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Biathlon

„Ich brauche einen perfekten Tag“

Simon Schempp sieht Dominator Martin Fourcade nicht als seinen einzigen Gegner. Im heutigen Sprint von Ruhpolding legt er es dennoch darauf an, ihn zu schlagen.

13.01.2017

Von MANUELA HARANT

Top-Biathet von der Ski-Zunft Uhingen: Simon Schempp ist viel unterwegs im Weltcup-Zirkus, aber sehr heimatverbunden. Foto: getty

Ruhpolding. Mit nur einem Nachlader im letzten Schießen hat Simon Schempp beim Auftaktrennen von Ruhpolding mit der Staffel Platz drei gesichert. Im Interview spricht der 28-Jährige über seine aktuelle Form, den ewigen Vergleich mit Martin Fourcade, seinen Fanclub in Uhingen und wie er sich auf das heutige Sprint-Rennen (14.45 Uhr/ARD und Eurosport) vorbereitet hat.

Herr Schempp, wie fühlen Sie sich?

SIMON SCHEMPP: Ich bin aktuell sehr zufrieden mit meiner Form. Seit dem Saisonstart ist sie von Woche zu Woche besser geworden. Das macht mich gerade im Hinblick auf die WM in vier Wochen sehr optimistisch.

Sie haben gesagt, dass Sie im Staffelrennen extra schnell geschossen haben. Wie können Sie sich auf ihr eigenes Schießen konzentrieren und gleichzeitig die Konkurrenz im Auge behalten?

Wie da andere vorgehen, weiß ich nicht, aber für mich ist es nicht schwierig, das Abschneiden der Konkurrenz mitzubekommen. Ich höre es schon ein bisschen an den Zuschauern, wenn ich an den Schießstand laufe. Dann ging ich auf die Matte und sah gleich, dass mein Gegner die letzte Scheibe nicht getroffen hat. Dann habe ich entschieden, es zu versuchen und ein hohes Risiko zu gehen. Vier Schüsse hat das gut funktioniert, nur beim letzten leider nicht.

Vor wenigen Tagen in Oberhof haben Sie ihren ersten Saisonsieg eingefahren und Dominator Martin Fourcade geschlagen. Was bedeutet Ihnen dieser Sieg?

Für mich persönlich war der Sieg in Oberhof auch etwas besonderes, weil ich dort bis dahin nie so gute Wettkämpfe hatte. Zudem hat es mich gefreut, dass es spannend für die Zuschauer war und jeder daheim vorm Fernseher mitgefiebert hat. Aber man redet momentan viel über Martin. Natürlich ist er das Maß der Dinge, aber es ist nicht so, dass alle nur gegen ihn laufen. Ihn im Zielsprint zu schlagen ist schön, aber es ist am Ende dasselbe, wie wenn ich gegen Emil Hegle Svendsen oder Anton Schipulin gewinnen würde.

Wie hoch schätzen Sie ihre Chancen ein, Fourcade auch heute zu schlagen?

Ich hoffe natürlich, dass ich ihn schlagen kann, aber dafür brauche ich einen perfekten Tag.

Nervt es manchmal, wenn man immer nach Fourcade gefragt wird?

Ja. Da war zum Beispiel der Sprint in Oberhof. Fourcade wird Achter und jeder schreit: Jetzt hat er eine Schwäche! Hallo, er ist Achter der Welt geworden und hat kein schlechtes Rennen gemacht. Jeder assoziiert nur noch: Martin Fourcade gewinnt und danach kommt der Rest. Ich kann es zwar ein bisschen verstehen, weil er wahrscheinlich gerade seine beste Saison in seiner bisherigen Laufbahn hat. Aber auch er ist nur ein Mensch und ist nicht in der Lage, jedes Rennen zu gewinnen.

Wie bereiten Sie sich auf den Sprint heute vor?

Ich war gerade auf dem Ergometer und habe dann noch am Arm-Kraft-Zuggerät etwas gemacht. Das ist ein Gerät, bei dem man Doppelstock schiebt. Dabei war die Absicht, dass ich noch einmal den ganzen Körper in Bewegung hab, dass das Laktat besser abgebaut wird.

Wie schwer fällt die Umstellung von den Verfolgungs- und Massenstartrennen auf den Sprint?

Das spielt eigentlich keine Rolle. Ich mache ja nicht erst seit gestern Biathlon. Egal bei welchem Wettkampf, man versucht immer mit 100 Prozent an den Start zu gehen und das Hundertprozentige herauszuholen.

Spüren Sie morgens eigentlich manchmal, wie sie später im Rennen abschneiden?

Manchmal ist das so, dass man aufsteht, ein sehr gutes Gefühl hat und das bewahrheitet sich im Wettkampf. Manchmal hat man ein gutes Gefühl und es geht dann doch nicht. Und manchmal hat man ein schlechtes Gefühl und es wird dann doch gut. Oder es gibt auch Tage, an denen man morgens sagt: Heute wird's schwer und dann wird es auch schwer. Also es gibt schon mehrere Situationen, die bei mir eingetreten sind. Deshalb muss man immer erst abwarten, wie es im Wettkampf ist.

Welche Unterstützung bekommen Sie hier aus der Heimat?

Meine Eltern kommen übers Wochenende und ein paar andere Bekannte von mir. Aber ich glaube die werde ich eh nicht aus dem Publikum raushören.

Welche Beziehung pflegen Sie zu Ihrem Fanclub?

Der Fanclub ist ja daheim in Uhingen, das ist schon eine ganz schöne Strecke. Wenn die Fans aber zu Wettkämpfen kommen, versuche ich mir schon Zeit zu nehmen und sie zu besuchen. Nach der Saison im April, wenn ich mal zu Hause bin, nehme ich es auf jeden Fall wieder in Angriff. Es ist schon toll für mich zu sehen, dass in meiner Heimat die Begeisterung für meinen Sport so groß ist. Aber mehr als ein bis zweimal im Jahr geht fast nicht.

Wie finden Sie auch mal Abstand vom Biathlon?

Im Winter ist der Kalender so eng getaktet, dass dafür nicht viel Zeit übrig bleibt. Wenn man zum Beispiel gestern hernimmt: Da bin ich aufgestanden, war frühstücken, dann joggen. Dann hab ich mich eine Stunde ausgeruht, dann ging's zum Mittagessen und dann schon raus auf Strecke. Und abends nach der Siegerehrung und Massage war ich um halb zehn daheim. Dafür versuche ich nach dem Wochenende immer mal einen Tag frei zu nehmen. Oft ist dann die Couch der beste Platz zum Runterkommen.

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Erstellt:
13. Januar 2017, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Januar 2017, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Januar 2017, 06:00 Uhr

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