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Mittwochs-Interview: Leichtathletik-Trainer Jörg Müller blickt auf den 20. Dornstetter Adventslauf
Timo Benitz ist sein Favorit

Mittwochs-Interview: Leichtathletik-Trainer Jörg Müller blickt auf den 20. Dornstetter Adventslauf

Einmal im Jahr kurz vor Weihnachten wird Dornstetten zum Läufer-Mekka im Nordschwarzwald: Am Sonntag ist es wieder soweit – beim Adventslauf wetzen die Leichtathleten durch die Altstadtgassen. Die SÜDWEST PRESSE sprach mit Trainer Jörg Müller über eine Premiere beim Adventslauf und die vielversprechenden Neuzugänge der LG Farbtex Nordschwarzwald aus Wattenscheid.

16.12.2015

SÜDWEST PRESSE: Herr Müller, warum sollte ein Zuschauer am Sonntag bei Eiseskälte nach Dornstetten kommen?

Jörg Müller: Es wird gar nicht kalt. Der Wetterbericht sagt, sieben bis 14 Grad voraus. Das ist für den Adventslauf fast zu warm. Ich gehe davon aus, dass der Glühwein sich am Sonntag schlecht verkauft.

Wegen des Glühweins kommen die Leute also nicht. Warum dann?

Weil sie bei der größten Laufveranstaltung im Nordschwarzwald hochattraktiven Sport mit vielen Spitzenathleten sehen können. Man kann sagen, dass der Adventslauf einer der bestbesetzten Läufe dieser Art in Deutschland ist. Viele nehmen das als letzten Formtest vor den großen Silvesterläufen. Die ganz großen Stars fehlen allerdings auch dieses Jahr wieder. Dazu müssten wir richtig Geld in die Hand nehmen – aber das wollen wir nicht.

Der Adventslauf feiert 20. Geburtstag. Was gibt’s Neues zum Jubiläum?

Wir haben dieses Jahr neben den Bambini- und Schülerläufen erstmals zwei Hauptläufe – einen schnellen sogenannten „Lauf der Asse“ für Läufer, die unter 25 Minuten für die 6600 Meter brauchen, und einen langsameren Volkslauf. Wobei freie Wahl herrscht.

Warum erstmals zwei Läufe?

Man muss zugeben, wir hatten vergangenes Jahr Probleme, weil die Vorderen zu schnell waren und die Hinteren zu langsam. Und weil die Altstadt relativ eng ist, gab es ein paar Schwierigkeiten beim Ausweichen. Die Schnellsten rennen mit etwa 20 Stundenkilometer. Und wenn dann eine 60-jährige Läuferin versucht auszuweichen und das klappt nicht, dann kann das so enden, dass es nicht ganz schmerzfrei ist. Deshalb versuchen wir das mal. Alledings haben wir eine Ergebnisliste, damit bei der Teamwertung Läufer beider Rennen mitmachen können.

Wer sind denn die Favoriten?

Von der LG Nordschwarzwald sind beispielsweise Timo Benitz und Julian Greibich dabei und Lorenz Baum von der LAV Tübingen. Und ansonsten müssen wir mal gucken, wer noch kommt.

Und wer gewinnt?

Ich denke, Timo Benitz.

Und bei den Frauen?

Bei den Frauen ist es schwieriger zu sagen. Elena Burkhard kommt leider erst am Abend mit dem Flieger aus den USA. Ich denke, dass Lisa Ziegler vom TV Bühl gewinnt, die 2014 Zweite bei den Deutschen Meisterschaften der U23 über 3000 Meter Hindernis geworden ist. Sie ist ja auch zum Studium in den USA und hat zugesagt für Sonntag.

Wie sieht’s denn bei Timo Benitz mit den Olympia-Hoffnungen für kommendes Jahr in Rio aus?

Gut. Wir gehen davon aus, dass er’s schafft. Aber es gehört natürlich immer ein bisschen Glück dazu, dass keine Verletzungen und Krankheiten dazwischenkommen. Die Norm über die 1500 Meter liegt bei 3:36 Minuten. Das ist im Bereich des Möglichen.

Wie geht’s dem Vorjahres-Sieger Benedikt Karus?

Er steckt voll in seinem Medizin-Studium drin und muss nebenher auch noch Rettungsdienst fahren, um Geld zu verdienen. Ich glaube nicht, dass er momentan viel läuft. Aber ich denke, dass er am Sonntag vorbeikommt. Vielleicht läuft er sogar mit – falls er nicht schaffen muss.

Wie fällt Ihr Fazit der Sommersaison aus?

Die Sommersaison war deshalb nicht erfolgreich, weil wir keinen deutschen Meistertitel geholt haben. Aber wir hatten Verletzungspech mit Timo Benitz, der eine Oberschenkel-Verletzung hatte, oder Marco Kern mit seinem Ermüdungsbruch in der Wirbelsäule. Da sind wir nicht so gut aufgestellt, dass wir das so ohne Weiteres kompensieren können.

Wie sieht’s für die neue Saison aus?

Wir bekommen mit Christoph Lohse und Martine Nobili Verstärkungen von der SG Wattenscheid 09, die uns wirklich weiterbringen. Da gibt es momentan noch etwas Ärger, weil sie die in Wattenscheid nicht gehen lassen wollen. Denn das ist für die natürlich eine mächtige Schwächung. Zudem kommt mit Henri Hansert noch ein vielversprechender Junior aus Offenburg. Wir sind gut aufgestellt. Aber das waren wir vergangenes Jahr auch. Und dann hatten wir plötzlich die vielen Verletzten.

Und die kommen alle, weil Ihr Namenssponsor Farbtex so fürstlich bezahlt?

(Lacht) Wenn bei uns in Dornstetten so viel Geld fließen würde, dann wären unsere Fußballer nicht im Bezirksliga-Tabellenkeller. Die Leute kommen wegen des guten Mannschafts-Umfelds hierher. Häufig sind es auch Leute, die Probleme mit ihrem alten Verein haben und vor der Entscheidung stehen, höre ich ganz auf oder probiere ich es noch mal woanders. Die Athleten müssen bei uns nicht hungern und bekommen zumindest ihre Kosten wieder rein für die Trainingslager und Wettkämpfe. Mehr aber auch nicht. Reich wird bei uns keiner.

Wie oft sehen sie die LG-Athleten eigentlich überhaupt?

Das ist ganz unterschiedlich. Ich bin ja nicht Christoph Lohses Trainer, um ein Beispiel zu nennen. Er macht das selbst. Ihn sehe ich außerhalb der Wettkampfsaison vielleicht fünf Mal pro Jahr. Aber ich trainiere fünf Tage pro Woche jeden Abend Athleten alles Altersklassen.

Wie sieht es mit der Sponsoren-Unterstützung aus?

Der Vertrag mit Farbtex läuft noch zwei Jahre bis Ende 2017. Und auch mit den anderen größeren Sponsoren gibt es langjährige Vereinbarungen. Zum neuen Jahr kommt noch eine Bekleidungsfirma dazu. Da laufen gerade noch die Verhandlungen. Wir sind gut aufgestellt.

Interview: Vincent Meissner

Info Die Schülerläufe beim Adventslauf in Dornstetten beginnen kommenden Sonntag um 12.30 Uhr. Der Startschuss zum schnellen Hauptlauf ist um 14.40 Uhr, der zum langsamen Hauptlauf (beide 6600 Meter) um 15.20 Uhr. Anmeldung bis zum morgigen Donnerstag an: Jörg Müller, Brunnenstraße 13, 72280 Dornstetten-Aach oder telefonisch unter 07443/ 4638. Oder online auf der Seite des TV Dornstetten.

Zur Person

Jörg – genannt Jack – Müller (55) ist Trainer und Verantwortlicher für die Sportler bei der Leichtathletik-Gemeinschaft Farbtex Nordschwarzwald, die sich aus den vier Vereinen TSV Wildbad, TV Dornstetten, dem Skiclub Loßburg und der SG Schramberg zusammensetzt. Der gebürtige Darmstädter kam im Alter von einen halben Jahr nach Dornstetten und lebt seither dort. Als Aktiver war Müller über 800 Meter und 1500 Meter unterwegs und ein paar Mal auch bei Deutschen Meisterschaften dabei: „Wenn’s mal ins Halbfinale gereicht hat, war’s gut“, sagt er rückblickend. Müller, der bei der Polizei in Herrenberg arbeitet, ist zudem Cross- und Marathon-Bundestrainer der Polizei.

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16.12.2015, 01:00 Uhr

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