Fernsehen

Handball schlägt Fußball

Das WM-Halbfinale Anfang des Jahres bescherte dem DHB-Team eine Traumquote von knapp zwölf Millionen Zuschauern. Da konnte selbst Löws Nationalelf in der EM-Qualifikation nicht mithalten.

19.12.2019

Von Manuela Harant

Patrick Groetzki ist für die Handball-Nationalmannschaft unverzichtbar. Mit seinem Team knackte er den diesjährigen TV-Quotenrekord. Foto: picture alliance/dpa

Patrick Groetzki ist für die Handball-Nationalmannschaft unverzichtbar. Mit seinem Team knackte er den diesjährigen TV-Quotenrekord. Foto: picture alliance/dpa

Fußball über allem? In diesem Jahr gilt das nicht – und eine andere Sportart ist der Quotenhit 2019. Die deutschen Handballer haben zwar den WM-Titel verpasst, aber für die TV-Überraschung des Jahres gesorgt: 11,901 Millionen Menschen schauten das verlorene WM-Halbfinale gegen Norwegen und bescherten der ARD bereits am 25. Januar die Top-Quote des Jahres. Geschlagen geben mussten sich im Ranking der meistgesehenen Sportsendungen dieses Mal die Fußballer – wenn auch knapp. 11,836 Millionen Fernsehzuschauer sorgten beim EM-Qualifikationsspiel gegen die Niederlande bei RTL für die beste Quote der DFB-Auswahl. „Das ist keine Selbstverständlichkeit“, kommentierte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky: „Das zeigt deutlich, dass sich sehr viele Menschen für Handball interessieren.“

Wie beliebt die Handballer sind, zeigen auch die Werte anderer WM-Spiele: Die DHB-Auswahl nutzte das Jahr ohne Fußball-Großereignis und schaffte zwei weitere Top-Ten-Platzierungen. Platz drei lieferte das Spiel gegen Kroatien (10,034 Millionen/ZDF), Rang acht die Partie gegen Spanien (9,088 Millionen/ARD). Insgesamt zehn Partien lagen in den Top 40. „Nichtsdestotrotz haben wir noch nicht mal im Ansatz das erreicht, was wir erreichen können und müssen“, sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning: „Unser Anspruch muss sein, den Abstand zum Fußball weiter zu verkürzen“, sagte Hanning.

Die Handballer haben 2019 die Gunst der Stunde genutzt. Denn in den geraden Jahren mit EM und WM schauen die Deutschen mehrheitlich Fußball. So hatten im Vorjahr die Fußballer noch klar dominiert: Unter den 50 erfolgreichsten Sport-Übertragungen des Jahres fand sich 2018 – vor allem wegen der WM-Übertragungen aus Russland – keine andere Sportart. Und noch ein potenzieller Konkurrent fehlte 2019 und half den Handballern. „Das hat natürlich auch mit dem Pay-TV zu tun“, erklärte Balkausky die Zahlen. Erstmals gab es im abgelaufenen Jahr keine Champions-League-Übertragungen im frei zu empfangenden Fernsehen. Zuletzt gab es die bis Mai 2018 im ZDF. Den wichtigsten europäischen Fußball-Wettbewerb gibt es nun bereits in der zweiten Saison nur noch gegen zusätzliche Bezahlung bei Sky und DAZN.

Wintersport bleibt erfolgreich

Sportart Nummer drei war 2019 Skispringen mit zwei Sendungen in den Top 50 – oder genauer gesagt: Übertragungen der Vierschanzentournee Anfang Januar. Über die gesamte Saison betrachtet liegt aber noch Biathlon vor Skispringen. „Der Erfolg der Biathleten hat sich verstetigt“, sagte Balkausky.

Nur ein einziges Fußball-Spiel schaffte es in diesem Jahr über die Zehn-Millionen-Marke. Auch das ist ungewöhnlich. „Aber Fußball hat in der Masse natürlich weiterhin die Dominanz“, sagte der ARD-Sportkoordinator. In Zahlen: 33 Sportsendungen der Top 50 waren Fußball-Übertragungen. Und im kommenden Jahr dürfte sich das Bild auch an der Spitze dank der EM-Übertragungen bei ARD und ZDF wieder ändern.

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Erstellt:
19.12.2019, 06:00 Uhr
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zuletzt aktualisiert: 19.12.2019, 06:00 Uhr

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