Horb · Das Mittwochs-Interview

„Den richtigen Lauf erwischen“

Vor einer Woche stürzte Timo Benitz im Finale der Deutschen Meisterschaft in Berlin über 1500 Meter. Um an der Weltmeisterschaft im September in Doha (Katar) zu starten, muss der Läufer der LG Farbtex Nordschwarzwald noch die Norm erfüllen.

14.08.2019

Von Maik Wilke

Eigentlich läuft Timo Benitz gerne zunächst in der Mitte des Feldes, um seine Energie für den Schlussspurt aufzuheben. Im Vorlauf der DM in Berlin über 1500 Meter (unser Bild) hat das funktioniert, im Finale stürzte der Läufer der LG Farbtex Nordschwarzwald. Bild: Ulmer

SÜDWEST PRESSE: Herr Benitz, im Fernsehen hat man nur die Wiederholung Ihres Sturzes im Finale der Deutschen Meisterschaft gesehen. Was ist genau passiert?

Timo Benitz: Das ist eigentlich schnell geschildert: Ich bin in der Mitte des Feldes gelaufen, dann wollte ein anderer Läufer von der Innenbahn nach außen ziehen und ist direkt vor mir gestürzt. Das ging so schnell, dass ich nicht mehr ausweichen konnte – und ebenfalls gestürzt bin.

Bis dahin war es ein langsames
Rennen, wäre Ihnen das
entgegengekommen?

Der Lauf war genau nach meinem Geschmack. Das Tempo war nicht hoch und ich hätte meine Stärke im Schlusssprint ausspielen können. Aber meine Position war nicht gut, soweit hinten im Feld muss man auch damit rechnen, dass ein Sturz passieren kann.

Sie hatten danach nur wenige Meter Rückstand, am Ende reichte es für Platz vier. Mehr ist auf diesem
Niveau nach einem Sturz wohl
nicht mehr drin, oder?

Solch einen Rückstand aufzuholen, dafür hat man keine Chance mehr. Ein Sturz kostet gleich in doppelter Hinsicht Energie: Ich musste danach ja die Geschwindigkeit von Null wieder aufbauen und dann direkt ein höheres Tempo gehen. Da bildet sich im Muskel sofort mehr Laktat.

Ende September steht das nächste Großevent, die Weltmeisterschaft in Doha an. Wie optimistisch sind Sie, dass Sie die Norm noch erfüllen?

Ich werde es auf jeden Fall versuchen, allerdings besteht nur noch bei wenigen Meetings die Chance, voll anzugreifen. Am 16. August wird in Göteborg ein EEA-Meeting ausgetragen, vielleicht klappt es ja dort.

Haben auch die Verletzungen, die Probleme im Ischiasnerv und der Ermüdungsbruch im Kreuzbein, noch eine Rolle gespielt?

Nein, das hat ja nichts mit dem Sturz bei den Finals in Berlin zu tun und auch nicht mit meiner aktuellen Form. Es geht viel mehr darum: Um die WM-Norm zu erfüllen, braucht man eben einen passenden Lauf, bei dem das Tempo von Beginn an stimmt. Und da es nun nur noch wenige Meetings gibt, gibt es eben auch weniger Chancen, solch einen Lauf zu erwischen. Also von der Form her ist die Zeit drin – ich brauche aber das richtige Rennen.

Sie äußern sich auch offen darüber, dass die Leichtathletik stärker gefördert werden, besser vermarktet werden muss. Wie haben Sie die gemeinsame Ausrichtung von gleich zehn Sportarten bei den Finals in Berlin wahrgenommen?

Ich war überrascht, dass so viele Zuschauer da waren. Das Interesse scheint also deutlich höher zu sein, wenn die Events zusammengelegt und auch vom Fernsehen übertragen werden.

Sie würden sich also dafür

aussprechen, die Finals zu wiederholen?

Wenn sich eine Stadt als Ausrichter finden lässt, auf jeden Fall. Die Finals sind ein gutes Projekt für alle Sportarten, deren Deutschen Meisterschaften dabei ausgetragen werden.

Zur Person:

Timo Benitz ist 27 Jahre alt und läuft für die LG Farbtex Nordschwarzwald. Der Student der Luft- und Raumfahrttechnik (in Berlin) ist siebenmaliger Deutscher Meister – allein vier Titel holte Benitz über seine Paradestrecke, die 1500 Meter (2014, 2016, 2017, 2018). Zudem sicherte sich der Dornstetter Benitz 2018 DM-Gold über die Crosslauf Mittelstrecke sowie in der 3 x 1000 Meter-Staffel 2018 und 2019.

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Erstellt:
14. August 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
14. August 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. August 2019, 01:00 Uhr

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