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Kamino-Geschäftsführer Andreas Vogt hat seinen Traumjob gefunden
Die Kinoleidenschaft zum Beruf gemacht: Andreas Vogt vor dem Kamino in der alten Wendler-Fabrik. Bild: Haas
Schon als Jugendlicher vom Film fasziniert

Kamino-Geschäftsführer Andreas Vogt hat seinen Traumjob gefunden

Andreas Vogt ist seit Anfang April Kamino-Geschäftsführer – und hat zugunsten des Genossenschaftskinos beim Kulturamt aufgehört.

18.04.2017
  • Matthias Reichert

Keine Frage, Andreas Vogt hat seinen Traumjob gefunden. Seit April ist er hauptamtlicher Geschäftsführer des Genossenschaftskinos Kamino. „Eine Entscheidung für das Kino“, sagt der 46-Jährige. Vogt hat Kamino mit aus der Taufe gehoben und aufgebaut – ein Herzensanliegen, in das er wie alle fünf Vorstandsmitglieder viel Zeit und Energie investierte. Für den neuen Job hat er nach fast zehn Jahren seine Stelle beim Reutlinger Kulturamt aufgegeben.

Der gebürtige Ellwanger ist in Rottweil aufgewachsen. Dort haben ihn die Filmvorführungen des Stadtjugendrings fasziniert. Später als Zivildienstleistender in Mariaberg hat er 16-Millimeter-Filme im „Zivi-Film“ genannten Hauskino gezeigt. Mit dem Freundeskreis teilte er in Studienzeiten die Kinobegeisterung. Und in der Reutlinger Stadtverwaltung war Klaus Kupke sein Kollege, der seit Jahren mit Erfolg das städtische Open-Air-Kino im Spitalhof organisiert.

Das Thema hat ihn über Jahre umgetrieben. Vogt beschäftigte sich mit Reutlinger Kinogeschichte, hielt darüber einen vielbeachteten Vortrag in den mittlerweile abgerissenen Kammerlichtspielen, wo im Dezember 2013 die Kamino-Genossenschaft gegründet wurde. Zuletzt war in Reutlingen nur das Cineplex Planie übrig geblieben – viele wünschten sich eine Alternative. „Wir haben etwas aufgegriffen, was in der Luft lag“, sagt Vogt. „Da müssen die richtigen Leute zusammenkommen für so ein Projekt“ – neben Kupke, Vogt und Andreas Kissel zählte und zählt auch Karin Zäh dazu, die in unzähligen ehrenamtlichen Stunden die Geschäfte geführt hat. Bis zur Einrichtung der Geschäftsführerstelle lief alles außer der Buchhaltung ehrenamtlich ab – was zuletzt kaum mehr zu bewältigen war. Neben dem „Kunst und Feinkost“-Büro von Zäh und Gabriele Janz in der Wilhelmstraße steht nun Vogts Schreibtisch als Schaltzentrale der Kino-Genossenschaft.

Die knapp 100 Ehrenamtlichen haben dennoch weiterhin genug zu tun. Eine Programmgruppe trifft auch künftig die Auswahl mit sehenswerten Filmen, Dokumentationen, Beiträgen aus Lateinamerika. „Ich bin ja nicht der Leiter dieses Kinos“, sagt Vogt, der aber natürlich eigene Akzente setzen will, etwa mit regionalen Kinoschwerpunkten.

Die hauptamtliche 55-Prozent-Stelle sei „ein weiterer Schritt der Konsolidierung, Professionalisierung und Absicherung“ des Erfolgsprojekts, in dem schon rund 830 Genossen mehr als 1000 Anteile halten. Den Ausschlag zur Einrichtung der Stelle gab nicht nur, dass der Gemeinderat einen jährlichen Betriebskostenzuschuss über 18 000 Euro für das Kamino genehmigt hat. In einem Vergleich mit der Filmförderungsanstalt in Berlin bekam das Kino rückwirkend eine Baukostenförderung über rund 63 000 Euro genehmigt. Und der städtische Zuschuss ermöglicht eine 50-prozentige Komplementärfinanzierung der Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg. Zudem steigen die Besucherzahlen weiter. Im ersten Quartal 2017 sind mehr als 8000 Zuschauer ins Kamino geströmt, 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

„Mit dem Erfolg kommen neue Aufgaben“, sagt Vogt. Er entwickelt Kooperationen mit Vereinen und Institutionen. Das Kamino zeigt etwa fremdsprachige Filme mit der Volkshochschule und regionale Beiträge wie zuletzt das Genkinger Kinomärchen auf den Spuren Werner Herzogs (wir berichteten). Das hat zusätzliche Zuschauer angelockt – noch immer gibt es Reutlinger, die zum ersten Mal einen Film im Kamino anschauen.

Vogt bleibt im fünfköpfigen Vorstand. Als Geschäftsführer ist er für den Kontakt zu den Filmverleihern und für die Vernetzung in Bund und Land zuständig. Er organisiert die regionale Zusammenarbeit, lobt auch die gute Kooperation mit den Tübinger und Rottenburger Programmkinos. Keine Rede davon, dass man sich gegenseitig Zuschauer wegnehme – das Kamino sei vielmehr eine Bereicherung der Filmregion. Es zeige auch viele Filme aus dem Tübinger Arsenal-Filmverleih.

Demnächst wieder Lindenhof-Autor

Andreas Vogt lebt seit 2010 in Reutlingen. Der 46-Jährige ist in Ellwangen geboren und in Rottweil aufgewachsen. Er studierte in Tübingen Empirische Kulturwissenschaft und Kunstgeschichte. Anschließend war er unter anderem Regieassistent und Autor für das Melchinger Lindenhof-Theater. Kulturamtsleiter Werner Ströbele holte ihn 2007 nach Reutlingen. Im Kulturamt organisierte Vogt die Heimattage 2009 und die Veranstaltungen zum 200. Geburtstag von Hermann Kurz 2013. Zuvor war er seit 2010 in der städtischen Projektgruppe am Bau der Stadthalle beteiligt. Danach hat er, wieder im Kulturamt, als Nachfolger von Wolfgang Rätz die Theateroffensive organisiert und sich um die Kunst im öffentlichen Raum gekümmert. Demnächst schreibt Vogt für den Lindenhof ein Theaterstück mit regionalen Bezügen – sein zweites berufliches Standbein.

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18.04.2017, 01:00 Uhr

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