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Haugenstein

24 frierende Familien warten auf den Durchbruch

Kraftwerkkauf hängt noch vom Gemeinderat und Detailfragen ab. Mittel wurden hierfür vorsorglich im Haushaltsplan eingestellt. Es gab fünf Anzeigen wegen Körperverletzungsdelikten gegen Heizkraftwerkbetreiber Osbelt.

19.01.2017
  • Benjamin Breitmaier

Bis nächsten Dienstag wird das Thermometer nicht an der 0-Grad-Grenze kratzen – so lautet die frostige Prognose der Wetterdienste. Horb wintert. Dabei sitzen drei Kilometer von der malerischen Kulisse der Altstadt entfernt immer noch mehr als 50 Bürger in der Kälte. Die Elektroheizungen und Heizlüfter verbrennen dringend benötigtes Geld. Die kalten Temperaturen schlagen auf die Gesundheit. Noch sechs Häuser ohne Heizung, 24 Familien. In ihren Wohnungen bildet sich Schimmel, die Luftfeuchtigkeit beträgt 70 Prozent. Bei der Polizei in Horb sind bereits fünf Anzeigen aufgrund von Körperverletzungsdelikten eingegangen. Beschuldigt wird jeweils der Heizkraftwerkbetreiber Andreas Osbelt. Sie werden voraussichtlich noch in dieser Woche der Staatsanwaltschaft in Rottweil übermittelt, die das weitere Verfahren prüft.

Die Familien im Haus 31 gehören zu den letzten, die in der Kälte auf Besserung hoffen. Claudia Endres wohnt hier, gleichzeitig ist sie Eigentümerin. Sie berichtet aus dem Innern des Hauses: „Meine Nachbarin ist schwanger, sie musste die Wohnung verlassen.“ Die Frauenärztin hätte es ihr verboten, weiterhin in der Wohnung zu bleiben. Sie konnte bei ihren Eltern unterkommen. Der Vater wohnt noch im Haus 31. Laut Endres seien einige Bewohner ausgezogen. Für die Gebäude bedeutet das nichts gutes. Endres: „Unser Nachbar war zwei Tage weg, danach hatte die Wohnung noch neun Grad.“ Es gab bereits kälte-bedingte Rohrbrüche. Endres kann sich noch gut daran erinnern, als im Sommer plötzlich die Wärme fehlte. In der Nacht vom 25. auf den 26. August drehte Osbelt den Hahn zu – keine Mahnung, keine Sperrandrohung laut Endres.

Der vergangene Freitag sitzt Endres noch in den Knochen. Wieder ein Tag vor Gericht, wieder ein – aus ihrer Sicht – wenig zufriedenstellendes Ergebnis. Es geht um 12000 Euro an Nachzahlungsforderungen gegenüber der WEG, einer Wohnungseigentümergesellschaft, in der sich alle Eigentümer der Wohnungen im Haus 31 zusammengeschlossen haben. Endres ist teil der Gesellschaft. Der Vorschlag der Gegenseite: 10 Prozent Nachlass auf alle Forderungen. Bei einem Treffen im Oktober hatte Osbelt noch 30 Prozent vorgeschlagen. Das ist vorbei. Was Endres gleichermaßen stört: „Osbelt will immer noch den vollen Grundpreis haben, obwohl er seit September keine Leistungen mehr erbracht hat.“ Da sich die Parteien am vergangenen Freitag nicht einigen konnten, geht der Prozess weiter.

Wie Endres berichtet, hätten andere WEGs Osbelts Forderungen mittlerweile beglichen, da es für sie keinen anderen Ausweg gebe. „Doch es gibt hier auch Leute, die das schlicht und ergreifend nicht können.“ Für eine Stellungnahme war Heizkraftwerkbetreiber Andreas Osbelt bis Redaktionsschluss nicht zu erreichen.

Kraftwerkkauf in greifbarer Nähe

Derweil gibt es Fortschritte beim Plan von Oberbürgermeister Peter Rosenberger, das Heizkraftwerk als Stadt zu übernehmen (die SÜDWEST PRESSE berichtete): „Die Fraktionen sind über den Beratungsstand informiert, sodass wir am Dienstag Entscheidungen treffen könnten“, erklärt Rosenberger im Gespräch. Am kommenden Dienstag wird im Horber Gemeinderat der Haushalt für das Jahr 2017 beraten. Unter Vorbehalt seien hier bereits Mittel für den eventuellen Kauf des Kraftwerks eingestellt. „Wir wollen Wärmelieferant werden, das können wir gut, darin sind wir Profis“, erklärte Rosenberger bereits in der SWR-Landesschau vom 9. Januar. Mit Andreas Osbelt seien mittlerweile die Eckpunkte der Übernahme festgezurrt, jetzt gelte es noch Detailfragen zu klären. Rosenberger fügt an: „Ich persönlich bin zuversichtlich.“

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19.01.2017, 01:00 Uhr

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