Grünen-Politiker Chris Kühn (MdB) besuchte Ahldorf

Bürgerinitiative erhält Unterstützung aus dem Bundestag

In Ahldorf traf sich Bundestagsmitglied Chris Kühn mit der Initiative Hau und Holzwiese, um über die zukünftige Flächennutzung zu diskutieren.

26.07.2018

Von Mathias Huckert

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Chris Kühn (1. von links) und Wolf Hoffmann lauschen gebannt den emotionsgeladenen Ausführungen von Walter Trefz – einem erklärten Gegner des geplanten Ahldorfer Gewerbegebiets. Bild: Kuball

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Chris Kühn (1. von links) und Wolf Hoffmann lauschen gebannt den emotionsgeladenen Ausführungen von Walter Trefz – einem erklärten Gegner des geplanten Ahldorfer Gewerbegebiets. Bild: Kuball

Trotz überschrittener Dreißigermarke auf dem Thermometer trafen sich gestern rund einhundert Personen an der Ahldorfer Grillhütte. Grund war die Diskussion um das geplante Gewerbegebiet. Dem sollen im Horber Stadtteil auf der Hau und Holzwiese rund 20 Hektar Waldfläche weichen. Strikt dagegen positioniert sich die Bürgerinitiative Hau und Holzwiese, die am Mittwoch mit dem grünen Bundestagsabgeordneten Chris Kühn einen Verbündeten zu Gast hatte.

Doch nicht nur Kühn, der die BI bei einer Veranstaltung des Aktionsbündnisses Rottenburg/Kiebingen kennengelernt hatte, stand der Initiative bei. Auch Kreistagsmitglied Wolf Hoffmann zählte zu den Unterstützern und Walter Trefz, ehemaliger Förster, Gemeinde- und Kreisrat, BUND-Vorsitzender und Mitglied zahlreicher Organisationen rund um Ökologie, kam auch zu dem Treffen an der Grillhütte.

Chris Kühn erklärte, dass er sich bundespolitisch dafür einsetzt, die Flächenplanung in Deutschland immer weiter zu verringern: „Momentan werden durchschnittlich jeden Tag 64 Hektar Landschaft abgebaut, das Ziel liegt bei 30 Hektar. Wir machen uns stark dafür, das dieser Wert im Jahr 2030 bei null Hektar liegen wird.“

In Ahldorf informierte Ortsvorsteher Hartmut Göttler den Gast über die aktuelle Situation im Horber Stadtteil und kritisierte zugleich, dass die Kommune in Sachen Gewerbegebiet zu wenig Transparenz leiste. So gäbe es keine konkreten Angaben zu aktuellen Gutachten und auch eine mögliche Bürgerfragestunde zur Einbeziehung der Ahldorfer Bevölkerung habe noch nicht stattgefunden. Initiativen-Sprecherin Christina Nuss wollte von Kühn wissen, inwiefern in heutigen Zeiten, wo Einrichtungen wie das gerade in Horb beschlossene „Digital Hub“ vor ihrer Umsetzung stehen, Gewerbeflächen wie die in Ahldorf überhaupt noch benötigt würden. Der Abgeordnete dazu: „Wichtig ist, dass wenn die Kommune so etwas überhaupt plant, dann darf man sich um die Bürgerinfo nicht herumdrücken.“

Dass man aus Ahldorf mit dem Gewerbegebiet eine „Kesselhütte“ machen wolle, eingepfercht zwischen Autobahn und Industrie, das stellte einer der Diskussionsbesucher fest. Kühn argumentierte, dass man in der industriellen Anbindung immer dem Güterverkehr den Vortritt vor der mit LKW verstopften Autobahn geben solle. Zuvor habe aber die Kommune in den entsprechenden Gremien der Orts- und Gemeinderäte bürgernah zu entscheiden, ob eine Gewerbefläche überhaupt Sinn macht. Etwa dann vielleicht, wenn regionale Unternehmen sie zum Wachstum nutzen können.

Doch wie kann eine Initiative wie Hau und Holzwiese Unterstützung von der Politik erfahren? „Gerade bei speziellen Themen wie dem Gemeinderecht stehen wir häufig vor einer fachlichen Herausforderung“, berichtete Initiativen-Mitglied Michael Kaupp. „Vernetzung untereinander ist wichtig, vor allem aber Unterstützung, wie Sie sie etwa in den Bürgersprechstunden der Abgeordneten bekommen“, so Kühn.

Der Abgeordnete gab zu bedenken, dass es schlicht „keine Entschlüsse auf solcher Ebene gibt, bei denen am Ende alle glücklich sind.“ Trotzdem forderte er die Bürgerinitiative auf, bei den anstehenden Kommunalwahlen im kommenden Jahr auf die jeweiligen Akteure zuzugehen. Der Stadtverwaltung riet er außerdem: „Nehmt diese Initiative ernst.“

Er selbst tat genau das am gestrigen Tag: Von der Bürgerinitiative ließ er sich nach der Diskussion noch die Waldfläche zeigen, die möglicherweise bald durch eine Gewerbefläche ersetzt wird.

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Erstellt:
26.07.2018, 01:00 Uhr
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zuletzt aktualisiert: 26.07.2018, 01:00 Uhr

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