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Armin Grasmuck über Montagsspiele in der Fußball-Bundesliga

Kein Kick für die Fans

Die Liebhaber des hochklassigen Fußballs haben in diesen Tagen schwer zu schlucken.

12.03.2018
  • Armin Grasmuck

Sie müssen verdauen, dass der vermeintliche Wettbewerb um die Deutsche Meisterschaft so spannend wie die Wahl des chinesischen Präsidenten verläuft. Sie müssen sich mit dem Videobeweis plagen, dieser neuen Messtechnik, die den Fußball angeblich gerechter macht, ihm jedoch weit mehr von seinem Reiz zu nehmen scheint. Und sie müssen registrieren, dass die mehr oder weniger professionellen Spieler heutzutage bis zu 250 Millionen Euro wert sind. Das Ärgernis, das nahezu jeden Anhänger auf die Palme bringt, sind die Partien der Bundesliga, die neuerdings – wie heute das Heimspiel von Werder Bremen gegen den 1. FC Köln – am Montagabend angesetzt und ausgetragen werden.

Fußball am Montag, das klingt wie Kino am Montag, wie Disco am Montag, wie Party am Montag. Fußball am Montag bringt nur selten Spaß. Selbst die Fans der Zweitligisten, die bereits seit einigen Jahren ihr „Spiel der Woche“ ausgerechnet am ersten Tag der Woche zu verfolgen haben, bestätigen unisono, dass die als Top-Duell titulierten Aufeinandertreffen am Montag deplatziert sind. Sie kicken keinen Spieler und schon gar keinen Anhänger. Nicht vor dem Radio und nicht vor dem Fernseher, nicht im Stadion und nicht am Live-Ticker.

Es liegt in der Natur dieser Sportart und vieler anderer Disziplinen, dass die Wettkämpfe am Wochenende ausgetragen werden. Die Tage, an denen die Arbeit ruht, gehören dem Spiel in allen Formen. Fußball in der Bundesliga, das hieß über Jahrzehnte: Samstag, 15.30 Uhr. 18 Mannschaften, neun Partien. Immer am Samstag um 15.30 Uhr. Das Spiel am Freitag, das erst gelegentlich und irgendwann konstant vorgezogen wurde, lebt bis heute von besonderem Reiz. Anstoß am Abend, Nachthimmel, Flutlicht – und am Samstag lange ausschlafen.

Gleiches gilt für die Spiele am Mittwoch, die aus einer normalen im Fachjargon die „englische“ Woche machen. DFB-Pokal, Europacup, auch Bundesliga. Lange Zeit ging es in diesen Duellen um alles. Sieg oder Niederlage. Verlängerung, Elfmeterschießen. Ausscheiden oder Weiterkommen. Oft waren es Schlachten von unvergesslich kernigem Charme, mit langen Stollen an den Schuhen, leidenschaftlichen Grätschen und spektakulären Torschüssen.

Traditionalisten empfinden es als schweren Kulturbruch, dass Partien in der Champions League und der Europa League mittlerweile auch dienstags und donnerstags ausgetragen werden. Ihre Gedanken sind schlüssig: zu viele Spiele, zu wenig Qualität, zu selten Nervenkitzel. Masse statt Klasse. Spät der Schlusspfiff, Stau am Stadion, spät ins Bett – und am Morgen früh aufstehen.

Die Montagsspiele sind in der Konsequenz einfach das, was kein Anhänger braucht. Sie sind überflüssig, weil es kein griffiges Argument gibt, das für sie spricht. Selbst den Vermarktern, die in dem Milliardengeschäft Fußball zu oft das letzte Wort haben, fehlt in diesem Fall die Fantasie. Der schnöde Anstoß zu Beginn der Woche gibt auch ihnen keinen Kick.

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12.03.2018, 06:00 Uhr

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