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Schutz vor Einbrechern: Das rät die Polizei
Wenn Regenrohre oder Sichtschutz wie bei diesem Neubau den Zugang zum Balkon erleichtern, sollten auch im Obergeschoss einbruchhemmende Fenster eingebaut werden, riet Hubertus Schmid vom Präventionsteam des Reutlinger Polizeipräsidiums vor Ort. Bild: Bernhard
Wohnungen sollten belebt aussehen

Schutz vor Einbrechern: Das rät die Polizei

Prävention In der dunklen Jahreszeit sind wieder mehr Einbrecher unterwegs. Bei einem Rundgang am Dienstagabend in Rottenburg wiesen zwei Polizeibeamte auf potentielle Schwachstellen an Gebäuden hin.

15.12.2016
  • Dunja Bernhard

Das eigene Haus oder die Wohnung sind ein Rückzugsort. Dort bewahren Menschen auf, was ihnen lieb und teuer ist. Einblicke bekommt nur derjenige, den sie
hineinlassen. Es sei denn, Einbrecher verschaffen sich gewaltsam Zutritt.

Gestohlene Wertgestände, wie Geld oder Schmuck ersetzt
die Versicherung, sagt Kriminalhauptkommissar Hubertus Schmid. „Dass eine fremde Person im Wohnbereich war, ist für die Geschädigten schwerer zu verkraften.“ Das Sicherheitsgefühl in den eigenen vier Wänden sei nicht mehr da. Das Unbehagen gehe so weit, dass Menschen ihre Wohnungen aufgeben und ihre Häuser verkauften.

Hubertus Schmid arbeitet im Referat Prävention des Polizeipräsidiums Reutlingen und berät zum Thema Wohnungseinbrüche und wie sie sich verhindern lassen. Am Dienstag war er mit Polizeiobermeisterin Vanessa Priemel in Rottenburg im Wohngebiet zwischen Sprollstraße und Graf-Wolfegg-Straße unterwegs. Dort habe es im vorigen Jahr einige Einbrüche gegeben, sagte er. Unbeleuchtete Häuser, gekippte Fenster, offene Türen seien besonders in der Dämmerung eine Einladung für Diebe. Dunkle Wohnungen gab es am Dienstag in vielen Häusern, offene Fenster kaum. Um auf Sicherheitsrisiken hinzuweisen, warfen die Beamte Infokarten in die Briefkästen der betroffenen Häuser. „Die meisten Einbrüche finden zwischen der Dämmerung und 22 Uhr statt“, berichtet Schmid. Die Täter gehörten oft reisenden Gruppen an. An maximal zwei bis drei Stellen versuchten die Einbrecher ins Haus einzudringen. Brauchten sie dafür mehr als sechs bis acht Minuten, würden sie ihr Vorhaben wieder aufgeben, sagte Schmid.

Gelangten die Täter jedoch in die Wohnung, suchten sie in Badezimmer und Schlafzimmer nach Geld und Schmuck. Die Einbrüche dauerten zehn bis fünfzehn Minuten. „Die Täter hinterlassen kaum Spuren.“ Fluchtwege guckten Diebe häufig schon zur Mittagzeit aus. Wer verdächtige Personen oder Fahrzeuge in seinem Wohngebiet sieht, sollte sich nicht scheuen, die Polizei zu verständigen, betont der Kriminalhauptkommissar. Wer die Telefonnummer des nächsten Polizeireviers nicht parat hat, kann die 110 anrufen.

Häuser und Wohnungen sollten immer belebt aussehen, rät Schmid. Wer abends nicht zuhause ist, sollte das Licht anlassen oder mit Schaltzeituhren für Lampen und TV-Simulatoren Anwesenheit vortäuschen. Tagsüber sollten Jalousien nicht unten bleiben, sagt Schmid. Ein übervoller Briefkasten weise auf verreiste Bewohner hin. Wer in den Urlaub fährt, könne den Nachbarn anbieten, ihren Zweitwagen im Carport zu parken. Schon sei Bewegung am Haus.

Bei Bau oder Renovierung eines Hauses kann einiges für die Sicherheit getan werden. „Ein Haus lässt sich mechanisch so absichern, dass 99 Prozent der Einbrecher nicht reinkommen“, sagt Schmid. Die meisten Täter sind nur mit Schraubenzieher, Zange und Holzkeil unterwegs.

Einbruchhemmende Fenster und Terrassentüren mit Pilzkopfzapfen-Beschlägen und abschließbaren Fenstergriff erschweren das Einsteigen ins Haus. Es gibt sie auch mit spezieller Verglasung. Einbruchhemmende Fenster und Terrassentüren sind überall dort nötig, wo Einbrecher ohne weitere Hilfsmittel hingelangen können. Sichtschutzwände oder Regenabflussrohre neben dem Balkon sind wie Aufstiegshilfen. Auch über Garagendächer lässt sich einsteigen. Leitern sollten nie ungesichert im Garten stehen, warnt Schmid. Es reiche schon, sie mit einem Fahrradschloss irgendwo anzuschließen. Diebe seien sonst ruckzuck im Obergeschoss. Vor Kellerfenstern bieten Gitter einen guten Schutz.

In Mehrfamilienhäuser seien auch Wohnungen im Obergeschoss interessant. Denn über eine nicht verschlossene Haustür oder durch das Tor der Tiefgarage könnten Täter leicht ins Haus gelangen. Wohnungstüren sollten deshalb eine Mehrfachverriegelung haben. Das Schloss dürfe man nicht herausbohren können.

Bewegungsmelder bringen keinen weiteren Schutz, sagt Schmid. Wenn beim Nachbarn die Außenbeleuchtung angehe, gucke eh keiner hin. „Dem Einbrecher erspart es die Taschenlampe.“

Bei einem Hausneubau oder einem Fensteraustausch sollten Eigentümer sich nicht scheuen, sich von der Polizei beraten zu lassen, sagt Schmid. Einbruchhemmende Fenster seien mitunter nur geringfügig teurer. Die Beschläge im Nachhinein auszutauschen, koste wesentlich mehr.

Die Aufklärungsquote für Einbrüche liege bei zehn bis zwölf Prozent, sagt Schmid. Die gefassten Täter kommen häufig aus Osteuropa. Die Kriminalpolizeiliche Beratungsstelle des Polizeipräsidiums Reutlingen ist über Telefon 07121/9421202 zu erreichen.

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15.12.2016, 01:00 Uhr

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