Reutlingen/Tübingen

Prozess wegen Brand mit drei Toten hat begonnen

Am Tübinger Landgericht wird seit 9 Uhr darüber verhandelt, ob eine 58-Jährige dauerhaft in der Psychiatrie bleiben muss: Sie soll im Januar in ihrem Reutlinger Fachpflegeheim für psychisch Kranke Feuer gelegt haben. Drei Menschen starben.

28.09.2023

Von Jonas Bleeser

Symbolbild: Ulrich Metz

Symbolbild: Ulrich Metz

Am 17. Januar dieses Jahres war es auf dem Reutlinger Gaisbühl in einem Fachpflegeheim zu einem Feuer gekommen, bei dem drei Bewohner an Rauchgas erstickten. Schnell fiel der Verdacht auf die Frau, um deren Zukunft nun vor Gericht verhandelt wird: Sie soll in ihrem Zimmer im 1. Obergeschoss den Brand gelegt haben - wohl, um sich selbst zu töten.

In dem Verfahren will die Staatsanwaltschaft erreichen, dass die Frau, die bereits seit Jahren an einer schizophrenen Psychose leidet, zwangsweise in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht wird. Sie wirft ihr dreifachen Mord sowie mehrfachen Mordversuch vor, begangen wahrscheinlich im Zustand der Schuldunfähigkeit.

Vor Gericht machte die Frau einen teils verwirrten Eindruck: Die Krankheit war ihr deutlich anzumerken. Sie gab an, sie habe sich selbst das Gesicht anzünden wollen. Nach etwas über einer Stunde wurde es ihr dann zu viel: Sie stand auf und wollte gehen. Das ließ das Gericht nach Rücksprache mit dem psychiatrischen Sachverständigen, der Staatsanwaltschaft und der Verteidigerin auch zu. Sie wurde wieder in die geschlossene Psychatrie gebracht, in der sie seit dem Band lebt. Nun werden weitere Zeugen ohne sie gehört, insbesondere die Pflegekräfte.

Eine Pflegekraft schilderte teils unter Tränen, wie sie an jenem Januarabend versuchte, die Bewohner aus dem sehr schnell verrauchten Gebäude zu bringen. Die mutmaßliche Brandstifterin habe zunächst ihr brennendes Zimmer nicht verlassen wollen und „wie im Wahn“ gewirkt. Schließlich sei sie dann doch von selbst aus dem Haus gekommen und habe gesagt: „Was habe ich da getan?“ Anschließend kam sie schwerverletzt in die Klinik.

Zuvor hatte die 58-Jährige, die seit Juni in der offenen Einrichtung lebte, mehrfach geäußert, sie „wolle nicht mehr“ und wolle sterben. Einmal, so berichtete es eine Pflegekraft, sei sie in einen nahen See gegangen und habe sich geweigert, wieder heraus zu kommen. Mehrfach war sie zeitweise in der Psychiatrie. Im Team sei man der Meinung gewesen, dass sie besser in einer Einrichtung mit einer engmaschigeren Betreuung untergebracht werden solle. Dazu habe es ein Gespräch mit der Klinik für Psychiatrie und Psychosomatik Reutlingen (PPRT) gegeben. Zu einer Verlegung der Frau aber kam es nicht. Komkrete Hinweise darauf, dass die Frau möglicherweise Feuer legen wollte, gab es nicht.

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Erstellt:
28.09.2023, 10:41 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 10sec
zuletzt aktualisiert: 28.09.2023, 10:41 Uhr

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