Dettensee · Nachruf

Heimat und Miteinander waren für Joachim Baum wichtige Werte

Dettensee hat eine Stütze und einen Macher im Vereinsleben und der Dorfgemeinschaft verloren.

07.12.2023

Von Philipp Eichert

Joachim Baum war ein Vereinsmensch. Bild: Philipp Eichert

Joachim Baum war ein Vereinsmensch. Bild: Philipp Eichert

Joachim Baum wurde am 30. Januar 1949 in Dettensee (damals noch Kreis Hechingen) geboren. Als drittes Kind unter vier Geschwistern wuchs er in Dettensee auf und besuchte dort auch die Grundschule. Mit 14 Jahren machte er eine kaufmännische Lehre in der Zimmerei Gunkel in Horb, die er denn auch erfolgreich abgeschlossen hat. Danach hat er als Kaufmann mehrere Jahre in verschiedenen Firmen gearbeitet. Die letzten Berufsjahre im Ländle als Handelsvertreter eines westfälischen Konzerns (GTM, vornehmlich Metallbau, Grillroste und Treppenbau).

Seine Frau Monika, geborene Albus, hat Joachim Baum 1973 standesamtlich in Bieringen geheiratet, das kirchliche Jawort folgte 1974 in Bieringen, Kreis Tübingen, folgte. Ihre beiden Söhne, Thomas und Andre, sind 1973 und 1978 geboren – Enkeltochter Pauline ist in Esslingen zuhause. Während dieser Zeit, von 1973 bis 1981, wohnte die junge Familie in Bieringen.

Doch ganz verlassen hatte Joachim Baum in dieser Zeit seinen Heimatort Dettensee dennoch nicht. Er fuhr morgens und abends durch Dettensee – er arbeitete seinerzeit bei den Steeb-Werken in Sulz, - schaute im elterlichen Haus vorbei, um zu erfahren, was es Neues im Flecken gibt, beziehungsweise wo er als Mitglied der Dettenseer Vereine gefordert sein könnte. Am Sonntag auf dem Sportplatz war er sowieso. Von 1979 bis 1981 wurde mit viel Eigenleistung, Freunden und Familie in seinem Geburtsort ein Haus gebaut, das 1981 von der vierköpfigen Familie bezogen wurde.

2005 schwer erkrankt

2005 erhielt er die Diagnose einer schlimmen Erkrankung. Verständlicherweise eine schwer zu verkraftende Nachricht. Die Krankheit hat sein Leben sehr verändert. Es gab immer wieder große Leidensphasen, die er durchstehen musste. Die Krankheit hat ihn über Jahre so geschwächt, dass er die letzten beiden Operationen nicht mehr verkraften konnte. Joachim Baum starb am 27. November im Robert-Bosch-Krankenhaus in Stuttgart.

Was für ein Mensch war Joachim Baum, was war im wichtig? Seine Heimatgemeinde, das Vereinsleben und das Miteinander im Dorf, waren für ihn hohe Werte, die er gelebt und geliebt hat. Freundschaft, Kameradschaft, Hilfsbereitschaft. Diese Eigenschaften waren für ihn nicht nur Worte, er hat sie ausgefüllt und gelebt. Die Traditionen des Dorfes pflegte und lebte er aktiv mit. Das begann schon als Jugendlicher. Als junger Schüler war er viele Jahre ein treuer Ministrant seiner Kirche. Danach kamen die Vereine. Zuerst der SSV Dettensee (später mehr), dann der Gesangverein, in den er 1979 als passives Mitglied eintrat. 2008 stellte er sich in die Reihen der aktiven Sänger und Sängerinnen. Von 2011 bis 2016 war er stellvertretender Vorsitzender und zum Schluss noch Ausschussmitglied.

Ein halbes Leben lang verkörperte er den SSV Dettensee. Seinem SSV Dettensee war er immer treu verbunden. Aber nicht nur als aktiver Fußballer und Tennisspieler hat er seinen SSV unterstützt. Fußball zu spielen für seinen SSV war eine Herzenssache für ihn. Nach seiner aktiven Zeit war es ihm wichtig, seine Fußballer auch als Zuschauer und Funktionär weiterhin zu unterstützen.

Und nicht nur das. Von 1968 bis 2006, insgesamt 38 Jahre, stand er dem Verein als Funktionär zur Verfügung. Zunächst als Schriftführer (1968 bis 1989, als Ausschuss-Mitglied von 1989 bis 1991 und von 1992 bis 1993 übte er das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden aus. Bis 2006 und seiner Erkrankung war er für 13 Jahre als Vorsitzender der erste Mann im SSV Dettensee. Zwölf Ehrungen allein außerhalb des Vereins verdiente sich das Ehrenmitglied des SSV in dieser Zeit bei Verbänden. Darunter die WLSB-Ehrennadel in Gold, den WFV-Verbands-Ehrenbrief oder die WFV-Spieler-Ehrennadel.

Welche besonderen Gaben zeichneten Joachim Baum noch aus? Schon als Kind besaß er eine große Liebe zu Tieren. So pflegte er zwei Eulen und einen jungen mutterlosen Fuchs gesund. Zu seinem Tierpark gehörten – sehr zum Leidwesen seiner Schwestern – Molche, Eidechsen, Mäuse, Blindschleichen und ein Aquarium mit allerlei Fischen.

Eines seiner besonderen Talente war es, Texte und Lieder für besondere Anlässe zu schreiben. Auch bei Veranstaltungen und Geburtstagen hat man sich auf seine Textbeiträge gefreut, waren sie doch immer einer der Höhepunkte des Abends. Beim Fasnets-Höhepunkt, dem Sportlerball des SSV Dettensee, hat er mit den Fichtenwaldlerchen das zurückliegende Jahr im Ort beleuchtet und mit humorvollen, hintersinnigen Texten das Publikum zum Jubeln gebracht. So hat sich Joachim Baum bei einem Sportlerball mit der Dettenseer Nationalhymne (nach der Melodie „Wo die Nordsee-Wellen“) ein Denkmal gesetzt: „Weatigs hoißt es Dätsail, sonntigs Dettensee.“ Inzwischen kein reines Fasnets-Lied mehr, denn es wird bei vielen Gelegenheiten im Flecken angestimmt.

Dätsailer Hymne

Zwischen Alb und Schwarzwald, über’m Neckartal,

wo die Fasnet a’fangt mit dem Sportlerball,

liegt ein Dorf so fröhlich und so wunderschee,

weatigs hoißt es Dätsail, sonntigs Dettensee.

Wo am Fasnetsdienstag isch da Teufel los,

do sind alle narret, die Stimmung riesengroß,

jo Dätsailer Fasnet isch halt b’sonders schee

und am Aschermittwoch hä mir’s Schädelweh.

Lockt mich in der weiten Welt das große Glück

zieht’s mich immer wieder doch hierher zurück,

wo ich meine allerbesten Freunde fand,

Dätsail meine Perle aus dem Zollerland.

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Erstellt:
07.12.2023, 18:00 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 33sec
zuletzt aktualisiert: 07.12.2023, 18:00 Uhr

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