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Party machen – aber gemütlich

„Tübingen steht Kopf“: Trotz Not-Konzept feierten am Samstag Tausende in der Altstadt

Kurzfristig organisierten Gastronomen und Kneipiers einen Ersatz für die „Tübinger Nacht“, die in diesem Jahr ausfiel. Der Andrang bei „Tübingen steht Kopf“ war zwar etwas geringer, dennoch sprechen die meisten von einer erfolgreichen Party-Nacht.

10.04.2016
  • Philipp Koebnik
„Tübingen steht Kopf“: Trotz Not-Konzept feierten am Samstag Tausende in der Altstadt Im Willi ging es zumindest im Erdgeschoss eher gemütlich zu. Bild: Koebnik

Tübingen. „Ich finde das jetzige Konzept eigentlich schöner“, sagte Haupt-Bahnhof-Restaurantleiterin Tatjana Winter. „Am Semesteranfang ist das gerade für Leute, die neu nach Tübingen gezogen sind, eine tolle Sache, während die Tübinger Nacht vor allem Auswärtige anzieht.“ Die „Tübinger Nacht“ musste dieses Jahr ausfallen – aus privaten Gründen, wie die Veranstalter Holger Kesten und Stephan Eissler mitteilten (wir berichteten). Kurzfristig haben deshalb die Inhaber einiger Kneipen Ersatz organisiert: „Tübingen steht Kopf“. Ein übergeordnetes Eintrittsgeld für alle Veranstaltungen gab es diesmal allerdings nicht.

Mit einem Kneipenquiz lockte etwa der gut gefüllte Haupt-Bahnhof seine Gäste. Jeder Tisch bildete ein Team, das Fragen aus dem weiten Feld der Allgemeinbildung zu beantworten hatte. Auf dem Tresen stehend, rief eine Mitarbeiterin die Quizfragen in den Raum. Wer zuerst die Antwort wusste, machte sich mit einer Tröte bemerkbar. „Eine coole Idee“, fand Immanuel Jelgersma, der mit zwei Freunden da war. „Bis jetzt haben wir sechs Punkte – das ist mittelgut“, so der 19-Jährige. Für die drei besten Teams gab es am Schluss Preise: Torten und Restaurantgutscheine.

Während DJ Ari die jungen Leute im ersten Stock des Willis zum Tanzen brachte, ging es unten noch vergleichsweise ruhig zu. Doch dann füllte sich auch dieser Raum merklich. „Uns gefällt es so besser“, sagte Inhaber Theo Kalaitzides, dem auch die Butterbrezel und das Collegium gehört. „Wenn die Leute ein Bändel für zehn Euro kaufen, haben viele das Gefühl, möglichst viele Läden abklappern zu müssen.“ Für manche Locations mag das kein Problem sein, so Kalaitzides. „Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass bei einem ständigen Kommen und Gehen keine richtige Partystimmung aufkommt.“ Das gemütliche Flair gefiel auch den Studenten Philipp Braun und Florian Eissler, die zum ersten Mal das Willi besuchten. „Hier herrscht nicht so ein Gedränge wie woanders.“

Gemütlich ging es auch im Vegi zu. DJ Mitch legte Songs der 1980er und -90er Jahre auf und als „Getränkespecial“ gab es „Vegi Mule“: einen Longdrink aus Gin mit hausgemachtem Eistee, wie Betriebsleiter Daniel Braun erklärte. Nicht nur Clara Hodler und Amaya Ansari gefielen Musik und Ambiente. Die jungen Frauen tranken allerdings einen Karotten-Ingwer-Saft: „Wir feiern heute ohne Alkohol.“ Gute Stimmung herrschte derweil auch im Ammerschlag. Dort rockten Maxo & The Dudes für ein altersmäßig bunt gemischtes Publikum.

Das musikalische Gegenprogramm, wenn man so will, gab es in der Asmara Cocktailbar. Mit Elektro-Remixes heizte DJ Sonny Crockett dort den Tanzwütigen ein. Ganz anders zur gleichen Zeit im Nimmersatt, wo nicht so viel los war. „Die Leute kommen und gehen schubweise“, sagte Mitarbeiterin Eva Weber. Musik machte dort DJ Schulzendorf. „Schade, dass so wenige Leute die Tanzfläche nutzen“, meinte Gideon Auer. „Wir finden es hier echt gut“, so der 18-Jährige, der mit ein paar Freundinnen unterwegs war.

Eine locker-entspannte Stimmung herrschte im Bartista, wo Werner Puth auflegte. Funk, Soul und R‘n‘B, vor allem aus den 1970er Jahren, gab es dort zu hören. „Es läuft super, außerdem ist es gemütlich“, fand Puth. „Wenn die Kneipen sich einig sind, braucht man keinen Veranstalter.“ Auch die jüngeren Besucher mochten den Sound. „Ich finde die Musik super, und auch sonst ist es hier cool“, sagte David Parkot. Der 19-jährige Azubi wohnt zwar in Villingen-Schwenningen: „Aber ich bin jedes Wochenende in Tübingen.“

Kritik: Bei der „Tübinger Nacht“ werde abkassiert

Sehr voll war es hingegen im Ribingurumu, wo die Besucher „Gin-Tonic-Delikatessen“ probieren konnten. Auch noch gegen 1 Uhr waren dort alle Plätze besetzt. Einiges los war zur gleichen Zeit auch im Schwarzen Schaf, wo die Leute zu Elektro-Beats tanzten. Im Last Resort feierte man dagegen zu Rockmusik. „Hier ist es locker und nicht so kommerziell, das mag ich“, sagte Wolf Pokriefke. Und DJ Purple, der gerade Pause machte, gab zu bedenken: „Bei der Tübinger Nacht ist immer höllenmäßig viel los und es kommen sehr viele von außerhalb hierher.“ Trotz des gemeinsamen Eintrittsgeldes käme bei den Bands jedoch kaum etwas an. „Das ist eine Abkassiererei“, so der Musiker.

Im Vergleich zur „Tübinger Nacht“ stand die Neckarstadt am Samstagabend also nicht Kopf. Vielen gefällt es aber offenkundig, wenn sich die Partywütigen nicht massenweise von Kneipe zu Kneipe, von Bar zu Bar schieben. Und auch wenn etwas weniger los war als beim „Original“ – es feierten dennoch Tausende bis weit in die Nacht.

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10.04.2016, 20:24 Uhr

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