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„Können auch mal ungemütlich werden“
Das Mittwochs-Interview

„Können auch mal ungemütlich werden“

Martin Gabriel ist Trainer bei den B-Junioren des FC Horb und hat aktuell mit akuten Abstiegssorgen zu kämpfen. Doch obwohl ihm und seinem jungen Team nicht nur sportlich das Wasser bis zum Halse steht, bereitet der Fußball allen Beteiligten weiterhin Freude.

28.03.2018
  • Milos Kuhn

SÜDWEST PRESSE: Wie kamen Sie darauf, Trainer zu werden?

Martin Gabriel: Wie bei vielen anderen Kollegen kam ich über meinen ältesten Sohn Youri, den ich ja mittlerweile auch trainiere, darauf. In der D-Jugend habe ich dann als Betreuer mitgemacht und ab der C-Jugend als Haupttrainer angefangen.

Woran liegt die aktuelle sportliche Misere?

Einer der Hauptgründe ist, dass wir natürlich keinen ausgeglichenen 20-Mann-Kader zur Verfügung haben. Das liegt vor allem daran, dass sich viele Stammkräfte altersbedingt in die höhere Jugend verabschiedet haben. Natürlich haben wir uns um Zugänge bemüht, aber die richtig guten Spieler gehen eben eher zu Rottenburg, Ergenzingen oder Balingen, da sie dort die Sicherheit haben, auch weiterhin in der Verbandsstaffel spielen zu können. Auch sind es einfach die schwierigen Umstände: Der organisatorische Aufwand, den wir als Trainer betreiben müssen, für den bei anderen Vereinen gesonderte Personen zuständig sind. Mein Kollege Jürgen Renz und ich sind als Ehrenamtliche immerhin 20 Stunden in der Woche mit Fußball beschäftigt. Zumindest haben wir immer die positive Resonanz und den Respekt der Kollegen, dass wir das hinnehmen, aber natürlich wir wünschen uns alle, dass wir das ein oder andere Spiel noch besser hinbekommen.

Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Das funktioniert, da ich in der Dauernachtschicht arbeite, auch wenn das wiederum auf Kosten von Kraft und Schlaf geht. Man kommt da schon an seine Grenzen, das muss ich ganz ehrlich zugeben. Auch die Familie muss dann leider etwas zurückstecken. Ich muss eben viel investieren, da der organisatorische Aufwand gerade in der Verbandsstaffel mit den vielen langen Fahrten und den schweren Gegnern hoch ist.

Wussten Sie, was in der höheren Spielklasse kommen wird?

Ich denke, für die Spieler war es zwar erstmal eine riesige Freude, in der Verbandsstaffel spielen zu dürfen, aber so richtig einschätzen konnte es glaube ich keiner. Man hat auch in der Sommervorbereitung gemerkt, dass da eine gewisse Unsicherheit da war. Wir wurden in den ersten Spielen dann teilweise wirklich überrumpelt und waren das hohe Tempo einfach nicht gewohnt. In der Bezirksstaffel kann man in Ruhe ein Spiel aufbauen, das geht einfach nicht mehr, jetzt wird bei hohem Tempo jeder Fehler bestraft. Wir Trainer konnten das zwar realistischer einschätzen, aber natürlich gibt es auch Momente, wo man sich einen Tick mehr wünscht. Aber wir wollen jetzt weiter lernen und den Erfahrungswert umsetzen.

Wie motivieren Sie Ihre Spieler in einer solchen Situation?

Ich glaube, das ist eine unserer Stärken, dass wir sie immer motivieren können. Wir kennen die Mannschaft schon lange und können durch Kniffe und Tricks schon noch ein paar Prozentpunkte rausholen. Wir versuchen, immer ein neues Spannungsfeld aufzubauen, sodass die Spieler hochmotiviert das Spiel angehen – ich denke, das gelingt uns auch. Aber klar, es kommt mal vor, dass wir auch niedergeschlagen sind.

Kam dann auch mal einer der Spieler auf Sie zu und hat sich über die
aktuelle Lage beschwert?

Nein, das hatten wir noch nicht. Wir sind nicht davon ausgegangen, dass wir vorne mitspielen, aber das wir Letzter sind und so viele Gegentore bekommen, haben wir nicht erwartet. Klar passiert es dann schon mal, dass die Mannschaft frustriert ist und das verarbeiten muss. Das geht aber meistens recht schnell, da sie trotzdem sehr zuversichtlich ist. Es gibt niemanden, der denkt, dass wir sowieso verlieren. Und auch wenn es passiert, bricht keine Welt zusammen, wir können das mittlerweile realistisch einschätzen. Wir kennen sie gut und sind davon ausgegangen, dass sie, auch wenn es schwierig wird, die Lust am Fußball nicht verlieren. Sie ziehen die Saison auf jeden Fall durch und sind alle positiv dabei.

Hatten Sie selbst bereits Momente, in denen Sie einfach keine Lust
mehr hatten?

Solche Momente hatte ich noch nie. Natürlich sind wir Trainer nach einem Spiel, das nicht so gut lief, mal niedergeschlagen, auch im Hinblick auf das, was wir reingesteckt haben. Aber das muss man abhaken. Manchmal ist der Sonntag zwar gelaufen, aber man muss dann einfach den Schalter umlegen und sich um andere Sachen als den Fußball kümmern.

Wo liegen die schönen Seiten am Trainerjob?

Die sind ganz klar im Team, also sowohl im Trainerteam, als auch in der Mannschaft. Die Zeit, die man zusammen verbringt, ist fast immer eine Bereicherung, egal ob wir Training machen oder zusammen etwas unternehmen. Man darf nicht vergessen, wo wir vor vielen Jahren standen, da macht das schon eine gewisse Freude, wenn man sieht, wie sich das Team fußballerisch und menschlich entwickelt hat. Wir sind eine eingeschworene Mannschaft, deswegen können wir auch gut mit der Situation umgehen und haben trotzdem Spaß am Fußball - das ist einfach geil.

Apropos Trainerteam, wie läuft die Zusammenarbeit mit Jürgen Renz?

Eins-A. Man merkt einfach, dass wir das schon lange Zeit zusammen machen, vieles läuft blind. Unsere Aufgaben sind verteilt, während und vor dem Spiel. In den seltensten Fällen haben wir da nicht den selben Gedankengang und sind auch taktisch nah beieinander. Das hat die letzten Jahre immer super funktioniert. Das ist ein weiterer Grund, warum es nach wie vor Spaß macht.

Was wollen Sie Ihren Spielern
unbedingt vermitteln?

Wir sind keine absoluten Erfolgstrainer, die ihn um jeden Preis Erfolge erzwingen wollen, machen das aber auch nicht nur zum reinen Zeitvertreib. Unser Ziel ist es, dass die Jungs gut drauf sind und mitziehen wollen. Sie sollen sich weiterentwickeln können und wollen, das erwarten wir auch. Deswegen arbeiten wir hauptsächlich daran, die Jungs vorwärts zu bringen und können dann natürlich auch mal ungemütlich werden. Trotzdem sollen sie Spaß am Spiel haben, gerade in dieser Altersklasse können wir nicht verlangen, dass sich alles nur um den Fußball dreht.

Wie geht es für Sie weiter?

Das ist eine ganz schwierige Frage. Diese vier Jahre waren super, das würde ich natürlich gerne mit Jürgen (Renz, d. Red.) weitermachen. Es gibt bisher zwar Anzeichen, aber noch nichts Definitives, was die Zukunft betrifft. Jetzt fokussieren wir uns erstmal auf die restliche Saison und stecken unsere ganze Kraft in die verbleibenden Spiele.

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28.03.2018, 01:00 Uhr

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