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Was geschah in Nathanaels Kopf?
Michael Miensopust
Theater

Was geschah in Nathanaels Kopf?

E.T.A. Hoffmanns Erzählung „Der Sandmann“ hat heute als Theaterstück über dunkle Mächte am Jungen LTT Premiere.

18.11.2016
  • ST

Am heutigen Freitag kommt E.T.A. Hoffmanns Schauermärchen „Der Sandmann“ in einer Bühnenfassung von Michael Miensopust auf die große Bühne des LTT. Die vielschichtige Geschichte über einen jungen Mann, der zwischen Wahn und Wirklichkeit hin- und hergerissen wird, weil er sich von einer dunklen Macht, dem bösen Sandmann, bedroht fühlt, richtet sich nicht nur an ein junges Publikum ab 12 Jahren. Dramaturgin Susanne Schmitt sprach mit Michael Miensopust, der das Stück inszeniert.

„Der Sandmann“ ist kein einfacher Stoff. Was reizt Sie an dieser komplizierten Geschichte?

Michael Miensopust: Als Romantiker war es für E.T.A. Hoffmann selbstverständlich, dass die Grenzen zwischen der realen Welt und einer fantastischen Welt fließend sind. Und gerade junge Menschen bewegen sich heute auch ganz selbstverständlich durch verschiedene Welten, durch reale und fantastische – im richtigen Leben und virtuell. Die Grenzen verwischen, diese unterschiedlichen Welten beeinflussen sich gegenseitig. Daher ist E.T.A Hoffmann in meinen Augen nach wie vor aktuell. Es geht ihm im „Sandmann“ um bestimmte, konkrete und um unbestimmte, diffuse Ängste. Das reizt mich, vor allem in der theatralen Übersetzung: Wie kann man das heute jungen Menschen auf der Bühne erzählen? Welche Kraft hat das Theater, um Bilder für diese seelischen Zustände zu finden?

Diese alte Geschichte ist so weit weg, dass sie für die jungen Leute wieder interessant wird?

Weil diese „alten“ Geschichten eben eine bestechende Direktheit haben! E.T.A. Hoffmann hat den „Sandmann“ 1815 geschrieben, einige Jahrzehnte bevor Siegmund Freud die Methoden der Psychoanalyse entwickelte, und trotzdem liest es sich heute wie eine sehr präzise psychologische Studie über Traumata und Wahnvorstellungen. Freud hat sich sogar mehrfach mit dem „Sandmann“ beschäftigt. Ich finde das sehr spannend, denn ich glaube, dass in unserem Vergnügen an Grusel und Schauer auch immer das Interesse an den Abgründen der menschlichen Psyche steckt. Alle Horrorfilme spielen mit dieser Angstlust, schon kleine Kinder genießen das – in Märchen oder zum Beispiel an Halloween.

Was ist „Der Sandmann“ eigentlich – in erster Linie ein Psychogramm, ein gruseliges Schauermärchen oder eine Art Science-Fiction?

Ich glaube, der „Sandmann“ hat von allem etwas. Diese eigentümliche Mischung aus phantastischen, schaurigen und psychologischen Elementen hat einen großen Reiz. Dazu kommt der Zauber der Bühne, den ein junges Publikum oftmals intensiver erlebt, weil das Theater viel unmittelbarer erzählt als zum Beispiel der Film. Daher versuche ich, zusammen mit der Bühnen- und Kostümbildnerin Christine Brunner-Fenz und dem Komponisten Christian Dähn eine Umsetzung dafür zu finden, was wohl in Nathanaels Kopf vor sich geht: Menschen verschwinden einfach durch Wände, Dinge, die wir nicht sehen, machen Geräusche und der Boden beginnt plötzlich zu leuchten ...

Worum geht es im „Sandmann“

Die Begegnung mit dem geheimnisvollen Händler Coppola weckt im Studenten Nathanael Erinnerungen an Coppelius, den bösen Sandmann seiner Kindheit. Seit dem plötzlichen Tod seines Vaters war Coppelius spurlos verschwunden, aber nun ist er wieder aufgetaucht! Selbst seine Verlobte Clara kann Nathanael nur schwer beruhigen. Doch dann erblickt er durch das Fernglas, das er Coppola abgekauft hat, eine geheimnisvolle Schöne: Olimpia. Sie scheint perfekt, nur ihre Augen blicken merkwürdig starr.

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18.11.2016, 01:00 Uhr

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