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Horb · Stadtbild

Unterwegs mit den Saubermännern von Horb

Zwischen Laubgebläse und Seuchenschutz: Die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs reinigen bei Wind und Wetter und sorgen außerdem dafür, dass die Horber sicherer leben.

11.09.2019

Von Philipp Koebnik

Um den Müll und das Laub auf den öffentlichen Wegen kümmern sich die Mitarbeiter der Stadtreinigung. Bilder: Karl-Heinz Kuball

Die Laubbläser, die die Mitarbeiter der Horber Stadtreinigung benutzen, sehen schwerer aus als sie sind. Obwohl recht groß, liegen sie locker in der Hand. Ihre Kraft wird indes spürbar, sobald der Motor läuft: Es gibt einen Rückstoß, wenn die Luft mit Wucht nach vorne drängt und die trockenen Blätter aufwirbelt.

Auch wenn es erst Mitte September ist, liegt mancherorts bereits reichlich Laub herum. Die Platanen auf der Promenade zwischen der Horber Dammstraße und der Turnierwiese haben einige Blätter fallen lassen. Die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs beseitigten neulich das Laub: Zwei von ihnen trugen es mit Hilfe ihrer Laubbläser an dem Mäuerchen zusammen, das die Promenade von der Turnierwiese abgrenzt, ein anderer Mitarbeiter fuhr dort danach mit der Kehrmaschine entlang und sammelte mit ihr die Blätter zusammen.

Zwischen Alltag und Großevent

Die öffentlichen Wege vom Herbstlaub zu befreien, gehöre zu ihren Hauptaufgaben, erklärt Simon Schneider, der beim Horber Bauhof für die Stadtreinigung und die Grünpflege zuständig ist. Auch Unkraut entfernen die Mitarbeiter der Stadtreinigung. Praktisch ganzjährig gebe es Müll zu sammeln und Zigarettenkippen aufzulesen. Besonders viel zu tun ist freilich nach Großveranstaltungen, beispielsweise den Ritterspielen, und während der Fasnet. Außerdem holen die Bauhof-Mitarbeiter Müll ab, den Leute unsachgemäß einfach irgendwo abgeladen haben, zum Beispiel Autoreifen und Farbkübel. Dabei sind die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs im gesamten Stadtgebiet unterwegs.

Seit 15 Jahren macht Michael Futac den Job. Er ist montags bis freitags in der Regel alleine unterwegs und sammelt Müll auf. Mitunter benutzt der 50-Jährige einen Laubbläser, um die Wege von Unrat zu befreien. Sonntags sind stets zwei Mitarbeiter ungefähr fünf Stunden lang auf Reinemache-Tour, um die Müllreste des Wochenendes aufzuräumen, erklärt Schneider.

Zweimal pro Woche ist die Kehrmaschine in der Kernstadt unterwegs, an anderen Tagen reinigt sie die Straßen in den Teilorten. Die Kehrmaschine ist außerdem mit einem Besen und einem Rechen ausgestattet. Die kommen jedoch vor allem bei der Beetpflege zum Einsatz, erläutert Schneider. Die Plätze, Wege und Straßen händisch von Laub und ähnlichem zu befreien, wäre viel zu aufwändig, sagt er. In jedem Fall habe die Beseitigung des Mülls oberste Priorität, erklärt Schneider. Notfalls müssten andere, weniger wichtige Aufgaben auch mal zurückstehen.

Täglich ist außerdem das sogenannte Müllauto unterwegs, dessen Fahrer Sükrü Tekin die Abfalleimer im Stadtgebiet leert. Das Fahrzeug ist praktischerweise in der Lage, den eingeworfenen Müll auch sogleich zu pressen. Und Müll kommt in der Horber Kernstadt einiger zusammen: Schneider schätzt, dass das Müllauto pro Woche 1,5 Tonnen Abfall abliefert und die Kehrmaschine sogar täglich rund 1 Tonne. Der Inhalt der Kehrmaschine landet bei der Abfallentsorgungsfirma Alba im Heiligenfeld. Darüber hinaus reinigt Tekin einmal in der Woche die Brunnen.

Oberste Priorität habe das Bahnhofsareal, das gewissermaßen das Eingangstor zur Stadt ist. Und dieses soll einladend wirken. Weitere „Hotspots“ der Stadtreinigung sind laut Schneider die Turnierwiese, die Neckarstraße, der Bereich ums Alte Freibad sowie beim Martin-Gerbert-Gymnasium und die Wege, die zum Neckarbad führen, denn dort gibt es reichlich Sitzgelegenheiten.

Die Einsätze der Stadtreinigung würden von den Bürgern ganz unterschiedlich wahrgenommen, berichtet Schneider. Manche seien der Meinung, die Mitarbeiter seien viel zu oft unterwegs, während andere sofort anriefen, wenn irgendwo Müll auf der Straße liegt, um zu fragen, wann dieser weggeschafft werde.

Tote Tiere, Spritzen, Flaschen

Regelmäßig gilt es, die auf der Turnierwiese herumliegenden Bier- und Wodkaflaschen einzusammeln. Auch ein Fahrrad haben sie schon mal aus dem Neckar gezogen, erinnert sich Bauhof-Mitarbeiter Bernd Fritz. Seltener müssen sie Tierkadaver entsorgen, zum Beispiel tote Füchse und Ratten. Als vor ein paar Jahren die Vogelgrippe einige Tiere dahinraffte, waren die Mitarbeiter in Schutzanzügen unterwegs, um die toten Vögel zu entsorgen, ohne sich selbst einer Gefahr für die Gesundheit auszusetzen. Auch andere Situationen können gefährlich sein, wenn ein Mitarbeiter etwa aus Versehen in eine herumliegende Spritzen oder Scherbe greift. Deshalb tragen die Mitarbeiter nicht nur Handschuhe und haben stets Desinfektionsmittel dabei. Sie müssen auch einen Sicherheitskurs absolvieren.

Futac ärgert sich darüber, dass manche Leute offenbar „keine Skrupel“ hätten, ihren Abfall einfach auf die Straße zu werfen. „Das ist reiner Wohlstandsmüll“, sagt er. Schneider kritisiert eine „Irgendjemand-wird’s-schon-wegräumen“-Mentalität, die er bei vielen Leuten vermutet. Fritz ist sich sicher: Zu seiner Jugendzeit ließen die Leute nicht so viel Müll auf öffentlichen Plätzen und Wegen herumliegen. Und Tekin berichtet, wie er kürzlich den Containerplatz sauber gemacht hat und dieser nach gefühlt fünf Minuten erneut verdreckt war.

Ein Mangel an öffentlichen Mülleimern könne jedenfalls nicht die Ursache sein, sagt Schneider. Eimer gebe es genug, aber manche Leute würden sich ihres halb aufgegessenen Döners oder leerer Bierflaschen dennoch auf die denkbar leichteste Weise entledigen: einfach auf den Boden werfen. Mitunter bestehe das Problem auch darin, dass jemand einen sperrigen Pizza-Karton in den Mülleimer hineinzwängt, sodass andere Passanten dort nichts mehr einwerfen können.

Kippen gehören richtig entsorgt

Ärgerlich sind auch weggeworfene Zigarettenkippen. Durch sie gelangen nicht nur zahlreiche Giftstoffe und Mikroplastik in die Umwelt. Von geschotterten Böden sind sie zudem nur schwer aufzusammeln, weiß Schneider.

Bisweilen ist die Arbeit durchaus anstrengend, sagen die Bauhof-Mitarbeiter. Schwere Müllsäcke herumwuchten, stundenlang mit dem Laubbläser in der Hand arbeiten, bei Wind und Wetter draußen unterwegs sein – das kann schlauchen. Im Winter sei die Arbeit oft „kein Zuckerschlecken“, sagt Bernd Fritz. Und im Sommer? Nun ja, da müsse man eben genug Wasser trinken, sagt er gelassen.

Simon Schneider

Hin und wieder bei der Beetpflege im Einsatz: der gute alte Besen.

Klimafreundlich reinigen

Der Einsatz von Laubbläsern sei „unumgänglich“, sagt Rolf Kotz von der städtischen Pressestelle (wir berichteten). Mit ihnen tragen die Bauhof-Mitarbeiter den Müll und das Laub zusammen, das dann die Kehrmaschine aufsammelt. Nur mit Besen ginge das angesichts der Größenordnungen nicht. Der Bauhof besitzt neun benzinbetriebene Blasgeräte und ein akkubetriebenes Laubgebläse. Man sei bemüht, auf „klimafreundlichere Maschinen und Fahrzeuge“ umzusteigen. Das erfolge schrittweise beim Ersetzen alter Geräte.

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Erstellt:
11. September 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
11. September 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 11. September 2019, 01:00 Uhr

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