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Mit dem Winter kommt
das Ungras auf die Felder
Ungebetener Gast auf den Feldern: Der Ackerfuchsschwanz. Bild: Sager

Mit dem Winter kommt das Ungras auf die Felder

Landwirtschaft Bei der Felderbegehung in Entringen sticht einem der Ackerfuchsschwanz nicht ins Auge. Aber die Aussicht auf seine Bekämpfung.

08.10.2016
  • Lisa Sager

Treffpunkt an diesem etwas kühleren Donnerstagmorgen ist die Feuerwache in Entringen. Dort sammeln sich rund 20 Interessierte und ziehen los in Richtung Felder, wo die Wintergerste demnächst wachsen soll. Danach geht es weiter in festem Schuhwerk, aufs Winterweizenfeld in Oberndorf. „Er kommt wie gesät“, berichtet ein Landwirt mit sorgenvollem Blick. Er meint: den Ackerfuchsschwanz.

Dieses Ungras bringt die Landwirte in die Klemme. Es wuchert unberechenbar oft auf dem Feld. Das Ungras ist wie das Unkraut ein Schädling. Seine Form ähnelt dem der Gerste und des Weizens. Es wächst jedoch im Gegensatz zum Unkraut höher hinauf.

Laut Prof. Roland Gerhards von der Universität Hohenheim werden die Resistenzen der Ungräser zunehmend eine Bedrohung. Die Ungräser lassen sich von den Pflanzenvernichtungsmitteln nicht mehr beeindrucken. Der Windhalm (auch ein Ungras) wächst ebenfalls mit auf den Feldern. Hinzu kommt diesen Herbst: Es ist zu trocken.

Der Landwirt bearbeitet nach der Ernte das Feld, etwa mit der so genannten Zwischenfrucht. Der Schädling kann hierbei an der Oberfläche aufkeimen und dort direkt bekämpft werden. Die Zwischenfrucht wird nach der Ernte eingesät und soll dem Boden eine Verschnaufpause verschaffen. Dann wachsen Pflanzen, wie beispielsweise Sonnenblumen oder Dill, zusammen mit dem Unkraut und Ungras. Entfernt wird schließlich alles  – und das Korn hat Platz zum Wachsen. Entscheidend ist, wie häufig und wo besonders der Ackerfuchsschwanz auftritt. Denn: Der Ackerfuchsschwanz lässt den Ertrag schon mal um 20 Prozent schwinden.

Damit beschäftigt sich auch Miriam Messelhäuservon der Uni Hohenheim in ihrer Masterarbeit. Sie führt zusammen mit Katharina Weiß vom Landratsamt Tübingen über die Felder.

Ratsam sei, so Weiß, die individuelle Betrachtung der Felder im Hinblick auf die jeweilige Beschaffenheit des Bodens. Nach Untersuchungen keimt unter dem Stroh das Ungras besser auf, birgt es auch die Gefahr von Pilzen. Das Problem der Schädlinge kann durch Herbizide vermindert werden. Diese mechanische Bekämpfung steht im Gegensatz zur Handarbeit. Denn die Bekämpfung mit Herbiziden macht das Unkraut nach und nach resistent gegen die Spritzmittel. Die Folge: Irgendwann richten die Herbizide gegen das Unkraut nichts mehr aus. Die Bearbeitung des Bodens von Hand bedeute höhere Produktionskosten. Ständige Bodenbearbeitung benötigt mehr Arbeitskräfte und Produktionsmittel. Zu den jeweiligen Bearbeitungsvarianten tendieren die Betroffenen unterschiedlich stark. Die flache Bodenbearbeitung ist optimal geeignet, um den Samen zum Keimen zu bringen und nicht wieder zu vergraben. Dazu rät Prof. Gerhards. Denn die Samen, die unter der Erde schlummern, müssen nach oben befördert und entfernt werden, damit der Vorrat an Ungras möglichst reduziert werden kann. Dabei helfen in den Zwischenfruchtfeldern auch die kleinsten Lebewesen mit. So wie die Mäuse fressen sie die Keimlinge und tragen so ganz natürlich zur Schädlingsreduzierung bei.

Direkt nach der Ernte den Boden zu bearbeiten, füllt den Vorrat an Keimen auf. So wie bei der Stoppelbearbeitung. Dabei wird der Boden zeitnah gelockert und das Aufkeimen gefördert. Was aufkeimt, kann dann bekämpft werden.

Messelhäuser möchte dazu beitragen, die Felder möglichst frei von Ungras zu bekommen. Ihr liegt vor allem der Pflanzenschutz am Herzen. Für Weiß kommt kaum nur eine Lösung in Frage. Sie hat beobachtet: „Zwischenfrüchte sind im ganzen Kreis schwierig.“ Zudem können die Landwirte das Wetter nicht vorhersehen. Dann helfe nur Abwarten. Wenn die Felder so übersät von Ungras sind, „bleibt immer noch das Grünland“, scherzt ein Landwirt. Doch wenn der Klee aufs Feld anrücken muss, sei es für mehrere Jahre zu spät für das Einsäen.

In diesem Jahr funktioniert fast nichts als Allheilmittel für die Felder. Dessen sind sich am Ende alle bewusst. Jeder hat seine Vorlieben und allesamt möchten sie den ungebetenen Gast Ackerfuchsschwanz in die Freiheit entlassen.

Eine Untersuchung des Bodens kann in jedem Fall auch Aufschluss über den Befall geben. Die Keimzahl wird dabei erfasst und zeigt, wo wie viele Schädlingskeime vorkommen. Die Felder so zu belassen, ist eine weitere Art, die Felder vom Ungras zu befreien. In jedem Fall muss noch weiter geforscht werden. Dafür benötigt es auch in Zukunft das Zusammenspiel von Forschung und Erfahrung.

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08.10.2016, 01:00 Uhr

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