Stuttgart

VfB-Trainer unter Druck: Hannover bereits letztes Spiel?

Die Partie in Hannover hat für den VfB Stuttgart noch einmal an Brisanz gewonnen. Denn über die Zukunft von Trainer Tim Walter wird spekuliert. Ist es tatsächlich schon sein letztes Spiel?

20.12.2019

Von dpa/lsw

Stuttgarts Trainer Tim Walter. Foto: Uwe Anspach/dpa/Archivbild

Stuttgarts Trainer Tim Walter. Foto: Uwe Anspach/dpa/Archivbild

Stuttgart. Thomas Hitzlsperger war ungewöhnlich sauer. Mit deutlichen Worten übte der Vorstandsvorsitzende des VfB Stuttgart Medienkritik und wies einen Bericht über das angeblich schon feststehende Aus von Trainer Tim Walter entschieden zurück. „Ist schon eine ziemliche Frechheit, was die sich rausnehmen. Nichts ist entschieden“, schrieb Hitzlsperger am Freitag auf Twitter.

Nach seiner Aussage steht noch nicht fest, dass das Auswärtsspiel der Schwaben am Samstag bei Hannover 96 (13.00 Uhr/Sky) das letzte Spiel von Walter als Trainer des VfB sein wird. Sport1 hatte zuvor berichtet, dass die Trennung von Walter unabhängig vom Ergebnis des Gastspiels in Niedersachsen bereits beschlossen sein soll. Ein Vereinssprecher wollte den Bericht „nicht bestätigen“.

Hitzlsperger antwortete deutlicher: Tatsachen seien „frei erfunden“, das sei „so lächerlich“. Ein Sport1-Sprecher sagte dagegen: „Wir haben dafür verschiedene Quellen. Deswegen ist der Artikel so erschienen.“ Der Druck auf Walter scheint in jedem Fall trotz einer noch einer immer recht komfortablen Ausgangssituation in der 2. Fußball-Bundesliga im stets unruhigen Stuttgarter Umfeld enorm zu sein.

Der Trainer selbst reagierte auf die Spekulationen beherrscht. Wiederholt wurde er gefragt, ob es sein letztes Spiel sein werde. Walter verlor nicht die Nerven. Er wurde auch nicht unfreundlich. „Ich mache mir über ungelegte Eier keine Gedanken“, sagte er. „Es ist ja so, dass spekuliert werden darf. Wir machen das Spiel. Dann werden wir uns ausführlich zusammensetzen und über die Situation reden.“

Ist Walter selbst sicher, dass er auch im neuen Jahr noch VfB-Trainer sein wird? „Immer, weil ich überzeugt bin von dem, was ich tue“, sagte der 44-Jährige. Ob ein Rücktritt ausgeschlossen sei? Walter lachte. „Ich liebe meine Mannschaft. Wir haben ein Super-Verhältnis.“ Aber wird Walter noch als der Richtige für die erhoffte Bundesliga-Rückkehr angesehen?

Mit einem Erfolg bei den Niedersachsen könnte der VfB als Tabellenzweiter in die Winterpause gehen. Maximal ist ein Abrutschen auf Platz vier möglich. Trotzdem wird über Nachfolger spekuliert. Der „kicker“ nennt Markus Anfang oder Sandro Schwarz als Kandidaten. Auch diesen Bericht kritisierte Hitzlsperger.

Möglicherweise aber hilft Walter auch ein überzeugender Sieg im letzten Spiel des Jahres. Ausgerechnet jetzt muss der VfB jedoch nach dem 1:1 in Darmstadt zum zweiten Mal nacheinander in der Fremde ran. Nur ein Punkt sprang aus den vergangenen vier Auswärtsspielen heraus, die letzte erfolgreiche Reise ist fast drei Monate her. 1:0 gewann der VfB am 27. September in Bielefeld. Es war nach einem gelungenen Saisonauftakt das letzte Spiel vor der Wende zum Negativen.

„Die Zeit, die wir bislang verbracht haben, war eine sehr nutzvolle Zeit. Insgesamt ist die Entwicklung gut“, sagte Walter, der im Sommer den Posten übernommen hatte, trotzdem. Die Punkteausbeute sagt das Gegenteil. Doch Walter verwies einmal mehr auf das ewige Leid der mangelnden Effizienz im Torabschluss.

Ist die Geduld nun zu Ende? Hitzlsperger hatte eine Jobgarantie jüngst auch deswegen vermieden, weil es generell keine Garantien im schnelllebigen Fußball-Geschäft geben könne. „Tim Walter spürt unsere absolute Rückendeckung“, hatte Sportdirektor Sven Mislintat immerhin vor wenigen Tagen gesagt.

Dass es Knatsch mit Führungsspielern geben soll, wies Walter klar zurück. „Bei uns herrscht keine Krisenstimmung“, sagte der Coach. Dass ein Holger Badstuber verärgert ist, wenn das Ergebnis nicht stimme, sei „völlig normal“. Seine Profis und er seien ein „verschworener Haufen“, schilderte Walter und verabschiedete sich so, als sei klar, dass er auch 2020 noch VfB-Trainer sei: „Ein frohes Fest und guten Rutsch - und wir sehen uns dann im neuen Jahr“.

Zum Artikel

Erstellt:
20.12.2019, 14:17 Uhr
Lesedauer: ca. 2min 45sec
zuletzt aktualisiert: 20.12.2019, 14:17 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen