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Brauchtum

Würfeln heute wie früher populär

In der Winterzeit haben sich die Gäu-Bewohner an die alten Bräuche aus ihrer Kindheit erinnert.

13.01.2018
  • Alexandra Feinler

Silvester hatte früher nicht die Bedeutung, wie heute“, erinnert sich eine Frau aus der Eutinger Frauengruppe. Zu ihrer Kindheit brachte die „Döte“ ihren Patenkindern eine selbstgebackene Neujahrsbrezel. Da hätten sich die Kinder schon viele Tage vorher darauf gefreut. Ein Brauch, den auch Familie Wally aus Göttelfingen kennt. Der Bäcker hätte damals keine Massen an Neujahrsbrezeln gebacken und so sei diese schon etwas Besonderes gewesen.

An der Rezeptur der Neujahrsbrezel habe sich nichts geändert. „Vielleicht war se net ganz so groß wie heut“, denkt die Eutingerin zurück. Bei ihnen wurden zu Silvester Neujahrswünsche dem Nachbar und den Verwandten überbracht. Bei den Verwandten gab es noch ein paar „Bredle“. Ansonsten sei das neue Jahr öffentlich nicht groß gefeiert worden.

Rechnen angesagt

In den Göttelfinger Wirtschaften habe man sich früher zum Neujahrswürfeln getroffen, erinnert sich Peter Schüssler vom FC Göttelfingen. Jung und Alt wären zusammengesessen und hätten einige gesellige Stunden verbracht. Zwischendurch wurde gesungen, Witze gerissen und der Nachmittag sinnvoll verbracht, denn mitrechnen war angesagt. Diesen Brauch rief der FC Göttelfingen im Rahmen seiner Feier des 90-jährigen Bestehens 2016 wieder ins Leben.

Beim Silvesterwürfeln durften Kinder und Erwachsene mitmachen. Sie bekamen einen Würfelbecher und mussten mit drei Würfeln die höchste Punktzahl erreichen. Zwei Versuche hatten sie. Wer gewann, sicherte sich eine Neujahrsbrezel.

Theater-Aufführungen üblich

Wie lange dieser Brauch schon in Göttelfingen besteht, kann der FC Göttelfingen nicht sagen. „Wir wollen ihn weiter am Leben halten“, planen die Vorsitzenden. Ansonsten sei Silvester in Göttelfingen eher privat gefeiert worden. Ein Jahr war mal eine Silvesterparty vom Tennis in der Korntalhalle, erinnert sich so mancher Bürger. Früher hätte man jedoch eher mit der Familie gefeiert, denn Geld habe damals kaum einer gehabt und so war Silvester, kurz nach Weihnachten, kein großes Fest.

Die Kinder hätten sich auf Silvester gefreut, weil das neue Jahr nahe war, weiß Hilde Miller. Sie hätte zu Silvester immer Karten an ihre Verwandtschaft geschrieben. Beliebte Motive aus der Region wurden verschickt, zeigt sie eine Postkarte von 1965. Diese zeigt das Ortsbild von Eutingen, das von der Sankt Stephanuskirche im Herzen des Ortes geprägt wurde. „Ein seliges Neues Jahr“ wurde gewünscht. Dabei ist die Karte komplett ausgenutzt worden, sogar bis ins Adressfeld wurde hineingeschrieben.

In der Weihnachts- und Silvesterzeit wurde früher in vielen Orten der heutigen Gemeinde Eutingen im Gäu Theater gespielt. In Göttelfingen gab es im ehemaligen Schwesternhaus eine Bühne, auf der die jungen Göttelfinger das Krippenspiel aufgeführt hätten.

Mitte der 1960er-Jahre zogen die Schwestern aus Göttelfingen weg und damit verschwand auch der Brauch. Auch das Kartenschreiben verschwand und so wird noch selten ein Neujahrsgruß verschickt. Dafür nahmen die Feierlichkeiten, jedoch im privaten Bereich zu.

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13.01.2018, 01:00 Uhr

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