Wissenschaft

"Gott muss ein Mathematiker sein"

Eine Wanderausstellung im Stuttgarter Haus der Wirtschaft zeigt die Vielfalt von Johannes Kepler.

15.02.2022

Von epd

Nachbau einer Kepler’schen Rechenmaschine.

Nachbau einer Kepler’schen Rechenmaschine.

Stuttgart. Eine Ausstellung zum 450. Geburtstag des Astronomen Johannes Kepler zu machen, sei schwer, sagt Karin Otter vom 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart. Der Mann sei einfach zu groß und fleißig gewesen. Kepler bringt es auf 86 Veröffentlichungen, für damalige Verhältnisse ein immenser Aufwand. Dabei war er kein stiller Gelehrter, gleich dreimal musste er wegen der Gegenreformation fliehen: aus Graz, Prag und Linz. Seine erste Frau bekam fünf Kinder, seine zweite Frau sieben, doch nur insgesamt vier erreichten das Erwachsenenalter.

Die Ausstellung, die bis 26. Februar im Haus der Wirtschaft in Stuttgart zu sehen ist, füllt 700 Quadratmeter. So viel Aufwand für zwei Wochen Ausstellungszeit? Nein, im März und April soll die Ausstellung in Regensburg zu sehen sein, im Mai und Juni in Tübingen, sagt Otter. Es gibt bereits eine Anfrage aus Innsbruck. Später soll die Ausstellung einen Grundstock für den geplanten Erweiterungsbau des Kepler-Museums in seiner Geburtsstadt Weil der Stadt bilden.

Die Ausstellung „Himmelwärts“ haben Mitglieder des 5. Physikalischen Instituts der Universität Stuttgart, der Kepler-Gesellschaft Weil der Stadt und der Technischen Universität Darmstadt kuratiert. Galileo Galilei sei zwar weit bekannter als Kepler, sagt der Darmstädter Mathematik-Professor Burkhard Kümmer: „Aber Kepler war der viel bessere Mathematiker.“

Die Annäherung an Kepler bietet die Ausstellung auf ganz verschiedene Weise. Freunde der Mathematik können sich in die Erklärungstexte vertiefen, während Kinder die Symmetrie von selbst gelegten Mosaiken mit einem Spiegel erproben. Auch mit Musik hat sich Kepler umfassend beschäftigt. Mithilfe von drei Saiten und einem Maßband kann jeder überprüfen: Die harmonischen Töne entsprechen ganzzahligen Längenverhältnissen. Ein kleiner Billardtisch ist nicht eckig, sondern elliptisch. Diese Ellipse hat zwei Brennpunkte: Spielt man von einem der beiden die Kugel gegen den Rand, wird sie wieder einen Brennpunkt durchqueren. Das muss der Besucher nicht einfach glauben, er kann es ausprobieren. epd

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Erstellt:
15.02.2022, 06:00 Uhr
Lesedauer: ca. 1min 58sec
zuletzt aktualisiert: 15.02.2022, 06:00 Uhr

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