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Im Oberndorfer Wald war in der Nacht auf Samstag ein Wilderer unterwegs
Rehe auf der Wiese am Morgen. Archivbild
Gewildertes Reh am Wegrand

Im Oberndorfer Wald war in der Nacht auf Samstag ein Wilderer unterwegs

In Oberndorf war ein Wilderer unterwegs. Er schoss ein Reh, zerlegte es teilweise und ließ die Reste am Waldrand zurück.

15.04.2016
  • Andreas Straub

Oberndorf.Am Samstagmorgen fand ein Spaziergänger, der mit seinem Hund unterwegs war, ein totes Reh auf einem Weg im Gebiet „Stiefel“ am Waldrand zwischen Oberndorf und Hailfingen. Das Tier wurde erschossen und teilweise zerlegt, der Rest zurückgelassen. Der Spaziergänger meldete den Fund seinem Nachbarn, dem früheren Oberndorfer Jagdpächter Klaus Osterried, der umgehend seine Nachfolger informierte. „Der Fund war ein grausamer Anblick, das Tier muss gelitten haben“, sagt Osterried.

Diese Meinung teilen auch zwei der derzeitigen Pächter und Jäger, Matthias Clauß und Nikolaus Hermann, die sich den Fundort am Dienstagnachmittag noch einmal ansahen.

Bereits vor einem Jahr hatten die Jäger erste Schüsse gehört, die sie nicht zuordnen konnten. Häufig fielen die Schüsse kurz nach Neumond, wenn es also sehr dunkel war. Dass sie aus den angrenzenden Revieren Wendelsheim, Seebronn oder Hailfingen kamen, habe man aufgrund des Halls ausschließen können. „An einen Wilderer wollten wir trotzdem nie so recht glauben“, sagt Clauß. Nun habe man Gewissheit.

Der Fall ist schwerwiegend, da gerade Schonzeit ist. Für Jäger bedeutet das: es dürfen nur Wildschweine auf dem Feld geschossen werden, die Flurschäden anrichten. Ansonsten herrscht vom 31. Januar bis zum 1. Mai ein Jagdverbot, die sogenannte „Wildruhe“.

Aufgrund des Zustands, in dem das Reh aufgefunden wurde, sind sich die Jäger relativ sicher, dass es am frühen Samstagmorgen oder in der Nacht von Freitag auf Samstag geschossen wurde. Clauß selbst war am Freitagabend noch unterwegs und bemerkte keine Auffälligkeiten.

Wo genau das Reh geschossen wurde, ist hingegen unklar. Das Gebiet „Stiefel“ ist etwas abgelegen von den gängigen Wegen und recht weitläufig. Da das Tier „stümperhaft“ in den Bauch getroffen wurde, vermuten die Jäger, dass es noch eine ganze Zeit lang geflohen sein könnte, verfolgt vom Wilderer. Mit einem solchen Wundschuss, erklären die Jäger, sei es schwierig, das Tier zu transportieren. Daher habe der Wilderer es vermutlich vor Ort zerlegt. „Außerdem ist man mit einem Rucksack und ein paar Tüten für das Fleisch unauffälliger unterwegs als mit einem Reh auf dem Rücken“, sagt Clauß.

Doch weshalb ließ der Wilderer das Tier mitten auf dem Weg liegen? „Wir vermuten, dass er gestört wurde“, sagt Hermann. Das könnte ein vorbeifahrendes Auto, ein Spaziergänger oder ein Jogger gewesen sein. Da habe der Wilderer wohl schnell die Flucht ergriffen. „Wahrscheinlich ist es ein Einzelner, da braucht man keine Komplizen“, sagt Hermann. In einem sind sich die Jäger sicher: der Wilderer kennt sich aus. Das Reh sei vielleicht nicht gut geschossen, jedoch fachmännisch zerlegt worden.

Gleich nach dem Fund erstatteten die Jäger Anzeige gegen Unbekannt. Sie wollen zudem verstärk präsent sein in ihrem Revier, auch zu ungewöhnlicheren Zeiten. „Wir werden mit offenen Augen unterwegs sein“, sagt Clauß. Oberndorfs Ortsvorsteherin Diana Arnold erklärte: „Die Stadt und ich werden diese Wilderei in keiner Weise dulden und wir werden harte Gegenmaßnahmen ergreifen.“ Feldwege und Zufahrten werde man stärker kontrollieren. Die Jäger und die Ortsvorsteherin bitten Zeugen, die in der Nacht auf Samstag etwas gesehen haben, sich bei der Polizei zu melden. Auch künftig bitten die Jäger um Wachsamkeit, insbesondere wenn beispielsweise Spaziergänger jemanden beobachten, der mit seinem Auto nachts ein Feld ausleuchtet.

Für Wilderei drohen bis zu fünf Jahre Haft

Wilderei bezeichnet den Eingriff in ein fremdes Jagdrecht. Wer dabei erwischt wird, muss mit einer Geldbuße rechnen. Wiederholungs- und gewohnheitsmäßige Täter können mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft werden. Das Oberndorfer Jagdrevier ist 614 Hektar groß. Davon entfallen 70 Prozent auf landwirtschaftliche, 16 Prozent auf Wald- sowie 14 Prozent auf Siedlungs- und Verkehrsfläche. Dieter Kampka, Manfred Renz, Matthias Clauß und Nikolaus Hermann sind die Jagdpächter.

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15.04.2016, 01:00 Uhr

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