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Seit 2010 bildet das Tübinger Islam-Zentrum unter staatlicher Aufsicht muslimische Seelsorger aus
So ähnlich soll das Islamzentrum der Tübinger Universität einmal aussehen. Auf dem Sockel mit der Bibliothek erheben sich zwei unterschiedlich hohe Baukörper, die - anders als auf dem Bild - direkt miteinander verbunden sind. Eine „grüne Fuge“ verbindet das Zentrum mit den beiden christlichen Fakultäten, betont aber auch den Abstand und die Eigenständigkeit des Islam-Zentrums. Bild: © Staab Architekten
Einzigartiger Campus der Religionen

Seit 2010 bildet das Tübinger Islam-Zentrum unter staatlicher Aufsicht muslimische Seelsorger aus

Der Neubau für die Islamischen Theologen liegt direkt neben den beiden christlichen Fakultäten. Er soll eigenständig sein, aber auch verbinden.

11.12.2016
  • Ulrich Janßen

Es ist nicht irgendein Bau, der da in Tübingen zwischen Gmelin- und Liebermeisterstraße entstehen soll. Es geht um nichts weniger als das Islam-Zentrum der Universität Tübingen, die erste Einrichtung dieser Art überhaupt in Deutschland, eine mutige und durchaus umstrittene Neugründung. Seit 2010 bildet das Zentrum unter staatlicher Aufsicht, aber mit dem Segen der Religion muslimische Seelsorger und Lehrer aus. Ganz ähnlich wie es Katholiken und Protestanten auch machen.

Der Neubau soll die bislang verstreut untergebrachten islamischen Theologen in einem Bau zusammenbringen. Dass dieser in unmittelbarer Nachbarschaft zu den beiden christlichen Fakultäten entsteht, ist kein Zufall. „Wir wollen den interreligiösen Dialog fördern“, erklärte Bernd Selbmann, Leiter des Landesamtes für Vermögen und Bau, die Idee, die der Ausschreibung des Projekts zugrunde lag. Das Land will in Tübingen einen Theologischen Campus schaffen, auf dem sich Lehrende und Studierende beider Religionen entspannt und selbstbewusst begegnen können. Vor dem Gestaltungsbeirat der Stadt Tübingen stellte am Freitag Hanns Ziegler von „Staab Architekten“ das Konzept vor. Ziegler ist einer der vier Geschäftsführer des renommierten Berliner Büros, das sich bei der europaweiten Ausschreibung durchsetzen konnte. „Wir wollten“, sagt er, „das Verbindende betonen, aber auch das Trennende.“

Der von den Berlinern geplante Bau, der den beiden christlichen Fakultäten direkt gegenübersteht, solle sich zwar zum Campus öffnen, durchaus aber auch eine „starke eigene Identität“ entwickeln. „Staab Architekten“ lösten die Aufgabe, indem sie zwei Baukörper mit unterschiedlicher Höhe entwarfen, die wie ein leicht verschränktes „L“ zur Bibliothek der christlichen Fakultäten weisen. Deren achteckiger, mittlerweile denkmalgeschützter Bau bildet das Herz des künftigen Theologischen Campus.

Das große „L“ steht auf einem rechteckigen „verbindenden“ Sockel, in dem die islamische Bibliothek untergebracht ist. Er dient auch als Terasse, von der aus die muslimischen Studierenden ihre christlichen Kommilitonen grüßen können. Zugänglich ist das Gebäude sowohl von der verkehrsreichen Gmelin-, wie auch von der ruhigeren Liebermeisterstraße aus. Ganz bewusst öffnet sich der Haupteingang zum Campus mit der Bibliothek und der Cafeteria, die von allen Studierenden gemeinsam genutzt werden soll.

Für die Berliner Planer, aber auch für Landschaftsarchitekt Christian Korn bildete der nicht geringe Höhenunterschied auf dem Areal (immerhin fünf Meter) eine besondere Herausforderung. Staab versuchen den Höhenunterschied mit Bibliotheks-Sockel und Treppen in den Griff zu bekommen. Korn will das Gebäude „in Grün schwimmen“ lassen. Zwischen muslimischem Sockel und christlichem Bibliotheks-Achteck soll eine „grüne Fuge“ entstehen, die zwar keinen Durchgang für Passanten bietet, aber als Rückzugsort für Lernende taugt.

Lisa Ehrensperger, Vorsitzende des Gestaltungsbeirats, lobte die „qualitativ hochwertige“ Ausführung des Baus. Die Außenwand besteht aus hellen Ziegeln und wird durch elegante, große Holzfenster strukturiert. Feine Klinkerdurchbrüche lockern die Fassade zusätzlich auf und sorgen, weil sie auch Licht hineinlassen, für eine „arabeske“ Stimmung im Inern.

Nicht so gelungen schien den Beiräten die städtebauliche Verbindung mit der Umgebung. Speziell zur Gmelin-Straße wirke das Gebäude etwas abweisend, der öffentliche Zugang über eine halboffene Treppe wenig einladend. Sehr massiv könne auch der Zugang zum Haupteingang wirken, wurde befürchtet, weil er wegen des Höhenunterschieds eine Stützmauer erfordere. Gefragt wurde auch nach der Attraktivität der Cafeteria, die faktisch zum wichtigsten Schauplatz der religiösen Begegnung werden könnte, dem eigentlich Campus. Sie wirke, meint die Zürcher Architektin, „etwas eingelocht“. Die Berliner Architekten nahmen die Anregungen gern auf und wollen sie in den weiteren Planungen berücksichtigen. Bis März 2017 will das Land die Bauunterlagen fertig haben, schon Mitte März 2018 könnte mit dem Bau begonnen werden.

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11.12.2016, 21:00 Uhr

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