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Ofterdinger Asylsuchende halfen dem Revierförster im Wald
Beschäftigung für Flüchtlinge

Ofterdinger Asylsuchende halfen dem Revierförster im Wald

„Wir brauchen Beschäftigung“, klagten Flüchtlinge aus Ofterdingen. Die war schnell gefunden. An einem Nachmittag unterstützten sie Revierförster Reinhold Gerster dabei, Waldwege freizuschneiden.

26.11.2015
  • Michael Sturm

Ofterdingen. Die Langeweile, sagt Kleontin Ndreu, sei das Schlimmste: „Wir tun nichts anderes als essen und bleiben, wo wir sind.“ Der 27-Jährige gehört zu einer Gruppe von Flüchtlingen aus Albanien, die am 6. Oktober in Ofterdingen angekommen sind. Sie leben derzeit in der Turnhalle in der Mössinger Straße.

Die Gruppe wandte sich an ihre Betreuerin Ursula Probst vom Ofterdinger Asyl-Café. Die gelernte Hotelfachfrau Svela Maloku, mit dem besten Englisch der Gruppe ausgestattet, sagte ihr: „Wir brauchen Beschäftigung.“ Ursula Probst nahm Kontakt zu Reinhold Gerster, dem Ofterdinger Revierförster auf. Vergangene Woche nahm er zehn Asylsuchende mit in den Wald: „Es gehört sich, diejenigen, die da sind, zu beschäftigen. Da sollte es keine Diskussionen geben“, sagt Gerster: „Gute Leute muss man laufen lassen.“ Nach Einweisungen zu Werkzeug und Sicherheit bekommen die Hilfswilligen scharfe Profi-Handsägen und Astscheren in die Hand. Ndreu, gelernter Schreiner, übernimmt die Stangensäge samt Schutzhelm und machte sich an die Arbeit. Der 27-Jährige sagt: „Wir hatten andere Werkzeuge.“ Dennoch arbeitete er so rasch, als hätte er nie etwas anderes getan.

Gerster beauftragt die Gruppe damit, das Lichtraumprofil freizuschneiden, das heißt, Äste und Zweige entlang des Wegs so zu beschneiden, dass keiner mehr durchfahrende Maschinen der Waldarbeiter behindert. „Das kann man nur mit der Hand machen“, so der Förster. Die Frauen sind offenbar froh, einmal eine Pause vom Bespaßen der Kinder in der Turnhalle zu bekommen. Satbere Ago etwa, seit dem Tod ihres Mannes ist sie alleinerziehend. Ihr Sohn ist mit im Wald dabei, die Tochter kümmert sich um die anderen Kinder. Sie fühle sich wohl hier, weil ein Klima herrsche, das ihrer Heimat ziemlich ähnlich sei. Warum gerade Frauen mit Kindern aus Albanien fliehen, erklärt Svela Maluku an ihrem eigenen Beispiel: „In Albanien ist es so, dass eine Frau von ihrem Bruder beschützt wird. Ich habe keinen.“ In ihrem Heimatland habe sie nichts zurückgelassen. Ursprünglich hatte sie vor, zu ihrer Schwester zu reisen, die als Ärztin in Dänemark lebt. Dort seien die Einwanderungs-Gesetze jedoch schärfer als hierzulande.

Kleontin Ndreu begründet seinen Wunsch, in Deutschland bleiben zu wollen, mit der allgemeinen Unsicherheit in Albanien: Keine Arbeit, keine Versicherung, kein sicheres Leben. „Ich brauche nicht sehr viel – Eine Arbeitsstelle, ein ruhiges Leben mit meiner Familie“, sagt er. Er wolle jeden Job machen, der ihm angeboten wird. Vor drei Wochen wurde sein Sohn geboren. Ndreu gab seinen Stammhalter den Namen Nelson. Nach Mandela, den Ndreu als Freiheitshelden bewundert.

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26.11.2015, 01:15 Uhr

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