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„Musiktheorie ist das Fundament“
Stets zu großer Pose fähig: der weissrussische Gitarrenvirtuose Victor Smolski. Pressebild
Heavy-Metal-Gitarrist Victor Smolski im TAGBLATT-Gespräch

„Musiktheorie ist das Fundament“

Heavy Metal Gitarrist Victor Smolski spielt am Samstag mit seiner Band Almanac als Headliner beim „Ranch-Festival“, das bereits heute im „WOM“ beginnt.

21.10.2016
  • Michael Sturm

Unter Heavy-Metal-Gitarristen gibt es wenige, die Victor Smolski das Wasser reichen können. Und auch als Autorennfahrer hat er Erfolg. Im August erlebte ihn der TAGBLATT-Autor zudem am Hockenheimring als Fan des Kusterdinger Drag-Rennfahrers Ingo Ekert. Am Samstag ist Smolski mit seiner neuen Band Almanac Headliner beim zweitägigen „The-Ranch“-Festival im Hechinger WOM, wo dem Heavy Metal gehuldigt wird. Dem TAGBLATT gab Smolski vorab ein Interview.

Victor, wo erwische ich Dich gerade?

Ich bin kurz nach Hause gefahren. Ich komme gerade von einer Solo-Tournee mit Begleitband in Weißrussland zurück: Instrumentalmusik – klassische Werke mit Rock fusioniert. Das macht Spaß!

Du bist in Weißrussland geboren und aufgewachsen. War die Reise auch ein Mittel, Deine Familie zu besuchen?

Auf jeden Fall! Ich habe Workshops gegeben und die Besuche damit verbunden.

Stecken viele EinflüsseDeines Vater in Deiner Musik?

Ziemlich viele. Mein Vater war Komponist, einer der größten der weißrussischen Geschichte. Er arbeitete auch als Professor. Ich selbst war schon als Kleinkind mit Musik beschäftigt, habe Cello und Klavier gespielt. Er nahm mich oft mit und hat mir die richtige Balance mitgegeben. Es gab nicht viel Druck, er hat es spannend gemacht – ich habe gern geübt! Und ich habe die Orchesterleute genervt ... (lacht)

Genervt? Womit?

Ich war neugierig. Ich bin herumgekrabbelt, habe geblättert, Instrumente verstimmt ... (lacht) Ich hab’ mich da zuhause gefühlt. Irgendwann habe ich die Gitarre entdeckt.

Wie?

Über ein Jazz-Kolleg. Aber dann hat mich doch Rock mehr infiziert – da ist einfach mehr Energie da. Irgendwann hab’ ich das mit der klassischen Musiktheorie verbunden:
Die ist als Fundament sehr gut. Vor allem bei harten Stücken hat sie
mir sehr geholfen.

Inwiefern?

Vom melodischen Aspekt her sind Modulationen und Akkord-Wechsel sehr interessant. Vom rhythmischen Apekt her ist es wichtig, dass man weiß, was man macht – etwa wenn der Schlagzeuger Sechzehntel spielt. Manche wissen nicht, warum das, was sie spielen, nicht gut klingt.

Was genau hat Dich zur Rockmusik
gebracht?

Mein älterer Bruder hat mit eine Led-Zeppelin-Platte geschenkt – „Physical Graffiti“. Mit der hat alles angefangen. Ich habe Verschiedenes gehört: von Frank Zappas Experimentalmusik bis Judas Priest. Ich war kein konservativer Metaller. Über den Rock hinaus habe ich andere Gitarristen gecheckt: George Benson, Wes Montgomery.

Mit deiner früheren Band Rage warst Du weit über Deutschland hinaus mit harten Klängen sehr erfolgreich.

Ich habe bei Rage einen bestimmten Stempel bekommen. Es waren eine Menge harte, schnelle Stücke dabei, aber auch viel Melodisches. Das überrascht manche. Mit Almanac habe ich einen anderen Klang, andere Ideen. Mit dem Lingua Mortis Orchester habe ich so was ähnliches schon gemacht.

Tun sich eingefleischte Fans grundsätzlich mit Stilwechseln schwer?

Ich habe mal mit Gary Moore darüber gesprochen. Viele Rocker waren angepisst, als er begann Blues zu spielen. Er hat viele Fans verloren. Das hat ihn überrascht.

Deine Autobiografie kam so ziemlich zum Ende Deiner Zeit mit Rage heraus. Zufall?

Viele Leute, über Rage hinaus, haben meine Karriere verfolgt. Der Zeitpunkt der Anfrage fiel zufällig damit zusammen Ich bin nie den klassischen Business-Weg gegangen. Ich sehe viele Dinge anders und verfolge meine Ziele absolut kompromisslos. In erster Linie geht es um die Kunst – das ist der harte Weg. Aber genau das macht mich glücklich. Viele meiner Kumpels haben Kompromisse gemacht – des Geldes wegen. Sie haben Erfolg, sind aber unglücklich.

Die Melodie, die erklingt, wenn Deine Homepage aufgeht, dürfte manchem bekannt vorkommen ...

Das ist „Straight to hell“, aus dem Film „Der Schuh des Manitu“, mein wohl berühmtestes Riff. „Bully“ Herbig ist es wohl über Stefan Raab empfohlen worden – ein großer Fan.

Metal-Gitarristen müssen posen können. Welche ist Deine Lieblings-Pose?

Ich hab’ eigentlich keine. Alle Posen haben etwas mit dem Spielen zu tun. Wenn ich ein Bein auf den Monitor stelle, komme ich bei schwierigen Solos einfacher an die hohen Töne auf dem Gitarrenhals.

Deine andere große Leidenschaft neben der harten Musik ist ganz offentsichtlich der Motorsport. Was fasziniert Dich denn daran?

Das ist eine der coolsten Sportarten! Jeder Rennfahrer muss Charakter zeigen, gleichzeitig ist es Teamarbeit – da ist es ähnlich wie bei der Musik. Man geht ans Limit, aber es ist kein Adrenalinkick der mit dem beim Bungeejumping vergleichbar wäre. Autofahren ist für mich wie Gitarre spielen, immer kontrollierbar. Man entwickelt bestimmte Reflexe. Man muss schnell denken, improvisieren. Bei einer Blues-Session kennt man die drei Akkorde, aber man weiß nicht, wo man drei Takte später landet. Der Kern aller Rennserien ist gleich, manche, etwa Bergrennen sind nur extrem komprimiert.

Ist es das, was Dich an Ingo Ekerts Sport, dem Drag-Racing, fasziniert?

Was Ingo macht, ist noch komprimierter. Die Viertelmeile ist sehr kurz. Was er da erlebt, erleben manche in 24 Stunden auf dem Nürburgring nicht. Das Rennfahren hält meinen Kopf fit, das ist Konzentrationstraining. Seitdem ich das mache, ist es für mich leichter, auf Tour zu gehen. Ein Rennwochenende ist für mich wie Urlaub!

Was weißt Du vom Ranch-Festival?

Dort habe ich noch nie gespielt. Ich lasse mich überraschen, was da passieren wird. Ich freue mich sehr, dass ich dort mit meiner neuen Band Almanac ein halbes Jahr nach dem Release unserer ersten Platte den Status Headliner bekommen habe. Das ist fantastisch! Anderseits ist unser Album als eines von Fünfen für den „Metal-Hammer“-Award für das beste Debüt-Album nominiert. Ich freue mich, die neuen Songs zu spielen!

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21.10.2016, 01:00 Uhr

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