„Tatort“

Mord an einem Lebemann in Uniform

Das Dortmunder Ermittlerquartett um Jörg Hartmann als Kommissar Faber muss im neuen „Tatort“ den rätselhaften Tod eines Kollegen aufklären.

26.11.2021

Von Martin Weber

Faber (Jörg Hartmann) und Bönisch (Anna Schudt) ermitteln inkognito. Foto: Thomas Kost/ WDR/Zeitsprung pictures/dpa

Unter der Pappmaske fühlt sich Faber sichtlich unwohl, das blöde Ding juckt und kratzt den Kommissar. Doch der impulsive Ermittler muss das alberne Rollenspiel beim Kurs des selbsternannten Flirt-Spezialisten Johannes Oberländer brav mitmachen, denn der hauptberufliche Zahnarzt und nebenberufliche Experte in der Kunst des Aufreißens gehört zu den Tatverdächtigen in dem neuen Fall, an dem Peter Faber (Jörg Hartmann) arbeitet.

Zum Glück sitzt auch Fabers Kollegin Martina Bönisch (Anna Schudt) als einzige Frau im schummrigen Seminarsaal – die selbstbewusste Kommissarin zeigt dem arroganten Dr. Oberländer schon bald seine Grenzen auf. Die Episode mit dem Flirt-Seminar ist der lustige Höhepunkt in einem ansonsten ziemlich tragischen „Tatort“ aus Dortmund, der sich als klassischer und handwerklich gut gemachter Whodunit-Krimi über den rätselhaften Mord an einem Streifenbeamten erweist.

Die konventionelle Herangehensweise ist nach den vielen mal mehr, mal weniger geglückten „Tatort“-Experimenten in jüngerer Zeit fast schon etwas Besonderes. Regisseurin Ayse Polat hantiert in „Tatort: Masken“ (Sonntag, 20.15 Uhr, ARD) sehr souverän mit einem vergleichsweise großen Figuren-Ensemble, verliert dabei nie den Überblick und verblüfft mit einem wirklich überraschenden Ende.

Natürlich beginnt auch dieser „Tatort“ mit einem Mord: Beim Joggen wird der Polizist Nicolas Schlüter von einem Auto gezielt überfahren. Wie Faber und Bönisch ermitteln, hatte der 28-Jährige zahlreiche Affären mit verheirateten Frauen und besuchte eigens ein Seminar beim Flirt-Experten Oberländer, um ein noch besserer Aufreißer zu werden.

Da Schlüter seine sexuellen Aktivitäten auch noch heimlich gefilmt hat, haben die Kommissare nicht nur jede Menge schlüpfriges Anschauungsmaterial, sondern auf einen Schlag auch viele Spuren, schließlich könnte hinter jedem Schäferstündchen ein Mordmotiv aus Eifersucht stecken.

Dazu kommt, dass der Lebemann in Uniform mit der schwangeren Simone Schlüter (Kyra Sophia Kehre) verheiratet war, ein Verhältnis mit seiner Kollegin Jessica Steinmann (Michelle Barthel) hatte und seinem treuherzigen Kollegen Paul Lohse (Jonas Friedrich Leonhardi) nicht nur einst die Freundin, sondern vor kurzem auch eine Beförderung weggeschnappt hat – der ermordete Beamte war ein wahrhaft liebenswertes Kerlchen.

Martina Bönisch und Peter Faber, der sich in diesem von unterschwelliger Spannung dominierten „Tatort“ mal ungewohnt weich und menschlich zeigt, merken schon bald, dass auf diesem Revier etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist und werfen bei den Ermittlungen ihre ganze Berufserfahrung in die Waagschale.

Zum Artikel

Erstellt:
26. November 2021, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
26. November 2021, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 26. November 2021, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Aus diesem Ressort