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09.03.2020

Von Bastian Weber

Gisela Schneider, Susanne Babila, Moderatorin Stefanie Schneider und Herta Däubler-Gmelin (von links) sprachen über Gewalt im Kongo. Bild: Ulrich Metz

Das Saallicht ging wieder an, dann folgte ein verhaltener, fast schüchterner Applaus. Es hatte den Zuschauern nicht gefallen, was sie da gerade im Kino Museum zu sehen bekommen hatten. Nicht aber, weil Regisseurin Susanne Babila schlechte Arbeit geleistet hatte. Nein, die rund 160 Besucher waren schockiert über das, was ihnen Babila mit ihrem SWR-Dokumentarfilm „Friedenskämpfer“ aus dem Kongo berichtet hatte. Die Filmemacherin zeigt darin die entsetzliche Gewalt vor Ort, und schafft es, das Leid der Menschen, speziell das der Frauen einzufangen und zu vermitteln.

In der Demokratische Republik Kongo tobt schon seit Jahren ein gewaltsamer Bürgerkrieg. Milizen, die die Minen in dem rohstoffreichen Land kontrollieren, terrorisieren die Zivilbevölkerung. Vergewaltigungen werden dort als Kriegswaffe eingesetzt, um Familienstrukturen zu zerstören. Denn wurde eine Frau vergewaltigt, gilt sie dort als Schande für ihre Familie und wird verstoßen.

Der Friedensnobelpreisträger Dr. Denis Mukwege hat es sich zur Aufgabe gemacht, den misshandelten Frauen zu helfen. Er behandelt die Opfer der Gewalt in seinem Krankenhaus. Unterstützt wird dieses auch vom Deutschen Institut für Ärztliche Mission (Difäm). Dessen Leiterin, Dr. Gisela Schneider, hat Regisseurin Susanne Babila für diesen Film begleitet. Schneider fährt ein- bis zweimal pro Jahr in den Kongo, um dort lokale Organisationen finanziell, organisatorisch und durch Ausbildung zu unterstützen.

Auf den Film folgte ein Podiumsgespräch mit Gisela Schneider, der Regisseurin und der ehemaligen Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin. An dieser Stelle erzählten Schneider und Babila von ihren persönlichen Erlebnissen im Kongo. Es sei unglaublich traurig, dass Babila einen solchen Film auch über den Irak, Libyen und viele weitere Länder drehen könne, bilanzierte Schneider. Babila beklagte, dass sich die Lage im Kongo seit 25 Jahren nicht verbessert habe.

Eine der Hauptursachen für den Krieg, sei der Abbau von Seltenen Erden dort. Daran seien auch deutsche Firmen beteiligt. Um diese Firmen stärker in die Verantwortung zu nehmen, brauche es ein Lieferkettengesetz, da waren sich Babila und Schneider einig. Herta Däubler-Gmelin beleuchtete vor allem die juristische Perspektive, sie berichtete zum Beispiel vom Kongo-Kriegsverbrecherprozess in Stuttgart. Dort wurde ein kongolesischer Rebellenführer, der Massenmorde angeordnet hatte, nach vier Jahren verurteilt. Ihr Kommentar: „die Mühlen der Justiz mahlen entsetzlich langsam“, eine Verfolgung solcher Taten sei aber unbedingt notwendig. Das meint auch Nobelpreisträger Mukwege im Film: „Heilung ist erst möglich, wenn Gerechtigkeit geschieht.“

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Erstellt:
9. März 2020, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
9. März 2020, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. März 2020, 01:00 Uhr

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