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Sulz · Corona

Mit Ausnahmezustand arrangiert

Die Sulzer halten die Verordnungen ein. Bei der Sozialstation steigt die Zahl der Pflegenachfragen. Die Stadt erhebt im April keine Gebühren für Kinderbetreuung. „Sulz bringt’s“ soll Betrieben durch die Krise helfen. „Sulz hilft“ ist wenig gefragt.

25.03.2020

Von Cristina Priotto

Sabine Küstermann ist eine der Teilnehmerinnen bei „Sulz bringt’s“, dem Lieferdienst in Corona-Zeiten.Archivbild

Die „Arbeitsgemeinschaft Infektionsschutz“ der Sulzer Stadtverwaltung tagt seit der Verschärfung der Corona-Pandemie einmal pro Woche. Bei einem Pressegespräch am gestrigen Mittwochabend informierten Bürgermeister Gerd Hieber, Hauptamtsleiter Hartmut Walter, Frank Börnard und Sibylle Kinzel von der Sozialstation über den aktuellen Stand.

Hieber betonte: „Die sehr harten Einschnitte, die in alle gesellschaftlichen Bereiche hineinwirken, sind notwendig, um die Corona-Krise so zu bewältigen, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet wird“. Den Sulzern stellte auch Norbert Burkhardt, Leiter des Polizeipostens, ein gutes Zeugnis in puncto Disziplin aus: Über alle Generationen hinweg halten die Bürger die Corona-Verordnung ein und verhalten sich verantwortungsbewusst.

Einen Lagebericht über die Anforderungen der Sozialstation Sulz gab Sibylle Kinzel. Derzeit versorgen die 85 Beschäftigten etwa 350 Klienten. „Alle Mitarbeiterinnen sind einsatzfähig“, berichtete die Pflegedienstleiterin erleichtert. Der städtische Eigenbetrieb verzeichnet derzeit allerdings sehr viele Neuanfragen, weil die Tagespflegestätten geschlossen bleiben müssen, ausländische 24-Stunden-Kräfte nicht mehr über die Grenzen kommen und die Krankenhäuser Patienten schneller nach Hause entlassen. „Die Versorgung der bestehenden Klienten ist sichergestellt“, betonte Kinzel. Sollte es zu Krankheitsausfällen kommen, müssten Einsätze priorisiert werden: Lebensnotwendige Pflege hätte dann Vorrang vor Nachbarschaftshilfe. Bezüglich Schutzkleidung halten sich die Angestellten an die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts und tragen alle Mund- und Nasenschutz. Noch gebe es davon genügend, Nachschub sei aber bereits bestellt, informierte Sibylle Kinzel. Selbstgenähte Masken wünscht die Sozialstation ausdrücklich nicht. Wer jedoch originalverpackte Einmalmasken hat, kann sich an Kinzel wenden (Telefon 07454/965027).

Hieber: „Einzelhandel stärken“

Bei der Kindernotbetreuung für Familien, in denen beide Elternteile in systemrelevanten Berufen arbeiten, konnte die Stadt die ursprünglich vorgesehene Zahl von vier Kindergärten zwischenzeitlich auf zwei herunterfahren (wir berichteten). Aktuell werden 14 Jungen und Mädchen betreut, davon acht auf Kastell und sechs in Renfrizhausen. Fünf weitere Kinder im Grundschulalter werden an der Lina-Hähnle-Realschule und an der Bergfelder Grundschule beaufsichtigt. Diese Zahl kann sich allerdings täglich ändern.

Eine gute Nachricht hatte der Sulzer Bürgermeister bezüglich der häufig nachgefragten April-Gebühren: „Wir werden die Gebühren für April zunächst aussetzen“, kündigte Hieber an. Dies gelte auch für die Notfallbetreuung, ergänzte Gerd Hieber auf Nachfrage. Der Gemeinderat muss dies nachträglich noch beschließen. Sollten die Kindergärten länger geschlossen bleiben, müsste die Aussetzung der Gebühren verlängert werden.

Sehr gut angenommen wird der Corona-Lieferdienst „Sulz bringt’s“, den die Stadt gemeinsam mit dem Handels- und Gewerbeverein initiiert hat (wir berichteten): 30 Einzelhändler aus dem Raum Sulz, Vöhringen und Dornhan beteiligen sich bereits.

„Wir wollen damit den Einzelhandel stärken und zeigen, dass die Betriebe sich flexibel neuen Herausforderungen stellen“, unterstrich der Bürgermeister – und erhofft sich bei den Bürgern langfristig ein stärkeres Bewusstsein für das Einkaufen vor Ort. Frank Börnard fügte hinzu, dass Sulz durch die Veröffentlichung von Telefonnumern und E-Mail-Adressen der Händler auf die direkte Kommunikation mit Kunden setze. Das Sulzer Vorgehen wird bereits als modellhaft etwa von der IHK gelobt und weiterempfohlen. Leuchtend gelbe Plakate weisen zudem auf geöffnete Läden hin.

Bei der Nachbarschaftshilfe „Sulz hilft“ für Risikogruppen und Hilfsbedürftige haben sich sehr viele Hilfsbereite gemeldet, die die Stadt an die DRK-Bereitschaft Sulz vermittelt. Die Nachfrage ist bislang aber gering. Taxi Fink/ Atas bietet dazu dienstags und donnerstags Versorgungsfahrten für Hilfsbedürftige an.

Das Rathaus und der Bauhof arbeiten mit A- und B-Teams im Schichtbetrieb und haben viel ins Home-Office verlagert, um die Einsatzfähigkeit auch bei Kranheitsfällen aufrechtzuerhalten. Alle Mitarbeiter und die Ortsverwaltungen sind erreichbar. Die Hausmeister bringen Schulen und Hallen auf Vordermann, die Erzieherinnen misten die Kindergärten aus. „Wir haben alle mehr als genug zu tun“, betonte Hieber.

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Erstellt:
25. März 2020, 21:00 Uhr
Aktualisiert:
25. März 2020, 21:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. März 2020, 21:00 Uhr

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