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Ein Fällkran für knifflige Fälle

Hunderte Eschen im Neckar- und Glatttal entfernt / Spezialfahrzeug tagelang im Einsatz

Das „Falsche Stängelbecherchen“ ist Forstmitarbeitern ein Graus: Der Pilz hat europaweit vor allem Eschen befallen. Im Raum Sulz werden deshalb derzeit hunderte Bäume gefällt. Dank mehrerer Spezialfahrzeuge sind die Fällungen sogar in schwierigen Hanglagen und von vielbefahrenen Straßen aus möglich, ohne dass der Verkehr allzu sehr beeinträchtigt wird.

27.11.2015
  • cristina priotto

Sulz. Der grüne Fällkran hatte sich am Donnerstag wie ein Krake in der Balinger Straße festgesaugt. Das 20 Tonnen schwere Fahrzeug der Rottweiler Baumpflegefirma Niefer verfügt über einen Ausleger mit Greifer, der bis zu 24 Meter weit ausgefahren werden kann.

Wegen der Hanglage zur Stadt hin erwies sich die Maschine gestern als ideal: Die Fahrbahn musste nur auf wenigen Metern halbseitig gesperrt werden, dank des langen Auslegers konnte das Baumpflege-Team mit Hilfe des Greifers gut in dem steilen Gelände hantieren.

Die Männer arbeiteten routiniert zusammen: Ein Mitarbeiter fuhr den Kran aus, griff mit dem Greifer eine der erkrankten Eschen, kürzte den Baum mit einer hydraulischen Säge von oben und stapelte die gefällten Teile übereinander.

Ein Kollege stand schon parat und zersägte den Stamm zu Brennholz. Wenige Meter weiter die Straße hoch wartete bereits ein Häcksler, der das Schnittgut zerkleinerte – sofern die Äste nicht schon durch die Vibrationen oder beim Herunterfallen zersplittert waren. Ein Lastwagen lud die Stämme auf und transportierte das Brennholz umgehend ab, weil die gefällten Eschen an den Steilhängen nicht gelagert werden können.

„Man wird verrückt, wenn man diese Organisation vorbereiten muss“, seufzte Klaus-Peter Mühleck. Der Forstrevierleiter koordinierte die Arbeiten im Neckar- und Glatttal, darunter am Alb-eck-Gymnasium, am Friedhof und in der Holzhauser Hauptstraße. Die Herausforderungen waren angesichts von Stromleitungen, Straßenlampen, Zäunen und Geländern wie an der Balinger Straße beträchtlich.

Das Fällen der erkrankten Eschen (wir berichteten) hat am Montag begonnen. Der Befall mit dem „Falschen Weißen Stängelbecherchen“ war zwar schon länger bekannt, „aber man hat die Bäume stehen gelassen, weil es dadurch grüner war“, erklärte Mühleck. Das Problem wuchs jedoch von Jahr zu Jahr. In einer Stadt wie Sulz mit vielen Tallagen und nah an den Wald gebauten Häusern kamen die Standorte entlang der Steilhänge erschwerend hinzu.

Da war es geradezu ein Glücksfall, dass ein Fällkran mit einer Hubhöhe von 24 Metern im nicht weit entfernten Rottweil stationiert ist. „Solche Spezialfahrzeuge gibt es in ganz Deutschland nur eine Handvoll“, weiß der Revierförster.

Ein Vorteil ist, dass es genügt, die Fahrbahn halbseitig rund um den Standort der Maschine zu sperren. Der Verkehr floss gestern jedenfalls nahezu ungehindert an der Einsatzstelle vorbei. Wie bedeutend so etwas gerade bei einer wichtigen und vielbefahrenen Straße wie der Balinger Straße ist, musste Klaus-Peter Mühleck vor sieben Jahren erfahren: Damals brach just während der zu Fällarbeiten voll gesperrten Balinger Straße in der Kernstadt ein Brand aus. Die Feuerwehr konnte jedoch nicht direkt von Kastell runterfahren, sondern verlor auf dem Umweg über die Bergfelder Klinge wertvolle Zeit.

Viel Zeit nimmt allerdings auch das Fällen in Anspruch: Wer den Arbeitern am Donnerstag eine Weile zuschaute, bekam einen Eindruck davon, wie aufwendig das Entfernen der rund 500 befallenen Eschen im Neckar- und Glatttal ist. Einschließlich der Aufräumarbeiten rechnet Mühleck noch mit mindestens einer Woche.

Großes Lob spricht der Revierförster dem Straßenbauamt Rottweil aus, das den Einsatz mit Hinweisschildern unterstützt hat.

Dort, wo gerodet wurde, sind keine Ersatzpflanzungen vorgesehen, weil an diesen Stellen genug Bergahorn wächst.

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27.11.2015, 01:00 Uhr

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