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Fußball-Bundesliga

Zwei Klubs, zwei Wege, ein Ziel

Wenn der SC Freiburg heute in der Bundesliga 1899 Hoffenheim herausfordert, prallen erfolgreiche Klubphilosophien aufeinander.

15.10.2016
  • MATTHIAS JEDELE

Am 6. Juni 1993 besiegelte der Schlusspfiff von Schiedsrichter Gerhard Theobald die Freiburger 2:3-Niederlage in der Zweitligapartie beim VfL Osnabrück. Für die Breisgauer war dies jedoch alles nur halb so schlimm, denn unter dem damaligen Cheftrainer Volker Finke stieg der SC Freiburg das erste Mal in der Vereinsgeschichte in die Fußball-Bundesliga auf. In 46 Zweitligaspielen – in der zweiten Liga spielten in der Nachwendezeit 24 Mannschaften – schossen die Breisgauer 107 Tore und holten nach der damals gültigen Zweipunkteregel stattliche 65:27 Punkte. Die TSG Hoffenheim strampelte zur gleichen Zeit noch in der Landesliga vor sich hin und war von einem Baden-Württemberg- Derby mit den Freiburgern in der Bundesliga weit entfernt.

Jetzt, 23 Jahre später treffen beide Klubs bereits das 13. Mal im deutschen Oberhaus aufeinander.Während sich die Freiburger, unabhängig von ein paar Abrutschern in die 2. Liga, im deutschen Spitzenfußball einen Namen machten, musste sich Hoffenheim den Weg nach oben erst erkämpfen.

Der frühere TSG-Stürmer und SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp unterstützte seinen Heimatklub als Mäzen ausdauernd und mit entsprechendem Aufwand. So war es nicht verwunderlich, dass bereits 2001 der Aufstieg in die Regionalliga gefeiert werden konnte. Mit der Auslagerung der Fußballabteilung in die TSG Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH im Jahr 2005 erhöhte Mäzen Hopp den Einsatz für das Projekt „Profifußball in der Rhein-Neckar-Region“ großzügig bis in den dreistelligen Millionenbereich. Sein Vorschlag war es, die Kräfte der regionalen Vereine TSG Hoffenheim, FC Astoria Walldorf und SV Sandhausen zu bündeln und einen neuen Verein unter dem Namen FC Heidelberg 06 zu gründen. Für ein gemeinsames neues Stadion war dabei für Hopp der Standort Heidelberg aus Namens- und Imagegründen erste Wahl. Das Vorhaben, dort ein bundesligataugliches Stadion zu bauen, scheiterte jedoch am Widerstand der Vereine aus Walldorf und Sandhausen, sowie an der Standortfrage. Aus Zeit- und Kostengründen bekam schließlich Sinsheim den Zuschlag und die Rhein-Neckar-Arena wurde in Auftrag gegeben. Die Einweihung erfolgte pünktlich zum ersten Bundesliga-Jahr der TSG 2009.

Die Freiburger konnten währenddessen zahlreiche Rekorde feiern. So konnten die Zuschauer im Breisgau 1995 und 2001 sogar internationalen Fußball verfolgen, da es der SC geschafft hatte, sich für den Europapokal zu qualifizieren.

Gezielte Jugendarbeit

Junge Talente auszubilden und dann mit Gewinn an die großen Vereine in Deutschland und Europa zu verkaufen, so lautet die schlichte wie schlüssige Erfolgsformel der Freiburger, mit der sie sich das Überleben im deutschen Profifußball nachhaltig sichern konnten. So durchliefen beispielsweise Matthias Ginter, Oliver Baumann und Daniel Caligiuri die Nachwuchsmannschaften des Klubs. Nach ihrem Durchbruch im Profibereich wurden sie dann für insgesamt 20 Millionen Euro verkauft.

Eine ähnliche, aber etwas zugespitzte Philosophie verfolgen seit ein paar Jahren auch die Hoffenheimer. Das Konzept lautet: Talentierte Spieler günstig einkaufen, ausbilden und mit Gewinn wieder abgeben. Für Roberto Firmino, Carlos Eduardo, Luiz Gustavo, Gylfi Sigurdsson und Josule bezahlten die Hoffenheimer eine Ablösesumme von insgesamt 23,2 Millionen Euro. Durch den Verkauf nahm die TSG rund 96 Millionen Euro ein und unterstrich damit deutlich den Anspruch, ein gewinnorientiertes Unternehmen zu sein. Mit der Erweiterung des Jugendleistungszentrums geht der Hoffenheimer Weg aber künftig mehr in die Freiburger Richtung: eigene Ausbildung.

Was kann sich Hoffenheim von den Freiburgern abschauen? Der SC steht für die langfristig ausgelegte Strategie, was auch der vertrauenswürdige Umgang mit den Trainern, selbst nach Abstiegen, dokumentiert. Während sich bei der TSG in den letzten Jahren das Trainerkarussell oft schnell drehte, sitzt Christian Streich in Freiburg bereits fünf Jahre auf dem Chefsessel. Eine ähnliche Kontinuität erhofft man sich in Hoffenheim nun auch mit Julian Nagelsmann.

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15.10.2016, 06:00 Uhr

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