Fraktionsvorsitzender der SPD, hat Verständnis dafür, dass die Stadtverwaltung Möglichkeiten zur Entwicklung vom Gewerbeflächen prüft, möchte sich aber zu dem im Gemeinderat nichtöffentlich laufenden Prozess weiter nicht äußern.

Auf zunehmendes Verständnis im Rahmen des gestarteten Prozesses, bei dem am 29. November auch eine Informationsveranstaltung für die Eigentümer anberaumt ist, hofft OB Peter Rosenberger. Er stellt klar, dass dieses Vorhaben mitnichten mit dem IKG in Empfingen kollidiere, und betont, dass die Stadtverwaltung im Zusammenhang mit diesem Projekt noch kaum in Vorleistung gegangen sei. Alles weitere, eine mögliche Erschließung dieses Gebietes betreffend, würde erst dann angegangen, nachdem man die Gefühlslage sondiert hat. Rosenberger sieht in der Entwicklung dennoch einen ganz wichtigen Schritt für die Stadt – „sonst werden wir in Horb irgendwann abschließen müssen.“

Der mustergültig gewachsene Wald müsste im Fall einer Umsetzung des Projekts der Gewerbefläche weichen.

Der mustergültig gewachsene Wald müsste im Fall einer Umsetzung des Projekts der Gewerbefläche weichen.

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Erstellt:
11.11.2017, 01:00 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 46sec
zuletzt aktualisiert: 11.11.2017, 01:00 Uhr

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