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Spirituals als Hilfe für Nepal
Gestern Abend war in der Bühler St.-Pankratius Kirche Generalprobe. Bild: Faden
Chorkonzert

Spirituals als Hilfe für Nepal

Hier macht schon das Proben gute Laune: Der Bühler Projektchor bereitet sich auf sein drittes Benefizkonzert am Wochenende vor.

09.12.2016
  • Fred Keicher

Der Auftritt klapp schon. Die Sängerinnen und Sänger müssen durch das Nadelöhr, die steile Treppe im Sängerheim hinauf in den Proberaum. Zuerst der Bass, dann der Sopran, der Tenor und schließlich der Alt. Immerhin hat der Gemischte Chor des Gesangvereins Bühl um die sechzig Sängerinnen und Sänger. Unter ihnen sind 16 Männerstimmen, der Jugendchor „Songband“ hat 16 Mitglieder, darunter ist gerade mal ein junger Mann. Einige kommen später. Es ist die Macht der Gewohnheit: Chorleiterin Christa Huber hat den Probenbeginn auf 19 Uhr vorlegt, üblicherweise trifft man sich um 19.30 Uhr.

„Alles auswendig!“ gibt die Chorleiterin eine Woche vor der Aufführung in der Bühler St.-Pankratius-Kirche vor. Seit Ende der Sommerferien arbeitete der Projektchor an seinem „Spirituals- und Gospelprogramm“. Jetzt geht es um die Feinheiten des Auftritts, die Inszenierung. Handbewegungen werden einstudiert. Manchmal geht das noch durcheinander: „In welche Richtung?“ wird gerufen. Die Sängerinnen und Sänger probieren Hintergrundgeräusche mit Händereiben und Fingerschnippen. Die Stimmung ist konzentriert, aber gelöst und heiter. Beim Singen machen alle kleine Tanzschritte und lächeln. Besonders die Männern, die ein wenig geschützt im Hintergrund singen, machen da oft eine verblüffende Verwandlung durch.

„Freedom is coming“, die Freiheit kommt, ist das Auftaktstück. Neben der sehr persönlichen und frommen Anrufung Gottes ist den Gospels und Spirituals auch die Hoffnung auf die sehr hiesige Realisierung von Bürgerrechten eingeschrieben. Stücke aus der Antiapartheitsbewegung in Südafrika hat der Projektchor einstudiert und die Hymne der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung „We shall overcome (some day)“: Eines Tages werden wir siegen.

„Da ist schon viel Gutes dabei“, lobt die Chorleiterin immer wieder ihren Chor. Der scheint auch die darin enthaltene Botschaft zu verstehen: „Das könnt ihr auch noch besser“ – ohne dass Huber den Chor (wie andere Chorleiter) mit hochexpressiven, fast schmerzverzerrten Grimassen anpeitscht. Bei der Freitagsprobe muss Huber auf die Pianistin verzichten. Die hat einen dicken Verband am Daumen (es war ein Hundebiss), ist aber beim Konzert wieder dabei. Begleitet wird der Chor von einer vierköpfigen Trommelgruppe.

Fast zwei Stunden Programm hat der Projektchor einstudiert, die er in der Probe unangestrengt durcharbeitet. Die zweite Hälfte enthält viele populäre Stücke. „What a wonderful world“ von Louis Armstrong wird durch ein Trompetensolo unterstützt. Die Chorleiterin gibt Anweisungen: „Das Schmalz muss von der Bühne fließen, und ich will die Bienen summen hören.“

Überhaupt treten viele Sängerinnen und Sänger mit einem Solo auf. Ob das nicht ein Riesenstress sei, aus der relativen Anomymität des Chores nach vorne zu treten? Überhaupt nicht, sagte Laura Bisinger: „Wir haben viele gute Stimmen im Chor. Natürlich fiebert man seinem Soloauftritt entgegen. Das überträgt sich aber auf das Publikum und reißt es mit.“ Dieses Jahr singt Bisinger kein Solo. Die junge Frau macht aber seit fast zwanzig Jahren im Bühler Chor mit, sie hat im Kinderchor angefangen.

Die Hälfte des Erlöses des Benefizkonzertes geht in zwei Schulbauprojekte in Nepal. Nach dem verheerenden Erdbeben werden dort seit einem Jahr die Schulen wieder aufgebaut. Der Rohbau sei jetzt vollendet, sagte Heike Junger-Sharma, die in Indien und Nepal arbeitet. Jetzt gehe es um den Innenausbau, „Fenster und Toiletten, was halt so ansteht“. Man versuche auch, „Stabilität in die Lehrerversorgung“ zu bringen. Nur vier Lehrer würden vom nepalesischen Staat bezahlt. Dringend nötige zusätzliche Lehrer müssten die Eltern selbst bezahlen. Da wolle man Hilfe leisten.

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09.12.2016, 01:00 Uhr

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