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Süßes Naschwerk und bittere Arbeitsbedingungen

Schokoladenfestival: Bei der 11. Tübinger Chocolart steht Fairtrade im Mittelpunkt

Mehr als 100 Chocolatiers aus zwölf Ländern erwarten eine Viertelmillion Besucher. Es gibt Martin-Luther-Schokotaler und einen 3D-Schokoladendrucker.

23.11.2016
  • Volker Rekittke

„Viele Menschen, die ihre Schokolade im Supermarkt kaufen, wissen nicht, unter welch schlimmen Arbeitsbedingungen Kakao in manchen Ländern angebaut wird“, sagt Chocolart-Erfinder und Organisator Hans-Peter Schwarz. Dem Geschäftsführer der Tübingen Erleben GmbH ist es wichtig, in Tübingen mit gutem Beispiel voranzugehen. Bereits mehr als ein Drittel der Chocolatiers verkauft auf der Chocolart faire Ware, nicht selten gibt es Direktkontrakte mit Kakao-Anbauern in Afrika und Südamerika.

„Make Chocolate Fair!“ ist das Motto einer europaweiten Kampagne, die bereits hunderttausende Unterschriften an große Schokoladenhersteller überreicht hat. Denn obwohl die Konzerne seit Jahren einen Kurswechsel versprechen, arbeiten laut einer US-Studie 2 Millionen Kinder zwischen 5 und 17 Jahren in den westafrikanischen Hauptanbauländern Elfenbeinküste und Ghana auf den Plantagen. Sie ernten Kakaoschoten mit der Machete, schleppen schwere Säcke mit Kakaobohnen.

Winfried Brugger vom Tübinger Aktionszentrum Arme Welt organisierte die Begleit-Ausstellung „Süß & Bitter“ im Rathaus-Foyer. Bald soll es auch eine faire Stadtschoki geben, hergestellt von der Kallari-Genossenschaft in Ecuador (Vortrag am Sonntag, 4.Dezember, 10.30 Uhr, Rathaus).

Weil auch die regionalen Milchbauern auf faire Preise angewiesen sind, wird der Kakao an sämtlichen Marktständen mit „TüBio“-Milch gemacht. 6800 Liter wurden dafür bei der Chocolart 2015 angeliefert.

Sozialpartner ist auch diesmal „Der gute Draht“ der evangelischen Schulseelsorge. Neben Lebkuchen und Schokomaultaschen bietet das Team von Schuldekan Hans-Joachim Heese 1000 Schoko-Lollies und -Taler an. Die vom Integrationsprojekt Samocca hergestellten Süßigkeiten ziert, passend zum Luther-Jahr, das Konterfei des Reformators. Vorbei ist es mit den „Tübinger Köpfen“ von Hölderlin bis Palmer. „Manche sind dann ja jetzt ausgelutscht“, sagt Heese.

Neu in diesem Jahr ist die „Italienische Gasse“, zu der die Hafengasse wird – mit Schokowerk aus fünf italienischen Regionen. Wie die Schokolade – nein, nicht aus der Schote – sondern aus der Maschine kommt, das zeigen Studierende der Hochschule Reutlingen an einem 3D-Schokoladendrucker bei Osiander in der Metzgergasse. Die Choco-Post mit einem Sonderstempel vom frisch renovierten Tübinger Rathaus steht diesmal vor eben jenem, und nicht auf dem Holzmarkt. Und weil bei allem Trubel ein bisschen Besinnung und Ruhe nicht schaden kann, öffnet die Stiftskirche während des Marktes wieder ihre Pforten.

Auch eine Premiere der historischen Art gibt’s bei der 11. Auflage von Deutschlands größtem Schoko-Event: Stadtführerin und TAGBLATT-Mitarbeiterin Andrea Bachmann entführt Interessierte in Tübingens süße Vergangenheit. Bei der dreieinhalbstündigen Führung wird an elf Stationen an historische Kaffeehäuser erinnert – vom Café Pomona (heute Telekom) bis zum Café Spiess (Marrakesch). Bei drei öffentlichen Führungen geht’s auf Altstadtpflaster durch jene Tübinger Kaffeehaus-Geschichte (Dienstag, 29. November, 14 Uhr, Donnerstag, 15 Uhr, und Sonntag, 11 Uhr). Start ist beim BVV an der Neckarbrücke, eine Reservierung ist notwendig.

Die Chocolart startet am Dienstag, 29. November

Der 11. Tübinger Schokomarkt wird am kommenden Dienstag um 13 Uhr auf dem Marktplatz von Oberbürgermeister Boris Palmer eröffnet. Von Mittwoch bis Freitag wird an den mehr als 100 Chocolart-Ständen von 10 bis 20 Uhr verkauft, am Samstag sogar bis 23 Uhr. Während der langen Einkaufsnacht haben auch zahlreiche Innenstadt-Geschäfte geöffnet. Die Schoko-Sause endet am Sonntag, 4. Dezember (11 bis 19 Uhr).

Bei der Aktion „Tafeln für die Tafel“ sammelt die Tübinger Tafel auf dem Markt erneut Schoko-Spenden für Menschen mit geringem Einkommen.

Zur Anreise empfehlen die Veranstalter den ÖPNV, es dürfte wieder sehr voll in der Stadt werden. Es gibt spezielle TüBus-Tagestickets für 7 Euro (fünf Personen).

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23.11.2016, 01:00 Uhr

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