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Baiersbronn · Musikfestival

Trompetengesang in vollendeter Form

Das Abschlusskonzert dieser 22. Saison in der Christuskirche Mitteltal am Pfingstmontag mit ARD-Preisträgerin Selina Ott geriet zu einer wahren musikalischen Krönung.

13.06.2019

Von Siegfried Schmidt

Großes und musikalisch berückendes Finale des Schwarzwald Musikfestivals in der Christuskirche von Mitteltal: Die Künstler Selina Ott und En-Chia Lin (2. und 3. von links) mit Festivalleiter Mark Mast (Mitte, mit der Preisträger-Urkunde) sowie den Konzertpaten und Festival-Mäzenen seit Gründung, der Hoteliersfamilie Bareiss. Links außen Hermann Bareiss, rechts außen Britta und Hannes Bareiss. Bild: Siegfried Schmidt

Schon seit 10 Jahren präsentiert das Schwarzwald Musikfestival den aktuellen Sonderpreisträger im internationalen ARD-Wettbewerb beim Abschlusskonzert in Mitteltal – in diesem familiären, fast intimen Rahmen der Dorfkirche. Der Konzertpate, das nur wenige Schritte entfernt liegende Hotel Bareiss, sorgt stets mit liebender Sorgfalt nicht nur für reiche Blumendekoration, sondern auch für den einnehmend stärkenden Sektumtrunk in der Pause und die galanten Honneurs an die Künstler. Diese hatten den hübsch gestalteten Rahmen, den ergebenen Dank der Gastgeber und den frenetischen Applaus der Besucher in der nahezu vollbesetzten Kirche verdient wie selten.

Was die Trompetensolistin Selina Ott und der Pianist En-Chia Lin am Flügel gemeinsam aufführten, war geradezu ein Hochamt künstlerischer Virtuosität, klanglicher Delikatesse und künstlerischer Vollendung. Mit der in Wien lebenden Selina Ott, erst 20 Jahre alt, scheint ein Nachwuchs-Stern am Musik-Firmament aufgegangen, der noch eine formidable, in Weltstar-Gefilde führende Karriere vor sich hat. Die ARD-Preisträgerin, die sich unter 500(!) Mitbewerbern im Wettbewerb durchgesetzt hatte, und ihr genialisch am Flügel agierender Begleiter zündeten eine beseelt interpretierte Programmfolge, die Anspruch und Abwechslung in Fülle bot. Festivalleiter Mark Mast hatte nicht umsonst das Publikum auf „Unerhörtes und Ungehörtes“ in seiner Einführung eingeschworen.

Dabei fanden Klassik, Fugen-Romantik, balladeske Sehnsüchte und moderne Klangbilder in anregender und aufregender Vielgestaltigkeit zusammen. J.B.G. Nerudas Trompetenkonzert Es-Dur bot den hymnischen Auftakt für Selina Otts geradezu selig machendes Trompetenspiel: grazil, leicht, akribisch kontrolliert und doch federnd-anmutig, voller spielerischer Eleganz und Finesse. So seidig-transparent, üppig koloriert und kantilenenhaft-nuanciert ist einem ein Trompetenkonzert noch nirgends begegnet. Ott, die in einem dunkelblauen Plissée-Kleid auftrat, gebietet über eine solch fein dosierte, fast schmeichlerische Instrumentenstimme, welche für die Trompete ganz andere Sphären der Klangkultur zu öffnen scheint.

En-Chia Lin (Taiwan/Wien) wusste konzentriert und melodisch-prall auf der Tastatur dagegen zu halten, so dass sich ein famoses Zusammenspiel der beiden entwickelte. Sein anschließender Solopart, César Francks Prélude, atmete romantische Verträumtheit wiewohl auch dramaturgische Kraft, vor allem, da der Pianist in Tempi und Anschlag stark zu akzentuieren verstand.

Mit Eugen Bozzas „Rustiques“ wechselte das Musikfach in eine modern angehauchte, dem Jazz angenäherte Ausdrucksform. Sanft, mit Schalldämpfer am Trichter, ließ Ott in munterer Weise Farben erstrahlen. Auffallend wiederum ihr konzentriertes Spiel, mit stupender Technik, dennoch völlig unaffektiert und wie beiläufig Effekte setzend. Liebesleid von Rachmaninow, dieses großartige Bohèmestück, bot En-Chia Lin eine großartige Gelegenheit, immenses Klangvolumen aufzufahren und mit inspiriertem Taktgefühl aufzuwarten.

Nach der Pause wurden ganz große Kunst und begeisterndes Konzertieren nahtlos fortgesetzt. Mit A. Arutjunjans Trompetenkonzert, einer keck-klangzauberischen Komposition, leicht swingend und unterhaltsam-tänzerisch angelegt, traten Ott und Lin ein weiteres Mal den Beweis an, wie Trompete und Klavier ein wunderbares musikalisches Gespann zu bilden vermögen. Selina Ott dimmte ihr schimmerndes Blech zu einem leisen Raunen herunter. Dagegen pulste Chopins Ballade unter den Tastenhänden von En-Chia Lin mit kantiger Verve druckvoll an.

Nach Georges Enescos einfühlsam artikulierter und eher ruhiger „Legend“-Romantikweise wählten die beiden jungen Meister-Interpreten mit „Napoli“ als Zugabe noch einen Rhythmus-Giganten und Einpeitscher, der die Zuhörer förmlich hinriss und zu Stehapplaus motivierte.

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Erstellt:
13. Juni 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
13. Juni 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 13. Juni 2019, 01:00 Uhr

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