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Eis Anlagensee

Der Tübinger Anlagensee ist zugefroren. Als Tauwetter einsetzte und nachdem ein Mädchen an einer kritischen Stelle ins Eis eingebrochen war, sperrte die Stadt die gefährlichere Seehälfte ab.

© Video: Schweizer 01:08 min

Unterkühlt in die Klinik

Nachdem eine Siebenjährige und ihr Vater einbrachen, sperrte die Stadt Teile des Anlagensees

„Das ist nicht gut. Das ist gar nicht gut.“ Äußerst besorgt inspizierte Rainer Kaltenmark vom Tübinger Ordnungsamt am Freitagnachmittag die Eisdecke auf dem Anlagensee in der Uhlandstraße. Nur noch 13 Zentimeter dick. Zu diesem Ergebnis kam Berthold Zug von den kommunalen Servicebetrieben, der am späten Nachmittag an mehreren Stellen mit der Kettensäge Löcher ins Eis schnitt.

27.01.2017
  • Hans-Jörg Schweizer

Gefahrforschungseingriff heiße das, erklärt der Leiter der städtischen Polizeibehörde. Grund für die städtischen Eisforschungen am Freitag war, dass am frühen Nachmittag am Westufer beim Einlauf des Mühlbachs eine Siebenjährige und deren 36-jähriger Vater im eiskalten Wasser gelandet waren. Laut Augenzeugen hatte das Mädchen auf der schmalen Eisschicht am Ufer gespielt. Am Rande der Stelle, wo die Enten noch schwimmen können, weil dort die Strömung und das etwas wärmere Wasser des einmündenden Mühlbachs auch bei Minusgraden eine mehrere Quadratmeter große Fläche eisfrei halten.

Unklar war am Freitag, ob die Siebenjährige ins Wasser rutschte und der Vater erst beim Versuch, seine Tochter zu retten, einbrach, oder ob beide gemeinsam durch das dort sehr dünne und am Rande bröckelnde Eis brachen. Passanten berichteten, sogar der Vater sei bis zum Hals im Wasser gewesen. Zwei Teenager hätten den Mann und seine Tochter mit Hilfe ihrer Schultaschen ans Ufer gezogen. Die alarmierten Rettungskräfte versorgten die Unterkühlten vor Ort und Notärztin Lisa Federle ließ beide zum Aufwärmen unter Beobachtung in Kliniken bringen.

Auch die Feuerwehr rückte zunächst in der Uhlandstraße an, wurde dann aber doch nicht mehr gebraucht. Zwei Polizisten hielten nach dem Rettungseinsatz am Ufer Wache, bis der Gefahrenbereich von der Stadt abgesperrt wurde. Bereits am Montagmittag war nahe des Mühlbacheinlaufs ein Fünftklässler vom benachbarten Gymnasium im Eis eingebrochen. „Der Mühlbach ist so warm, dass die problematische Eisfläche inzwischen dreimal so groß ist, wie noch am Dienstag“, bemerkte Kaltenmark am Freitag mit Sorge .

„Da sind dicke Risse im Eis. Wir müssen schon hier absperren.“ Immer noch ein Stück weiter dirigierte Kaltenmark zwei Stunden nach dem Unfall seine Leute mit dem rotweißen Absperrband übers Eis. Immer weiter in Richtung des vermeintlich sicheren Teils des Sees, wo gleichzeitig eine Partie Eishockey in vollem Gang war und kleine Kinder jauchzend über die stellenweise spiegelglatt polierte Fläche schlitterten. Kaltenmark hatte eigentlich gar kein gutes Gefühl dabei, mit der Absperrung zu signalisieren, dass es jenseits gefährlich, aber diesseits völlig sicher sei. Am voraussichtlich sonnigen Wochenende wird das Ordnungsamt das Eis weiterhin kontrollieren und den See gegebenenfalls komplett absperren.

Schon auf seinem Weg zum Anlagensee hatte Kaltenmark am Freitagmittag bei der Eberhardsbrücke einige Schlittschuhläufer vom Neckareis gescheucht. Sogar Eltern mit Kindern seien da unterwegs gewesen, berichtete er. „Schlechte Vorbilder“, denn auf dem Fluss ist es ungleich gefährlicher, sich aufs Eis zu wagen, als auf einem stehenden Gewässer. Wer auf dem Neckar einbricht, riskiert, von der Strömung unter die Eisdecke gezogen zu werden.

Laut Kaltenmark braucht es bei Fließgewässern eine durchgehend 15 Zentimeter dicke Eisschicht, um sich einigermaßen sicher darauf bewegen zu können. Seit der Neckar Anfang der Woche zumindest stellenweise zugefroren ist, sank aber unter dem Eis der Wasserspiegel ab. Das Eis schwimmt nun also nicht mehr auf der Wasseroberfläche und der entstandene Hohlraum erhöht die Bruchgefahr des ohnehin dünnen Eises.

Am Anlagensee warnt die Stadt zwar mit Schildern vor dem Betreten der Eisfläche. Trotzdem wurde niemand von zu Wochenbeginn stellenweise 30 Zentimeter dicken Eisschicht verjagt. Auch OB Boris Palmer hatte am Mittwoch verkündet: „Haltet euch vom Zufluss fern und genießt den sicheren Teil des Sees. Das geht auch ohne offizielle Erlaubnis vom Bürgermeisteramt.“

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27.01.2017, 19:27 Uhr

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