Hau& Holzwiese

Seit drei Wochen keine Antwort aus dem Rathaus

Gemeinderat Markus Pagel (OGL) wendet sich in einem offenen Brief an OB Peter Rosenberger.

13.01.2019

Von NC

OGL-FraktionsvorsitzenderMarkus Pagel, hier bei derSitzung des Horber Gemeinderats am 18. Dezember 2018. Archivbild: Mathias Huckert

OGL-Fraktionsvorsitzender
Markus Pagel, hier bei der
Sitzung des Horber Gemeinderats am 18. Dezember 2018. Archivbild: Mathias Huckert

Markus Pagel, Fraktionsvorsitzender der OGL im Horber Gemeinderat, wartet nach eigenem Bekunden seit drei Wochen auf eine Antwort des Oberbürgermeisters Peter Rosenberger zu Fragen bezüglich des bei Ahldorf ins Auge gefassten Gewerbegebiets. Nun wendet er sich in einem offenen Brief an den OB:

Sehr geehrter Herr Rosenberger, normalerweise pflege ich Punkte, die mich bewegen, direkt anzusprechen und nicht auf öffentlichen Druck zu setzen. Da Sie aber auf meine Mail vom 21. Dezember 2018, die für mich einige wichtige Fragen zum geplanten Gewerbegebiet beinhaltet, bisher nicht reagiert haben und ich in der Samstagsausgabe der Südwestpresse lesen musste, dass Sie sich über Teile des Gemeinderates ärgern, die in Bezug zu Ahldorf Fakten ignorieren, verfasse ich nun meinen ersten offenen Brief.

In meiner Anfrage habe ich unter anderem das Thema Geologie /Hydrogeologie angesprochen. Das geologische Gutachten, welches im Auftrag der Stadt angefertigt wurde, beinhaltet einige bedenkenswerte Punkte:

Beispielsweise wird über die tektonische Situation bemerkt, dass lokale Schwächezonen in Form von erhöhter Klüftigkeit vorhanden sein müssen (Seite 8 des Gutachtens). Eine hohe Dolinendichte nahe der Grenze zur Wasserschutzgebietszone II der Egelstalquelle wird festgestellt. Die Dolinen sind nahezu alle sogenannte Trockendolinen, woraus geschlossen werden kann, dass wassersperrende Schichten zerbrochen beziehungsweise zerstört sind. Das bedeutet, dass eintretendes Wasser durch den Dolinenboden durchsickert bis in den oberen Muschelkalk und dort regelrecht verschluckt wird (Seiten 15 bis 17). Die Egelstalquelle befindet sich in etwa 2 Kilometern Luftlinie hangabwärts davon.

Zu beachten sind die erheblichen Risiken durch Verkarstungsstrukturen im tieferen Untergrund beziehungsweise durch oberflächennahe Sackungsdolinen im Unteren Keuper (Seite 23).

Besonders erstaunt hat mich jedoch die Aussage, dass die Verwaltung die Erschließung des Gebietes mit Wasser (Ver- und Entsorgung) selbst ermittelt. Genau zu diesem Thema ist in dem Gutachten zu lesen:

In Kanal- und Leitungsgräben können insbesondere im Westen des Untersuchungsgebietes verfüllte oder noch nicht eingestürzte Dolinen- beziehungsweise Karststrukturen nicht ausgeschlossen werden, die an der Oberfläche nicht (mehr) sichtbar sind. Werden in den Gräben ausgedehnte und tiefe Dolinenstrukturen angetroffen, sind gegebenenfalls auch konstruktive Sicherungsmaßnahmen notwendig, wie Überbrückung der gestörten Boden- und Felsbereiche mit freitragenden, bewehrten Beton-Balken oder Bodenplatten.

Im gesamten Baugebiet müssen besonders sichere Verbindungen verbaut werden (Wasserschutzzone III im Grenzbereich zu Zone II!). Alle unterirdisch verlegten Rohrleitungen müssen eine hohe Biegesteifigkeit und Bruchfestigkeit aufweisen (dies gilt insbesondere für abwasserführende Leitungen!) (Seite 27). Diese risikoreiche Aufgabe möchte die Verwaltung selbst erledigen.

Haben wir in der Verwaltung Spezialisten, die diese Aufgaben so lösen können, dass die Grundwassergewinnung der Nordstetter Wasserversorgungsgruppe nachhaltig gesichert ist, oder soll zunächst nur am grünen Tisch gezeichnet werden?

Wurde denn der Zweckverband Nordstetter Wasserversorgungsgruppe, deren Vorsitz Sie innehaben, über die drohenden Gefahren informiert? Immerhin versorgt er rund 14000 Menschen in 13 Ortschaften (Südwestpresse vom 7. Oktober 2014).

In der Schlussbemerkung des Gutachtens ist zu lesen, dass große Bereiche des Plangebietes (zrika ein Drittel der Fläche – nach dem beigefügten Plan) nicht für die Bebauung mit Gewerbe geeignet sind, auf den restlichen Flächen ist dies vermutlich technisch möglich (Seite 30).

Die offizielle Aussage der Stadt hierzu ist der Drucksache 161/2018 zu entnehmen: Eine weitere geotechnische Untersuchung erscheint zum aktuellen Zeitpunkt nicht sinnvoll, da hierzu der Entwurf einer konkreten inneren Erschließungsplanung vorliegen sollte.

Ich ignoriere die Fakten unserer Gutachter nicht, wie Sie Teilen des Gemeinderates vorwerfen. Da Sie meine Anfrage bisher nicht beantwortet haben, muss ich den Ball zurückspielen: Wann geben Sie mir die angeforderten Infos, damit ich meine Meinung auf ein breites Fundament stellen kann oder gar neu überdenken muss?

Und zum Schluss meines Briefes möchte ich noch auf Ihre Aussage in der Zeitung zum Widerstand der Ahldorferinnen und Ahldorfer kommen. Die Menschen – und nicht nur die Ahldorfer – sind gerade nicht nur gegen ein Gewerbegebiet, sondern sie haben die Bedeutung des Waldes und der Wiesen für die Menschen längst erkannt und wollen diese erhalten. Das wachsende Bewusstsein in weiten Teilen der Bevölkerung zur überzeugten und konsequenten Bewahrung der Schöpfung macht mir Mut.

Auch wenn vielleicht keine hochseltenen Arten gefunden werden, die unumstößliche rechtliche Hürden darstellen, sollten wir den Wert unserer heimischen Kulturlandschaft anerkennen und von solchen massiven Eingriffen absehen. Die kommenden Generationen werden uns dafür dankbar sein.

Mit der Bitte um eine zeitnahe Antwort wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie ein erfolgreiches und glückliches 2019!

Mit freundlichem Gruß

Markus Pagel

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Erstellt:
13.01.2019, 18:10 Uhr
Lesedauer: ca. 3min 15sec
zuletzt aktualisiert: 13.01.2019, 18:10 Uhr

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