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Jagd auf den Nager wäre falsches Signal
Im Lautertal leben bereits zahlreiche pelzige Nagetiere, die sich vor allem im Wasser wohlfühlen. Bild: Hahn
Reutlinger Biberberater setzt lieber auf Elektrozäune

Jagd auf den Nager wäre falsches Signal

Landwirtschaftsminister Hauk denkt darüber nach, ob die Nager bejagt werden sollen. Der Reutlinger Biberberater hält das für keine gute Idee.

05.01.2017
  • Michael Frammelsberger

Im Jahr 2018 wollen das Landwirtschafts- und das Umweltministerium den ersten Wildtierbericht veröffentlichen, bei dem die Bestände aller in Baden-Württemberg vorkommenden Tierarten erfasst sein sollen. Dabei soll auch der Schutzstatus bedrohter Tiere überprüft werden. Ganz oben auf der Abschussliste: Der Biber. In einem SWR-Interview erklärte Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) jetzt, dass es zwar schön sei, dass es wieder Biber gebe, allerdings würde die Menge der Tiere „extreme Schäden“ in der Landwirtschaft und durch Überflutungen verursachen. Sein Ministerium schätzt die Anzahl der Nager auf landesweit 3500. Man müsse auch über die Möglichkeit nachdenken, Fallen zu stellen und Biber so zu bejagen, sagte Hauk dem SWR. Auch der Landesjagdverband unterstützt den Vorschlag und fordert „eine ergebnisoffene Prüfung.“

Widerspruch gibt es dagegen vom Umweltministerium und Naturschutzverbänden, welche die Biberaktivität im Land positiv sehen. Ähnlich geht es auch dem Reutlinger Biberberater Nils Hahn. Er hilft im Auftrag des Regierungspräsidiums im Landkreis bei Problemen mit den Nagern. „Ich halte das nicht für sinnvoll, denn wir haben schon ein recht gut funktionierendes Bibermanagement“, sagt er.

Gegen Hauks Initiative sprechen laut Hahn gleich mehrere Argumente. Zum einen würde die Bevölkerung die Jagd auf Biber „sehr ambivalent“ sehen, zum anderen sei sie nur schwierig gesetzlich umsetzbar. Beim Naturschutz spielen auch Regelungen des Bundes und der EU eine wichtige Rolle, hier bräuchte das Landwirtschaftsministerium triftige Gründe für einen Sonderweg. Hahn bezweifelt, ob man die Biber überhaupt effektiv bejagen könnte. Erfahrungen bei anderen Wildarten, wie etwa Wildschweinen, würden zeigten, dass dies nicht immer gelinge. „Wenn an einer Stelle Biber entnommen werden, kommen außerdem neue Tiere in den frei werdenden Revieren nach“, erklärt der Experte.

Der Biberberater setzt eher auf pragmatische Lösungen. So stellt das Landratsamt etwa Landwirten, deren Pflanzen von den Nagern gefressen werden, mobile Elektrozäune zur Verfügung. Für Bäume gibt es Drahtmaterialien, die vor den Nagern schützen. „Das ist sehr effektiv“, sagt Hahn. Außerdem bleiben die Biber im Normalfall innerhalb eines zehn Meter breiten Streifens nahe an Wasserläufen. Diese Zonen gehörten meist dem Land oder Kommunen und würden oft weder land- noch forstwirtschaftlich genutzt, erklärt der Nagerexperte. Dazu kommt, dass sich der Tierbestand auch auf natürliche Weise reguliert. Die Tiere hätten zwar keine Fressfeinde, durch die Folgen von Revierkämpfen kommen aber viele ums Leben, so Hahn. „Irgendwann wird ein Sättigungsgrad erreicht. Im Lautertal sehen wir das gerade, dort nehmen die Meldungen von toten Bibern immer mehr zu.“ In diesem Gebiet gebe es nur noch einige weniger optimale Ecken für die Tiere, landesweit sei aber noch Platz.

Bei der Debatte um die Biber wünscht sich Hahn mehr Verständnis. „Wir leben mitten in einem Biosphärengebiet“, sagt er. Hier sollen menschliche Nutzung und Naturschutz in Einklang gebracht werden. Die Jagd auf Biber wäre dafür ein falsches Signal.

Das Bibermanagement des Regierungspräsidium

Seit 2003 gibt es beim Regierungspräsidium Tübingen eine Anlaufstelle für das Bibermanagement. Sie beobachtet und erfasst die Reviere der Nager, betreibt Öffentlichkeitsarbeit und berät bei Konflikten zwischen Mensch und Tier. Neben den hauptamtlichen Mitarbeitern der Behörde gibt es in allen Landkreisen ehrenamtliche Biberberater, die vor Ort schnell und flexibel reagieren können. Neben Nils Hahn ist das im Landkreis Reutlingen Wolfgang Hoedl. Zusätzlich gibt es noch Ansprechpartner beim Landratsamt, dass als untere Naturschutzbehörde zuständig ist. Mehr Informationen und die Kontaktdaten der Berater gibt auf der Homepage des Regierungspräsidiums unter dem Stichwort Bibermanagement.

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05.01.2017, 01:00 Uhr

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