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Hohenzollern-Horror „A Cure for Wellness“ floppt grandios
Ziemlich ins Auge gegangen ist die weltweite Vermarktung des Thrillers „A Cure for Wellness“. Der Film von Erfolgs-Regisseur Gore Verbinski („Fluch der Karibik“) mit Dane DeHaan in der Hauptrolle (Bild) wird möglicherweise nicht einmal die Produktionskosten einspielen.Bild: 20th Century Fox
Zahlen zum Heulen

Hohenzollern-Horror „A Cure for Wellness“ floppt grandios

Der Hohenzollern-Horror „A Cure for Wellness“ sorgt weltweit für Grausen bei Kinobetreibern. Lediglich im Zollernalbkreis kleben Fans noch immer vor der Leinwand.

22.04.2017
  • Eike Freese

40Millionen Dollar. Das ist das geschätzte Produktions-Budget des Hollywood-Streifens „A Cure for Wellness“, der zu einem wesentlichen Teil auf der Burg Hohenzollern gedreht wurde. Mitte Februar kam er weltweit in die Kinos. 40 Millionen Dollar Produktion – inklusive 8 Millionen Euro vom Deutschen Filmförderfonds, 500 000 vom Medienboard Berlin-Brandenburg, 400 000 von der Mitteldeutschen Medienförderung und 400 000 von der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg. Gelohnt hat sich das, finanziell gesehen, bisher nicht.

Überhaupt nicht sogar. Und je nach Maßstab, den man anlegt, könnte sich „A Cure for Wellness“ am Ende als einer der gruseligsten Hollywood-Flops der Geschichte herausstellen. In den Vereinigten Staaten, dem größten Markt, ist der Streifen des Blockbuster-Regisseurs Gore Verbinski schon nach wenigen Wochen fast komplett aus den Kinos verschwunden. Hatten ihn zum Start am 17. Februar noch über 2700 Säle im Angebot, waren es zwei Wochen später noch bittere 88. Geschätzte 8 Millionen Euro, nur ein Fünftel der Produktionskosten, hat der Film in seinem Heimatland eingespielt – und viel mehr wird es auch am Ende des Jahres nicht mehr sein. Die
Säle blieben leer, Grusel-Freunde weltweit schauten in diesem Frühjahr   lieber   den   weitaus   günstiger produzierten Psycho-Horror „Split“. Der hat bisher bei einem Budget von geschätzt knapp 10 Millionen Dollar über 130 Millionen eingespielt.

In Deutschland und in der Region sieht das nicht anders aus. „In der ersten Woche lief der Film sehr bescheiden“, sagt der Tübinger Kino-Betreiber Martin Reichart, „und dann ging es bergab.“ Reichart startete „Cure“ im Kino Museum im großen 640-Zuschauer-Saal – doch bis zum ersten Wochenende saßen insgesamt nur 450 Leute drin. Zur Filmfirma 20th Century Fox hat Reichart immerhin „einen guten Draht“, wie er sagt. So konnte er seine Konditionen für den überraschend klaren Kassenflop unkompliziert nachverhandeln. „Am Anfang hatte ich noch gedacht, dass der lokale Bezug zieht“, so Reichart, „aber das hatte sich in Tübingen sehr schnell erledigt.“

Zu den paar Betreibern in Deutschland, die „Cure“ auch in der 9. Woche noch zeigen, gehören indes die Kinomacher in Hechingen, Albstadt und Balingen. Konkrete Zahlen sagt etwa der Hechinger Betreiber Ralf Merkel nicht, nur: „Bei uns läuft der Film sehr gut – allerdings gegen den weltweiten Trend.“ Merkel sprach gezielt das Lokalgefühl der Kundschaft rund um die Burg an: Er machte noch vor dem offiziellen Start eine große Preview für Presse, örtliche Statisten und sonstige Filmfans und wird „Cure“ im Juli auch „open air“ auf der Burg Hohenzollern zeigen.

Ebenfalls ein absehbarer Erfolg. Denn die aufwändige Produktion, auch mit Helfern aus der Region, hat die Menschen dort in den vergangenen zwei Jahren emotional an das Projekt gebunden. Handwerker, Feuerwehrleute, Burg-Beschäftigte: Zumindest indirekt sind aberhundert Leute aus dem Zollernalbkreis mit „A Cure for Wellness“ verknüpft. „Auch die Burg Hohenzollern selbst ist in dem Film gut weggekommen“, findet Merkel.

Abgerechnet wird auch in der Filmwirtschaft am Ende. In der Geschichte gab es immer mal Streifen, die sich erst nach dem Kino auf anderen Wegen Kundenkreise erschlossen – etwa über Video- oder jetzt Streaming-Angebote. Und in gewissen Ländern lief „Cure“ sogar vergleichsweise manierlich: Nach drei Wochen immerhin gut 3 Millionen Dollar hat der Thriller etwa etwas östlich von Hechingen eingespielt: in Russland nämlich.

40 Millionen Dollar Produktionskosten – plus X

Verglichen mit kalkulierten Blockbuster-Erfolgen, durch die Hollywood-Studios Misserfolge und Liebhabereien querfinanzieren, liegen 40 Millionen Dollar noch im Mittelfeld. Für „A Cure for Wellness“ wurde allerdings, und das zusätzlich, ein gewaltiger Marketing-Apparat in Bewegung gesetzt: Allein ein einziger Werbespot beim publikumsträchtigen Football-Finale „Super Bowl“ verschlang Millionen extra. Teils umstrittene viraleKampagnen im Netz kamen dazu: 20th Century Fox ließ täuschend echt wirkende Internet-Seiten entwickeln, die etwa meldeten, in den USA sei von nun an das Impfen gegen Masern und andere Kinderkrankheiten verboten. Fox musste sich öffentlich entschuldigen – doch das Geld war ausgegeben. Auch an der Kino-Kasse half die Aufmerksamkeit nicht: Weltweit hat der Film bislang geschätzt nur 26 Millionen Dollar eingespielt.

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22.04.2017, 01:00 Uhr

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