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Nordische Kombination

Strahlkraft der Überlegenen

Das Podest im Weltcup ist in diesem Winter fest in deutscher Hand. Was Eric Frenzel, Johannes Rydzek und Co. so dominant macht.

21.12.2016
  • MANUELA HARANT

Ulm. Woche für Woche strahlen sie um die Wette: die Nordischen Kombinierer des Deutschen Ski-Verbands (DSV). Obwohl Eric Frenzel, Johannes Rydzek, Fabian Rießle und Co. schon in den vergangenen Jahren mit WM-Titeln und Weltcup-Siegen verwöhnt wurden, haben sie unter Bundestrainer Hermann Weinbuch noch einmal eine Schippe draufgelegt: Doppelsieg beim Start in Kuusamo, ein Dreifachsieg vor zwei Wochen in Lillehammer und zum krönenden Abschluss ein Dreifach- und ein Vierfacherfolg in Ramsau am vergangenen Wochenende – der beste Saisonstart seit 20 Jahren. Doch was ist das Geheimnis der Deutschen in der einzigartigen Kombination von Skispringen und Langlaufen?

1. Die Innovationen

Der DSV ist dafür bekannt, viel in die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu investieren. „Stillstand heißt Rückschritt“, erklärt die Sportdirektorin Nordisch/Biathlon, Karin Orgeldinger, „das geht von der Materialtechnik bis zu den optimalen Trainings- und Wettkampfformen für den Nachwuchs.“ Die Zusammenarbeit mit dem Institut für Angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig und dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten in Berlin ist auch für die Kombinierer obligatorisch. „Mit den Instituten haben wir gerade im Sprungbereich viele Möglichkeiten uns weiterzuentwickeln“, sagt der Gesamtweltcupgewinner der vergangenen vier Jahre, Eric Frenzel, und wird konkret: „Dieses Jahr habe ich daran gefeilt, in den Flug mehr Geschwindigkeit mitzunehmen.“ Der Lohn: Frenzel siegte bislang dreimal und stand an jedem Weltcup-Wochenende zumindest einmal auf dem Podest.

2. Das Trainerteam

Als Athlet war Hermann Weinbuch in den 80er-Jahren bereits an einem Vierfach-Erfolg der Deutschen im Weltcup beteiligt. Doch seine Karriere als Bundestrainer ist noch erfolgreicher. Seit fast 20 Jahren im Amt, sind Ronny Ackermann, Georg Hettich, Björn Kircheisen und Eric Frenzel nur ein paar von Dutzenden Athleten, die sich unter der Führung des 56-Jährigen auf weltweites Topniveau entwickelt haben. Auch deshalb genießt Weinbuch mit einem unbefristeten Vertrag das uneingeschränkte Vertrauen beim DSV. „Hermann Weinbuch ist der herausragende Trainer in diesem Bereich“, sagt Karin Orgeldinger. Weinbuch gibt die Blumen aber auch gerne an seine Kollegen weiter, insbesondere die Disziplintrainer Ronny Ackermann (Sprung) und Kai Bracht (Langlauf). „Wir liegen bei allen Themen immer sehr nahe zusammen bilden ein harmonisches Trio“, sagt Weinbuch.

3. Die Mannschaft

Das deutsche Team ist schon ein besonderes. Privat gehen sie gerne etwas zusammen trinken, aber im Training und vor allem im Wettkampf schenken sie sich nichts. Negativer Höhepunkt war 2014 in Sotschi, als sich Fabian Rießle und Johannes Rydzek gegenseitig über den Haufen fuhren und so den Olympiasieg verspielten. „Es wird immer wieder zu kleineren Reibereien kommen. Aber die Jungs haben eine gesunde Rivalität“, meint Weinbuch. Die sei auch wichtig, um sich in jedem Rennen zu Spitzenleistungen zu treiben. „In Lillehammer hat der Eric den Ritschi abgezogen und in Ramsau war es andersrum. Am Ende zählt jedoch, dass einer von beiden vorne steht.“ Und wenn es darauf ankommt, können die deutschen Kombinierer auch perfekt zusammenarbeiten. Beim zweiten Rennen in Lillehammer hatte dann der klar stärkere Frenzel seinen ältesten Teamkollegen Björn Kircheisen (34) mitgezogen und erstmals seit zwei Jahren wieder zu Platz zwei verholfen.

4. Der Nachwuchs

Obwohl hierzulande nur rund 400 Jugendliche und erwachsene Athleten die Nordische Kombination als Leistungssport betreiben, kann der DSV aus einem großen Fundus an Talenten schöpfen. Zum einen liegt das daran, dass der nordische Nachwuchs in Deutschland vielseitig ausgebildet wird. „Meistens verlieren wir die Jungs erst im Alter zwischen 13 und 15 zu den Spezialisten“, erklärt Weinbuch. Zum anderen hat Weinbuch in den Stützpunkten ein straffes Regiment etabliert. „Wir haben einen Rahmentrainingsplan, in dem genau festgelegt ist, welche Inhalte in welchem Alter vermittelt werden.“ Mit diesem optimierten Training schafft es quasi zwangsläufig immer wieder ein junger Athlet nach ganz oben. Aktuelles Beispiel: Der 19 Jahre alte Vinzenz Geiger aus Oberstdorf hat am Sonntag in Ramsau sein erstes Weltcup-Podest erklommen.

5. Die Gegner

Konkurrenz belebt das Geschäft, und so ist es auch der ewige Vergleich mit Norwegen, der die Deutschen immer wieder neu anstachelt. „Diesmal war es der überragend springende Jarl Magnus Riiber, von dem wir uns im Sommer einiges abgeschaut haben“, gibt „Spion“ Weinbuch offen zu. Gleichzeitig seien aber auch die Norweger selbst schwächer geworden, weil der alles in Grund und Boden springende Riiber seine stark laufenden Teamkollegen ein ums andere Mal düpiert hat. „Daran sind sie in diesem Winter regelrecht zerbrochen“, meint Weinbuch, der entsprechend froh über die Ausgeglichenheit in seinem Team ist.

Mit dem Triple in Seefeld und der nordischen Ski-WM kommen die Saisonhöhepunkte allerdings erst noch. „In der Hinsicht gilt es jetzt, die Substanz für den schweren Januar und Februar aufzubauen“, sagt Weinbuch – und verordnete seinen Jungs, an Weihnachten mal nicht so sehr aufs Gewicht zu schauen. Der Erfolgshunger ist ohnehin noch lange nicht gestillt.

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21.12.2016, 06:00 Uhr

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